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Kamptalseenweg: Weitwandern mit skandinavischen Flair im Waldviertel

Weitwanderwege gibt es im Waldviertel jede Menge. Aber nur einen, der gleich an drei Seen vorbeiführt, die durch einen wildromantischen Fluss verbunden sind: der Kamptalseenweg.

Ob man es glaubt oder nicht: Am Nebelstein bei St. Martin im Bezirk Gmünd starten mehr als zehn Weitwanderwege, die in alle Himmelsrichtungen führen. Und schon der Start ist ein Höhepunkt: Vom felsigen Gipfel Nebelstein auf 1.017 Meter Seehöhe hat man einen traumhaften Blick auf die weitläufigen Wälder des Oberen Waldviertels und Tschechiens – vorausgesetzt natürlich die Abwesenheit von dem, wonach der Berg benannt ist.

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Am Nebelstein.

©Kautzky Wolfram

Unter anderem startet auf dem Nebelstein der Kamptalseenweg (620). Dessen Name mag verwundern, denn vom Kamp ist dort weit und breit nichts zu sehen – erst nach etwa vierzig Kilometern, also circa acht bis zehn Gehstunden, wird man bei Zwettl auf ihn stoßen. Was der Attraktivität der Route keinen Abbruch tut, schließlich bekommt man auf dem Weg dorthin zunächst eine gänzlich andere Landschaft als nachher zu sehen: Wiesen, Wälder und Weiden statt Seen, Felsen und Burgen.

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Wegbeschreibung.

©Kautzky Wolfram

Info

Anreise
Von Wien per Bahn vom Franz-Josefs-Bahnhof nach Gmünd, weiter mit der Buslinie 758 bis St. Martin. oebb.at

Etappenplanung
Der Weg führt über gut 100 Kilometer vom Nebelstein (bei St. Martin/Weitra) in West-Ost-Richtung über Zwettl nach Rosenburg, was einer Gehzeit von 26 bis 28 Stunden entspricht. Wer verkürzen möchte, startet am besten in Zwettl, das – so wie der Endpunkt Rosenburg – gut mit Öffis erreichbar ist (nützlich ist die App „VOR A nach B“). Zwischen Ottenstein und Rosenburg gibt es lediglich in Krumau eine Übernachtungsmöglichkeit.

Übernachtungstipps
Für Sternwanderer bieten sich Standquartiere in Weitra (Hotel Hausschachen, hausschachen.at), Zwettl oder Friedersbach (Faulenzerhotel, faulenzerhotel.at) an.

Und dann kam die Flut

Kurz nach Zwettl beginnt dann jener Abschnitt, den man in dieser Form vor achtzig Jahren noch gar nicht hätte begehen können. Denn die drei aufeinanderfolgenden Seen, denen der Weg seinen Namen verdankt, entstanden erst in den 1950er-Jahren durch die Flutung der Täler von Kamp und Purzelkamp (ja, den gibt’s wirklich, er mündet bei Ottenstein in den Stausee). Der Eingriff in die Natur (bei dem kein einziger Ort geflutet werden musste!) diente der Errichtung einer dreistufigen Kraftwerkskette – und entpuppte sich auch davon abgesehen als Glücksgriff: Es entstand eine bis heute weithin unberührte Seenlandschaft, die dank ihrer Verästelungen skandinavisches Flair ins Waldviertel brachte.

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Ottensteiner Stausee.

©Kautzky Wolfram

Den Anfang macht der Ottensteiner Stausee, der größte und touristisch am meisten genützte der drei Seen (Bootsverleih, Campingplatz). Hier verläuft der Wanderweg auf einem promenadenähnlichen Weg unmittelbar am Seeufer – ein Genuss nicht nur für Weitwanderer. Den zweiten der Seen, den gänzlich unverbauten Dobra-Stausee mit seinem Campingplatz, bekommt man auf dem 620er so gut wie gar nicht zu sehen, denn der Weg verläuft nördlich des Sees auf der Hochebene des Waldviertels. Dafür entschädigt wird man durch den Letzten im Bunde, den Thurnberger Stausee – ihn passiert man auf einem Weg, der prächtige Aussicht auf das Wasser bietet. Tipp: Schönes Wetter vorausgesetzt, sollten Sie bei dem großzügigen Badeplatz nahe der Staumauer einen Köpfler in den kühlen See machen.

Absolute Stille

Wenn Sie plötzlich merken, dass Sie sich in einem Funkloch befinden und selbiges auch ein paar Stunden später noch immer jegliche Kommunikation mit der Außenwelt abschneidet; wenn Sie auf dem abschüssigen Weg plötzlich in aller Ruhe einer schillernden Smaragdeidechse ins Auge schauen; wenn Sie stundenlang keine anderen Wanderer zu Gesicht bekommen – dann befinden Sie sich am schönsten Abschnitt des Kamptalseenweges, jenem zwischen Wegscheid und Steinegg. Natur pur, nur das Rauschen des hier schon durchaus ansehnlichen Kamp ist zu hören.

Insgesamt drei Stunden dauert diese anspruchsvolle Etappe, die großteils auf einem engen Pfad bergauf, bergab unmittelbar neben dem Fluss verläuft. Hier wird der mäandrierende Kamp (von keltisch kambos = „gekrümmt“) seinem Namen gerecht. Von Steinegg nach Rosenburg sind es noch einmal zweieinhalb Stunden, bis man sich wieder in der Zivilisation wähnt – und den stündlich verkehrenden Zug Richtung Krems besteigt.

Ziehen dann die lieblichen Orte Gars, Schönberg und Langenlois an einem vorbei, kann man gar nicht glauben, dass auch sie Teil des zuvor so wilden Kamptals sind.

Info

Ausrüstung
Der Weg ist gut beschildert (Nr. 620), trotzdem sollten Sie unbedingt eine Wanderkarte dabei haben, eventuell auch den handlichen, aber leider kartenmäßig fehlerhaften Führer „Kamptal-Seenweg“ (Alpenverein Horn).  Die Wegbeschaffenheit ist sehr unterschiedlich und reicht von promenadenartigen Abschnitten über (teils asphaltierte) Feldwege bis zu einer kurzen Kletterpassage bei Krumau. Dementsprechend ist festes Schuhwerk  dringend zu empfehlen. Über wetterbedingte Wegsperren informiert der Alpenverein Horn (horn@sektion.alpenverein.at). Achtung: Nur  in wenigen Orten (St. Martin, Großschönau, Zwettl) kann man sich mit Lebensmitteln eindecken, daher großzügige Proviantvorräte einplanen.

Auskunft
waldviertel.at,
niederoesterreich.at

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