Nordirland: Wo schon Prinzessin Kate in den Apfel biss
Überraschend, genussvoll und voller Geschichten: Eine kulinarische Reise für alle Sinne durch den Norden der Insel.
Sanfte, üppig grüne Hügel, raue Küsten, steile Klippen, weite Seenlandschaften und mystische Moore – Nordirland, prädestiniert dafür, die Seele baumeln und seinen Gaumen verwöhnen zu lassen. Eine stolz erzählte Anekdote ist zum Beispiel, dass der in Killyleagh geborene Arzt Sir Hans Sloane (1660–1753) quasi die Schokolade erfunden hat.
Stimmt zwar so nicht ganz, er war aber maßgeblich für die Einführung von Milchschokolade in England verantwortlich. Während eines Aufenthalts in Jamaika mischte er nämlich den bitteren Kakao mit Milch und Zucker, um ihn genießbarer zu machen, und brachte dieses Rezept mit nach Europa.
Ein Herz für Schokolade
Besonders gute Schokolade gibt’s im 2011 gegründeten Familienunternehmen NearyNógs, eingebettet zwischen den Mourne Mountains und der Irischen See an der malerischen Mourne Coast in der Grafschaft Down.
Nordirlands erste Manufaktur für handgefertigte Schokolade, die von der Bohne bis zur Tafel alles selbst herstellt. Selbst die Schalen werden weiterverarbeitet, zum Beispiel zu Pflanzendünger, Tee oder Papier. Mitbegründer Shane Neary schwärmt, dass Schokolade gut fürs Herz und den Blutdruck sei, aber nur, wenn keine künstlichen Inhaltsstoffe drinnen sind, wie eben in seiner Schokolade.
Shane Neary
©Lisa TrompischSein ultimativer Tipp: Schokolade lieber nicht im Kühlschrank aufbewahren, da sie alle Gerüche aus der Umgebung absorbiert. Am besten in Frischhaltefolie einwickeln, dann hält der optimale Geschmack länger. Der Verkaufsschlager ist hier übrigens die „Old Fashioned 70%“, mit Orangenbitter, gebranntem Zucker und irischem Whiskey.
Apropos Whiskey, besonders „smooth“ (weich, angenehm, kein scharfes Brennen) und „well-balanced“ (ausgewogen) gibt’s ihn in der kleinen, aber sehr feinen 2017 gegründeten Killowen Distillery, im Herzen der Mourne Mountains im Süden des County Down.
„Wir sind zwar klein, aber wir machen viel Lärm und bekommen viele Preise“, erzählt Mitgründer Brandon Carty stolz. Wie zum Beispiel 2025 die Auszeichnung „Icon of Whiskey“.
Brendan Carty mit Premium-Whiskey seiner Killowen Distillery.
©Lisa TrompischHier wird eine sorgfältige Mischung aus Tradition und Innovation betrieben und Nachhaltigkeit großgeschrieben. „Wir sind ein kleines Team, aber wir lieben es, unsere Geschichte und unsere Leidenschaft für Whiskey mit den Besuchern zu teilen“, so Carty, der natürlich auch Führungen anbietet.
„Wir machen nicht nur Whiskey, wir schaffen ein Vermächtnis.“ Kenner geben übrigens ein paar Tropfen Wasser in ihr Glas, um den Whiskey „aufzuschließen“ und die Aromen freizusetzen.
Cartys ultimativer Anti-Kater-Tipp: Je älter der Whiskey, desto weniger Kopfweh am nächsten Tag. Und sollte es dann doch mal passieren, dass man über die Stränge schlägt, ein Glaserl nachlegen und dazu eine Tasse Tee, wie er lachend sagt.
Oder man gönnt sich ein Seetangbad. Das soll gut für die Haut und das allgemeine Wohlbefinden sein. Seit dreihundert Jahren hält das Familienunternehmen Crawfords Rock Seaweed mit Sitz in Kilkeel, einer Küstenstadt im County Down, stolz die Seetangrechte. Im Hafen von Kilkeel bietet man auch sogenannte Geschmackstouren mit vielen frischen Spezialitäten aus der Region und anschließendem Strandspaziergang, um selbst Seetang zu sammeln, an.
Royaler Besuch
Man könnte wirklich sagen, royal geht’s dann weiter in die Grafschaft Armagh, genauer in die Nähe von Portadown. Denn dort findet man den Apfelanbaubetrieb Long Meadow Cider, der sich seit dritter Generation in Besitz der Familie McKeever befindet.
Prinzessin Kate und Prinz William höchstpersönlich haben dem Betrieb einen Besuch abgestattet und sich die Produkte und die Herstellung genauestens erklären lassen. Besonders angetan soll es ihnen, laut Catherine McKeever, die Herstellung des preisgekrönten Apfelessigs und des Ciders haben.
Prinzessin Kate und Prinz William
©APA/AFP/POOL/CHRIS JACKSONDer Thronfolger verriet, dass er ein Fan von trockenem Apfelwein ist. Die beiden versuchten sich vor Ort auch selbst am berühmten Kartoffel-Apfel-Brot nach Familienrezept. Beim Ausrollen des Teigs haben sich die beiden laut McKeever regelrecht einen Wettstreit geliefert. Jeder, auch ohne blaues Blut, kann solch’ eine Obstgarten- und Apfelweintour buchen.
Besonders gschmackig geht’s weiter in der Grafschaft Fermanagh, denn dort leben die rund sechzig „curley pigs“ (Mangalitza-Schweine) von Stephen und Rachael McMaster. Stephen, der ursprünglich Tischler war und hier alles selbst mit viel Herzblut aufgebaut hat, macht übrigens auch Cider nach einem alten Familienrezept seines Großvaters.
Stephen McMaster kaufte 2014 sein erstes Mangalitza-Schwein
©Lisa TrompischHauptaugenmerk liegt aber auf High-End-Fleischprodukten, wie zum Beispiel besondere Salamis oder „sweet lado“. Die beiden sind mit ihren Köstlichkeiten auch regelmäßig auf lokalen Märkten in ganz Nordirland vertreten.
The Boatyard Distillery liegt am Ufer des Lower Lough Erne
©Lisa TrompischUnd den hochprozentigen, aber nicht minder köstlichen Abschluss dieser Genussreise gibt’s am Ufer des Lough Erne bei „The Boatyard Distillery“. Der Bestseller hier im Westen des Landes ist der Boatyard Double Gin (46 Prozent). Wacholderbeeren, Koriandersamen, Zitronenschale, Limettenschale, Angelikawurzel, Zimt, Kardamom, Süßholzwurzel, Schwertlilienwurzel, schwarzer Pfeffer und Iriswurzel machen den besonderen Geschmack aus.
Kommentare