Ikuna, WaldEntdeckerWelt und Co.: Offline-Urlaub für Familien
Ob am Hof, im Wald oder am Fluss: Rund um das Naturresort Ikuna hat sich im Hausruckviertel und an der Donau eine Region auf Kinder und Familien spezialisiert. Und das geht auf.
Die Geschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn kennen sie noch nicht, aber die Buben wissen aus dem Bauch heraus, was hier zu tun ist: am Schotterufer herumjagen, Steine in die Donau schmeißen, wieder zum Lagerfeuerchen rennen, die gegrillten Marshmallows direkt von den Holzspießen beißen. Wenn die Welt grad ach so leicht ist, schmeckt auch grausliche Schaumzuckerware.
Ikuna Donauregion Oberösterreich
©Stefan HoferDiese war als Belohnung in einer massiven Holzkiste, die Regina Stadler am Donauufer im Gestrüpp versteckt hat – doch die Kiste hatten die Kinder mithilfe eines Lageplans schnell entdeckt. Schatzkarte statt Smartphone, es geht ja doch noch.
Überhaupt gibt man dem Analogen und dem Naturabenteuer hier in der Donauregion Raum. Um diese Geschichte zu erzählen, begeben wir uns in die Gemeinde Oberkappel. Am Waldrand – nach Bayern kann man hinüberschauen – steht seit mehr als vierhundert Jahren ein Bauernhof. Den bewirtschaften Regina und Thomas Stadler mit ihren fünf Kindern. Dank des Pioniergeists von Altbauer Otto wird der Hof bereits seit dem Jahr 1978 biologisch geführt wird. In Österreich zählte man damit zu den Bio-Pionieren.
Für Gäste ist das relevant, weil die Stadlers Urlaub am Bauernhof anbieten. Den Kindern, die an diesem Tag auf dem Hof sind, taugt es. Sie helfen, die „Kia“ um Leitkuh Mitzi von der Weide in den Stall zu treiben und zu füttern; sie toben im Heustadel, spielen mit süßen Katzerln, kicken im Hof herum, ein Bub klettert auf einen Traktorsitz. Was man halt so macht. Nicht nur Gästekinder, auch Hendl laufen frei herum, „zehn bis fünfzehn, damit wir die Gäste versorgen können“, sagt Bäuerin Regina.
Zehntausende Helfer hat man zudem im Bienenhaus. Sohn Tobias hat das Imkern vom Opa übernommen und schätzt das Volk auf „dreißig- bis fünfzigtausend Bienen“. In Honig umgerechnet sind das bis zu sechzig Kilo pro Jahr. Die Kinder sind nicht scheu, fragen nach, wollen den schützenden Imkerhut anprobieren.
Der Bauernhof der Famiie Stadler in Oberkappel
©Stefan HoferForst- und Milchwirtschaft, dazu die Ferienwohnungen. Langweilig wird den Stadlers nicht. Und ihnen geht es nicht nur darum, dass Gäste abschalten, (Stadt-)Kinder eine Gaudi haben, sondern auch erleben, was landwirtschaftliche Arbeit bedeutet.
Zusätzlich bietet Regina, die ausgebildete Kindergartenpädagogin ist, Ferienprogramm für Kinder an. Dazu gehört eben auch die Schatzsuche mit „Piratenbootsfahrt“ auf der Donau – mit einer Zille. Eh fast wie auf dem Mississippi, hätte sich Huckleberry Finn wohl gedacht.
Im Stall in Oberkappel steht indes Tochter Christina und striegelt Pony Moni. Christina wird den Hof übernehmen. Irgendwann. Bei den Stadlers denkt man nicht in Jahren, sondern in Generationen. Eben nachhaltig.
Wir wechseln vom Mühlviertel auf die andere Seite der Donau, auf die südliche. In den Sauwald. Den Namen merkt man sich, er leitet sich nicht von Wildsauen ab, sondern von der Tatsache, dass das waldreiche Hochplateau einst im Einzugsgebiet der Diözese Passau lag. Und Oberösterreicher verschlucken gern mal ein paar Vokale oder Silben.
Die Säulen des Waldes
Viel Spannendes zu erzählen hat hingegen Johannes Schopf in eben jenem Sauwald. Der junge Mann in grünem Hoodie und Lederjacke steht auf einem Holzsteg in zwanzig Metern Höhe, links und rechts schaut man in die Baumwipfel.
Johannes Schopf von der WaldEntdeckerWelt.
