Malaga cathedral and square colofrul architecture street view

Málaga: Andalusiens neuer Hotspot am Mittelmeer

Die Küstenstadt in Andalusien sprüht vor Lebensfreude. Eine unwiderstehliche Melange aus Architektur vergangener Epochen, Tapas-Bars und Strandleben macht Málaga zum neuen Hotspot am Mittelmeer.

Von Christina Fieber 

Bienvenidos a la Costa del Sol“, ruft der Taxifahrer am Flughafen von Málaga überschwänglich, als würde er alte Freunde aus dem Ausland empfangen. Allein von der Sonne ist keine Spur – es nieselt und hat gerade einmal 14 Grad an diesem Märztag. Ungewöhnlich kühl für die Jahreszeit in Andalusien: „Das kommt praktisch nie vor“, erklärt der freundliche Taxler; vorige Woche wäre er schon im Meer geschwommen – jetzt sei der Winter zurückgekehrt. „Verrückt!“ Er erzählt, dass er eigentlich aus dem Norden kommt, aus dem Baskenland, aber hier in Málaga sei das Leben angenehmer – das Klima, die Menschen, das Mittelmeer.

Nach einigen Tagen in der andalusischen Stadt gibt man ihm Recht: Selbst Touristen gegenüber sind die Einwohner Málagas von einer außergewöhnlichen Freundlichkeit: nicht jene professionelle Höflichkeit, um Fremde abzuzocken – sie besitzen vielmehr noch eine authentische Herzlichkeit. Man fühlt sich hier wirklich willkommen. Tatsächlich hat die Stadt rund 300 Sonnentage im Jahr. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt tagsüber 23 Grad, eine der wärmsten in Europa. Trotzdem ist es hier auch im Sommer noch erträglich: Málaga liegt an der Costa del Sol – vom Mittelmeer weht meist ein kühlender Wind. Viele Jahre lag sie im Schatten von Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens. Man flog hierher, reiste aber gleich weiter. Seit einigen Jahren jedoch erlebt die Stadt einen regelrechten Boom. Nicht zuletzt wegen ihrer Lage am Meer, der belebten Altstadt und der freundlichen Einwohner.

Alcazaba of Malaga, Andalucia Spain

Eines der vielen historischen Schmuckstücke Málagas: die  maurische Festungs- und Palastanlage Alcazaba

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Palmen, Bodegas und das Meer 

Auf den ersten Blick mag Málaga nicht ganz so pittoresk erscheinen wie Sevilla – nimmt man sich aber Zeit, entdeckt man seine versteckte Schönheit. Vor allem das historische Zentrum mit all den herrschaftlichen Häusern aus vergangenen Epochen, mit Palmen gesäumten Promenaden, unzähligen Bodegas und Bars – und natürlich der Nähe zum Meer. Am ersten Tag dieser Reise geht es zur alten Markthalle „Mercado Central de Atarazanas“. Sie gilt als der Bauch von Málaga – in ihrem Inneren befindet sich ein Schlaraffenland für Feinschmecker. Neben fangfrischen Fischen und Meeresfrüchten werden hier gut abgelegene Steaks, Innereien, aber auch Feinkost wie Käse und der vielleicht beste Schinken der Welt angeboten: Jamón Ibérico, den es in allen nur erdenklichen Varianten und Reifegraden gibt. Frisch vom Bein geschnitten schmeckt er am besten. Der rohe Schinken vom Ibérico-Schwein ist in Spanien eine eigene Wissenschaft und wird entsprechend zelebriert.

Am Mercado Central gibt es mitunter auch die besten Tapas-Bars. Wir entscheiden uns für ein schlichtes Fisch- Tapas-Lokal, in dem sich vor allem Einheimische drängen, um einen der begehrten Plätze zu ergattern. Kein Wunder: Fisch und Meeresfrüchte sind einfach und köstlich, dazu ein wenig marktfrisches Gemüse wie gegrillte Pimientos, die kleinen grünen Paprikaschoten oder Artischocken, ein Glas Bier oder Weißwein. Und das alles kostet angesichts der Qualität fast nichts. Die Markthalle wird in diesen Tagen noch öfter Ziel sein, nicht zuletzt um sich mit Ibérico für daheim auszurüsten. Inzwischen hat sich auch der Regen verzogen und die Stadt zeigt sich von ihrer strahlenden Seite. Zeit für einen Stadtbummel im autofreien historischen Zentrum, um in einem der vielen Straßencafés einen Cortado (kleiner Kaffee mit Milch) in der Sonne zu genießen. Die Straßen mit dem glänzend-glatten Pflaster sind gesäumt von Orangenbäumen, die im März blühen und die ganze Stadt mit ihrem betörenden Duft durchdringen. Man kann nicht umhin immer wieder seine Nase an eine der weißen Blüten zu halten. Selbst vor der Kathedrale stehen unzählige, blühende Orangenbäumchen.

