Das Hotel Briol in den Bergen mit Blick auf eine grüne Wiese.

Hotel Briol: Eine Architekturikone im Südtiroler Eisacktal

Im Eisacktal versteckt sich auf über 1.300 Metern eine architektonische Besonderheit. Das abgelegene Hotel Briol wurde 1928 errichtet und lockt Künstler, Manager und Familien auf den Berg.

Nein, einfach ist die Anreise auf das 1.310 Meter hoch über dem Eisacktal gelegene Hotel Briol nicht. Kein Taxi fährt dort hin, Bus sowieso keiner, die Anreise ist nur mit einem Geländewagen möglich. Also holt einen der Hausherr persönlich vom Bahnhof in Barbian ab und tuckert mit den etwas verschreckten Gästen über Stock und Stein hinauf. Geteerte Wege, Fehlanzeige. Auch der Weg vom Auto zum Hoteleingang über Wiesen und Steine ist nicht gerade rollkoffertauglich.

Dennoch – oder gerade weil hier auch sonst nichts alltäglich ist – hat das Briol ein treues Stammklientel. Künstler und Autoren genießen die hochalpine Isolation bei regelmäßigen Kunstwochenenden, gestresste Manager verordnen sich für ein paar Tage strengen Computerentzug, Familien beziehen die umliegenden Ferienhäuser während der Sommerferien.

Für jedes Kind ein Haus

Es ist ein geschichtsträchtiges Refugium, das Johanna Fink, Urenkelin der Hotelgründerin Johanna Settari, hier geschaffen hat. Stolz erzählt Fink die Geschichte ihrer Uroma, der „Bergmutter“, die als Kind mit ihrem Vater oft vom Tal herauf nach Dreikirchen spazierte. Schon damals spürte Johanna eine starke Bindung zu diesem Ort. Als sie einen reichen Unternehmer heiratete und mit ihm fünfzehn Kinder bekam, wünschte sich Johanna bei jeder Geburt ein Grundstück am Berg. Fazit: Neben dem 1928 erbauten Hotel Briol verstecken sich in der unmittelbaren Umgebung am Berg vierzehn weitere Häuser. Fünf davon werden heute als Feriendomizile vermietet.

Eine kleine Kirche mit Holzturm steht auf einer grünen Wiese.

Drei Kapellen nebeneinander: Dreikirchen wird seinem Namen gerecht.

©Lintl Susanne

Hohe Berge, flaches Dach

Zentrum des Bergensembles bleibt aber das Briol, inzwischen eine Architekturikone. Johanna Settari hatte Hubert Lanzinger, einen aufstrebenden jungen Künstler aus Wien, zugleich ihr Schwiegersohn, mit dem Umbau des alten Bauernhauses beauftragt. „Lanzinger realisierte das Briol 1928 so, wie wir es heute sehen“, erzählt Fink. Er setzte dem alten Hof ein einprägsames Flachdach auf und schuf einen Lichthof, lichtdurchflutete Räume und große Fenster. Das runde Freischwimmbad mit Quellwasser neben dem Haus war das erste in ganz Südtirol.

Info

Anreise
Zug über Innsbruck bis Bozen, weiter bis Barbian. Vom Bahnhof  durch das Hotel abholen lassen. Keine Zufahrt  für private Pkw.

Unterkunft 
– Hotel Briol: April bis Anfang Nov, briol.it/de
– „Einäugl“:  ab 152 € p. P. HP.
– Ferienwohnungen in den  Villen der Familie Settari:  1.600 € pro Woche ohne Verpflegung. Kurzaufenthalte und Halbpension auf Anfrage.

Auskunft
suedtirol.info

„Lanzingers Stil zieht sich durchs ganze Haus: Auch weitere Details wie die Stühle, das Besteck und die Uhr im Lesezimmer hat er entworfen.“ Fink hat das Architekturjuwel behutsam der Zeit angepasst, neue (Gemeinschafts-)Bäder eingebaut, aber die Substanz belassen. Das Haus atmet Geschichte. Heizung gibt es keine. Das Briol ist ein Haus für den Sommer, aber da ist es ausgebucht.

Und daneben die moderne Version

Ein rundes, modernes Holzhaus steht auf einem grasbewachsenen Hügel.

Holzrundbau „Einäugl“

©Lintl Susanne

Die modernere Hotelversion fürs ganze Jahr steht daneben: der Holzrundbau „Einäugl“, in dem es beheizte Zimmer gibt und in dem Johanna Fink ihr wunderbares, selbst gekochtes Essen serviert. Es ist ratsam, nach dem Abendessen noch dort sitzen zu bleiben und mit den anderen Gästen zu plaudern. Denn einen Fernseher oder Wifi gibt es hier oben nicht.

Tipps: Die schönsten Wanderungen

Wanderer haben es gut hier rund ums Briol: Es gibt zahlreiche Wanderwege mit Dolomitenblick, auch einen hinunter ins Tal. Naheliegend ist natürlich die „Settari-Familientour“: Im Umkreis des Briol finden sich alle Häuser, die Johanna Settari für ihre fünfzehn Kinder bauen ließ.

Schön  ist auch jene vom Briol zum Ort Dreikirchen, einem malerischen Bergdorf, in dem Prominente wie Sigmund Freud ihre Sommerfrische genossen. 

Anspruchsvoller

Für Geübte bieten sich auch Touren von Villanders beziehungsweise Barbian hinauf zum Briol an. Das sind aber dann schon mehrstündige, anspruchsvolle Touren. 

In der weiteren Umgebung kann man Touren ins Sarntal unternehmen (ruhiger Geheimtipp).   Wer gerne weitwandert, kann den Dolomiten Höhenweg Nr. 2 gehen und die Alpen überqueren. Der Fernwanderweg startet in Brixen, führt zuerst auf die Plose und endet 185 Kilometer später in  Feltre (geschätzte Dauer: 14 bis 15 Tage). 

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Susanne Lintl

Über Susanne Lintl

Sie ist Romanistin und Politikwissenschaftlerin. Seit 1987 beim KURIER; früher in der Außenpolitik; führt im Kultur- und Medienressort schwerpunktmäßig Interviews mit Film- und Mediengrößen; auch zuständig für Kinderliteratur und Kindertheater.

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