©Stefan HoferDie Holzkonstruktion zieht sich mehr als einen Kilometer durch den Wald. Wer sich noch an das Wald-Volk der Ewoks aus „Star Wars“ erinnern kann, so schaut das in etwa hier aus.
Blick von oben auf die Holzkonstruktion im Sauwald.
©Stefan HoferSein Vater Hans, Landwirt und Waldbesitzer, hat vor mehr als zwanzig Jahren ein damals ungewöhnliches Tourismusprojekt mutig durchgeboxt: den Baumkronenweg. Anfangs habe es Skepsis in der Region gegeben, ob so etwas machbar und sinnvoll sei, erzählt Johannes, aber das Herzensprojekt wurde zum Erfolg. Heute gibt es in einigen Bundesländern Wipfelwege, der Titel des ältesten bleibt aber in Kopfing.
Und mittlerweile ist der Generationenwechsel erfolgt. Johannes führt gemeinsam mit seinem Bruder Jakob den Erlebnislehrpfad unter dem neuen Namen „WaldEntdeckerWelt“ fort, sanft aufpoliert. Dass er eigentlich Management studiert hat und die Büro- mit Waldluft getauscht hat, schadet dem Projekt nicht: Mit einem Hochseilkletterwald, einer runderneuerten „Waldküche“ mit regionalen Zutaten und vor allem den Zimmern hoch in den Bäumen (etwa „Wald-Lofts“) wollen die Brüder die Gäste länger im Wald behalten. Hinweis für Familien: Für den Hochseilgarten muss man mindestens 130 Zentimeter groß sein.
Der Kern der Sache bleibt aber, dass man bei Stationen entlang des Holzwegs spielerisch viel über Bäume und Tiere lernt. Von Ameise bis Zunderschwamm, im Wald ist alles vernetzt. Am Ende sagt Johannes den Satz, der picken bleibt: „Man soll hier wirklich offline gehen“.
Ein Mann denkt groß, für Kleine
Nur neun Kilometer weiter südlich, in der Gemeinde Natternbach, ist einem anderen Visionär ein großer Wurf gelungen. Albert Schmidbauer ist Gründer und Eigentümer eines Gesundheitsunternehmens. Aber nicht nur. Eine Spielwiese hat sich der Familienvater in seinem Heimatort erhalten, besser gesagt: erschaffen. Das Naturresort Ikuna.
Im Ikuna kann man in Tipis schlafen, campen oder auch in Sternenhimmelchalets, in denen man in den Nachthimmel blickt.
©Stefan HoferDas ganz große Plus des Erlebnisparks ist das Österreichische. Da steht kein internationaler Konzern dahinter, nicht alle paar Meter blinkt und leuchtet ein Merchandisingshop. Die Kinder werden nicht ständig bedüdelt, sie packen selbst an, wenn man sie nur lässt. Etwa bei den Wasserspielstationen, wo man halt auch mal nass und sandig wird. Das sind viele – Eltern – nicht mehr gewohnt. Oder bei einem Mini-Teich, wo man ein Holzfloß steuern kann.
Im Naturresort Ikuna hat Anfang Juni ein neues Freibad eröffnet.
©Stefan HoferKlar, auch Flying Fox, Mountaincarts, Reifenrutschen und viel, viel mehr gibt es. Erst vor wenigen Tagen, am 7. Juni, hat das Ikuna das neue Erlebnisbad eröffnet, das Hotel- und Campinggäste, aber auch Menschen aus der Region nützen können.
Die Natur will, dass Kinder Kinder sind, bevor sie zum Erwachsenen werden. Sagte Jean-Jacques Rousseau. Der Satz könnte aber auch von Albert Schmidbauer sein.
Anreise
Öffentlich mit der Buslinie 690 über Grieskirchen oder Neukirchen bis zur Haltestelle Natternbach Ortsmitte.
23 Tipi-Suiten
stehen im Ikuna Naturresort, übernachten kann man auch auf dem Campingplatz und in Sternenhimmelchalets. Auf dem zwanzig Hektar großen Naturerlebnispark gibt es einen Hochseilgarten, eine Dino-Welt und Zirkus-Shows. Tausend Quadratmeter groß ist die Indoor Kids World, die nicht nur an Regentagen viel Spaß macht. Öffnungszeiten, Preise und Events auf ikuna.at
Auskunft
Gute Tipps auf donauregion.at und oberoesterreich.at
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