Malaga Spain lush greenery and architectural fountains in the Pedro Luis Alonso Gardens with the historic stone walls of the Alcazaba of Malaga fortress in the background.

Eine grüne Oase mitten in der Stadt: der Pedro Luis Alonso Park, mit unzähligen mediterranen und tropischen Pflanzen. Im Hintergrund: die maurische Festungsanlage Alcazaba
 

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Kurz vor Sonnenuntergang

Die prächtige „Catedral Nuestra Señora de la Encarnación“ wird von den Malagueños liebevoll „La Manquita“, die Einarmige, genannt, weil sie aus Kostengründen nie fertiggestellt wurde und so nur einen Turm besitzt. Lohnend sind auch die geführten Touren zu den Dächern der Kathedrale – der Blick von dort oben über die Stadt ist fantastisch. Die Kathedrale wurde nach der Eroberung Málagas durch katholische Eroberer im 15. Jahrhundert im Zuge der „Reconquista“ auf den Ruinen einer Moschee gebaut. Ein Sinnbild für die Stadt, die sich vor der Christianisierung einige Jahrhunderte unter maurischer Herrschaft befand. Etliche Bauwerke zeugen noch von dieser Zeit, etwa die „Alcazaba“ – die Festung aus dem 11. Jahrhundert, die sehenswert ist. Allein die Arkaden-Höfe mit ihren wundervollen Gärten lohnen einen Besuch.

Malaga city market

Bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt: die historische Markthalle – Mercado Central de Atarazanas
 

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Am Weg dorthin blühen die Bougainvilleen in kräftigen Farben – selbst im Winter, der in Málaga besonders mild ausfällt. Weiter oben auf dem Stadthügel liegt das „Castillo de Gibralfaro“. Der Aufstieg wird mit einem atemberaubendem Blick über die Stadt und das Meer belohnt. Von hier aus sieht man auch den Leuchtturm im Hafen und die alte Stierkampf-Arena, die zum Glück nur mehr selten bespielt wird.

Kurz vor Sonnenuntergang treffen sich an den Aussichtspunkten und entlang der Steintreppen Heerscharen von Touristen – auch so mancher Einheimische lässt sich das Spektakel nicht entgehen, wenn die Sonne im Meer versinkt und die Stadt in magisches Licht taucht. Wer noch nicht genug von all den prächtigen historischen Bauwerken hat, kann auf dem Rückweg Reste des antiken Amphitheaters Teatro Romano aus der Römerzeit besichtigen. Es ist dieser Mix aus Bauwerken unterschiedlichster Epochen, Religionen und Kulturen, die Málaga für historisch interessierte Besucher so interessant macht. Es lohnen sich aber auch profanere Genüsse. Zur Aperitif-Zeit locken Tapas-Bars mit kleinen, köstlichen Schweinereien. Es gibt sie an jeder Ecke in Málaga. 

Palm tree lined promenade in downtown Malaga Spain

Beliebter Treffpunkt am Meer: Die Hafenpromenade „muelle uno“ wurde 2011 eröffnet
 

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Wer besonders stimmungsvolle sucht, kehrt in die „Bodegas El Pimpi“ oder in das Stammhaus von „La Casa Lola“ ein. Beide Lokale könnten als Kulisse für eine historische Carmen- Verfilmung dienen. Man trinkt traditionell Wermut oder süßen Málaga- Wein, aber auch Bier, Cava und die unvermeidbaren orangen Spritz-Getränke. Noch traditioneller geht es in der Stehweinhalle „Antigua Casa de Guardia“ zu. In dem historischen Weinkeller werden Málaga-Wein, Sherry oder Wermut von den Fässern gezapft und in kleinen Gläsern zum Spottpreis angeboten. Die Zeche wird wie eh und je mit Kreide an der Theke angeschrieben. Dazu reicht man typisch Tapas-Gerichte. Zuweilen geht es hier etwas derb zu, aber man sollte die Bodega einmal gesehen haben.

Ich packe in meinen Koffer ...

Ich packe in meinen Koffer ... 

