Polen: Was von Hitlers Wolfsschanze blieb
Der massive Stahlbetongupf des Führers mit Riss ist heute ein eindrucksvolles Mahnmal.
Was ab August 1944 in Warschau passierte, ist eigentlich unvorstellbar: Um den Widerstand zu brechen, hatte Heinrich Himmler, Reichsführer SS, den Befehl gegeben, sämtliche Einwohner – egal, ob sie sich am Aufstand beteiligt hatten oder nicht – zu töten und die Stadt dem Erdboden gleichzumachen. Dass die Rote Armee schon vor den Toren stand, ließ die Nazis nicht von ihrem Teufelswerk abbringen: Sie sprengten systematisch Gebäude um Gebäude.
Die Entscheidung zu diesem ungeheuren Verbrechen wurde auf der Wolfsschanze gefällt. Auf diesen Umstand wird man ebendort eindringlich hingewiesen, ergänzt um Fotos. Die Wolfsschanze in den Masuren – nahe zu Kaliningrad – ist alles andere als ein Pilgerort für Ewiggestrige: Sie ist ein Mahnmal.
Polnische Holzschnitzereien weisen den Weg zur Wolfsschanze.
©Thomas TrenklerDie Führerhauptquartiere galten in der NS-Zeit als mythische Orte. Und die Wolfsschanze – Adolf Hitler selbst gab der Bunkeranlage den Namen – war die am meisten aufgeladene: Sie stand als unzerstörbares Bollwerk gegen den Kommunismus (aber erst nach dem Bruch mit Stalin, mit dem der Führer sich Polen brutal aufgeteilt hatte).
Die Wolfsschanze wurde ab 1940 durch die Organisation Todt oberirdisch errichtet. Zum Schutz gegen Luftaufklärung lag sie in einem (einst) dichten Wald unter Tarnnetzen. 1944 hatte die Anlage 100 Objekte, darunter viele Baracken, die mit immer dickeren Stahlbetonmänteln hochgerüstet worden waren. Das mit dem Unzerstörbar stimmt schon irgendwie: Es gelang nicht einmal, den Stahlbetongupf des Führers (er lebte 800 Tage hier!) zu sprengen, aber der tiefe Riss in „Schron Adolfa Hitlera“ – versehen mit der unheilvollen Nummer 13 – ist eindrucksvoll genug. Bei einem anderen Hochbunker ist die erstaunlich dicke Seitenwand zur Seite gekippt: nicht um 3,5 Grad (wie die Lueger-Statue als künstlerische Intervention in Wien), sondern um gut 45 Grad. Ganz will sie nicht umfallen, und so stützen Besucher sie mit Ästchen ab: ein groteskes Bild.
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Landschaft Die Masurische Seenplatte mit idyllischen Szenerien ist nur zu kleinem Teil touristisch erschlossen.
Deutscher Orden Die Kreuzritter-Organisation baute im Mittelalter mächtige Burgen in Ostpreußen, u. a. Marienburg (Malbork) und Heilsberg (Lidzbark Warmiński).
Święta Lipka In der barocken Wallfahrtskirche Heiligelinde starren alle zur mechanischen Orgel: Wenn sie gespielt wird, bewegen sich u. a. die Engel.
Attentat von Stauffenberg
Im Zentrum steht die minutiöse Nachstellung des gescheiterten Attentats von Claus Graf von Stauffenberg auf Hitler am 20. Juli 1944. Beim Erkundungsgang durch die Ruinenlandschaft kommt einem die „Trabantenstadt“ in den Sinn, die Caesar nahe des gallischen Dorfes von Asterix errichten ließ. Und man bekommt viel Nachhilfeunterricht in Sachen Holocaust. Also echt kein Ort für Leugner.
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