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Hotel-Duell in Bad Gastein: Postmodern versus altehrwürdig

Urban Nature vs. Villa Excelsior: Zwei luxuriöse Adressen in Bad Gastein, zwei verschiedene Konzepte.

Von Christina Fieber

Urban Nature

Der ultramoderne Turm im Ortszentrum ist ein echter Hingucker. Neben dem vor drei Jahren restaurierten historischen Badehaus von 1791 ließen die neuen Eigentümer unter Leitung des Wiener Architekturbüros "BWM Designers und Architects" einen 35 Meter hohen bunkerartigen Betonturm samt Infinity-Pool auf dem Dach errichten (leider kein Thermalwasser!).

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Das "Urban Nature" Hotel in Bad Gastein

©urban nature

Die Aussicht von dort oben über die Gasteiner Bergwelt ist schlicht atemberaubend. Überhaupt dreht sich hier alles ums Baden: bunte Versatzteile aus (Schwimm)bädern wie knallgelbe Leitern, Badeenten oder blau gekachelte Wände ziehen sich durch die Lobby, das Restaurant und die Bar und zieren selbst die Zimmer. 
Das mag so manchem albern erscheinen, als auffälliges Gestaltungskonzept funktioniert es allemal. Knallige Farben des Interieurs sorgen für eine etwas artifizielle Atmosphäre.

Design mit Badeente

Man gibt sich kosmopolitisch, urban und extrakühl. Ziel ist eindeutig ein junges, schickes Publikum, dem man "Urban Mountain Vibes" samt "Healthy Food" verspricht. Selbst derlei Anglizismen scheinen wie die Badeenten Teil des Konzepts zu sein. Das Design kann man mögen oder nicht, ist ja alles Geschmackssache: mutig ist es und tut dem wieder erwachenden, mondänen Kurort auf jeden Fall gut.  

Villa Excelsior

Ein Paradies für Nostalgiker. Das Juwel aus der Gründerzeit versprüht historischen Charme und zieht seit jeher Dichter und Denker an. Schon Sigmund Freud verbrachte in der Villa Excelsior gerne seine Sommerfrische – der Vater der Psychoanalyse schätzte die Melange aus alpiner Umgebung und gediegenem Ambiente.

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Villa Excelsior in Bad Gastein

©villa excelsior

An dem besonderen Flair hat sich bis heute nichts verändert. Dafür sorgt nicht zuletzt Christof Erharter, der die pittoreske Villa 2003 übernahm. Der gebürtige Tiroler und bekennende Gastein-Liebhaber ist mehr als nur Gastgeber: Stets in feinstem Tuch gekleidet, mit gepflegtem Schnauzer und onduliertem Haar, kennt er nicht nur alle Geschichten und Geheimnisse des Kurorts – er gibt sie auch äußerst kurzweilig wieder.

Tafelsilber und französische Chansons

Mit spürbarer Leidenschaft und Feinsinn führt er das Hotel ganz nach seinen Vorstellungen. Vom edlen Tafelsilber im Speisesalon über die Bar mit Modezeitschriften aus vergangenen Zeiten bis zu französischen Chansons als Untermalung – alles ist wohl durchdacht. Wer vom Wandern oder Skifahren erschöpft ist, kann gepflegt saunieren, eine Massage genießen oder wie einst ein heilendes Thermen-Wannenbad nehmen, das nicht nur gegen alle möglichen Leiden hilft, sondern auch verjüngend wirken soll.

Christina  Fieber

Über Christina Fieber

Christina Fieber kommt aus Salzburg und arbeitet als freie Weinjournalistin in Wien.

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