  • …  Bikini und Badehose: Ab April ist die Badesaison am Stadtstrand offiziell eröffnet.  
  • Sonnenhut: Selbst im Frühling kann es schon ganz schön heiß werden – da ist Sonnenschutz gefragt.
  • ... Tanzschuhe: Flamenco- oder Tango-Schnupperkurse werden von vielen Tanzschulen angeboten.
     

Kulinarisches Wahrzeichen 

Der größte Reiz von Málaga liegt wohl an ihrer Verbindung von historischer Altstadt und Strand. Hat man mal genug von Kultur und Geschichte, gönnt man sich einfach ein Nickerchen am Strand oder vom Frühling bis spät in den Herbst eine kurze Abkühlung im Meer. Freilich ist der Stadtstrand „La Malagueta“ nicht unbedingt für einen Badeurlaub geeignet. Aber für ein wenig Urlaubsgefühl reicht es allemal.

Espeto, Malaga style fish on stick barbecue prepared on olive tree firewoods

Schlaraffenland für Feinschmecker. Natürlich gibt es  fangfrischen Fisch. So wie hier die „Espetos“ in den Lokalen am Strand, den Chiringuitos
 

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Im Schatten von Palmen lauscht man dem Stimmengewirr von jungen Pärchen, von Strandverkäufern und spielenden Kindern und dem Kreischen der Mönchssittiche, die in den Palmen nisten. La Malagueta dient aber nicht nur der Erholung, sie spielt auch kulinarisch eine Rolle. Strandbars bieten neben den üblichen Drinks und Snacks Fischgerichte. Vor jedem Lokal ist in einer alten Boot- oder Metallwanne ein offenes Feuer entzündet, auf dem Spieße mit Fischen und Meeresfrüchten gebraten werden. „Espetos“ sind so etwas wie der Signature-Dish dieser typischen Strandlokale, die sich „Chiringuitos“ nennen.

Eigentlich sind sie ein kulinarisches Wahrzeichen von Málaga. Je weiter man sich an der Strandpromenade von der Stadt entfernt, desto einfacher und günstiger werden die Chiringuitos. Wer mehr Ruhe vom Stadttrubel und noch unverfälschte Lokale sucht, fährt mit dem Rad oder Bus nach El Palo oder Pedregalejo. Leider wird dort gerade umgebaut – es ist zu hoffen, dass etwas vom ursprünglichen Charme dieser Küstenvororte erhalten bleibt.

Kuriose Fakten: Wussten Sie, dass ...

Kuriose Fakten: Wussten Sie, dass ...

  • …   Málaga im Schnitt 280,2 Sonnenstunden pro Monat vor- zuweisen hat und eine der sonnigsten Städte Europas ist?
  • … Andalusien der größte Olivenölproduzent weltweit ist? Die Region produziert mehr als 80 Prozent des spanischen Olivenöls und etwa ein Drittel des weltweiten Angebots.
  • ...  Pablo Picasso in Málaga geboren und aufgewachsen ist?

 

Papageien im Park 

An heißen Sommertagen rettet man sich am besten in eine der vielen städtischen Parks, die mit ihrem Mix aus mediterranen und tropischen Pflanzen ein echter Augenschmaus sind. Immer begleitet vom Kreischen der Mönchssittiche, kleine grüne Papageien aus Südamerika, die es sich in Spaniens Städten gut eingerichtet haben. Auch wenn sie wegen ihres Lautpegels so manchem Einwohner als Plage gelten, sind die possierlichen exotischen Tiere für Touristen eine echte Attraktion.

 

The Marine of Malaga

Blickfang am Hafen: der bunte Glaskubus Centre Pompidou  
 

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In Málaga scheinen sie sich besonders wohl zu fühlen – sie gehören auch irgendwie zum Stadtbild und verleihen der Stadt ein wenig Tropengefühl. Noch mehr Grün gibt es im „Jardín Botánico“ mit rund 3.000 Pflanzen im Norden der Stadt. Und wenn es regnet, was tatsächlich vorkommt, kann man immer noch mit hunderten anderen Touristen das „Picasso Museum“ besuchen. Die Schlangen davor sind zwar lang, aber es werden ja auch immerhin gut 200 Werke des berühmten Malers und Sohn Málagas gezeigt. Auch sehr sehenswert und entspannend: das „Hammam al Ándalus“. Der Eintritt ist zwar nicht gerade ein Schnäppchen, die Kulisse des arabischen Bades im maurischen Stil jedoch einzigartig. Ein Traum aus tausend und einer Nacht. Eine Reise in die Vergangenheit.

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