Detroit: Wie der alten Auto-Metropole das Comeback gelungen ist
Amerikas einstmals pulsierende Auto-Metropole geht es heutzutage etwas gemütlicher an. Als sehenswerte Stadt, die den drohenden Untergang erfolgreich hinter sich gelassen hat.
Detroit gilt als eine der wichtigsten Auto-Metropolen der Welt. Die „Big Three“ Ford, General Motors und Chrysler machten sie ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum unangefochtenen Zentrum der US-Automobilindustrie. Das „Henry Ford Museum of American Innovation“ im Vorort Dearborn zeigt den Aufstieg des Autos. Ford prägte mit seinen innovativen Plänen die Geschichte des Automobils und schuf mit dem ab 1908 am Fließband produzierten T-Modell das Auto des Jahrhunderts. Erstmals konnte sich eine Familie aus dem Mittelstand einen eigenen fahrbaren Untersatz leisten. In Fords umfangreichem Museum sind Ingenieurskunst, aber auch amerikanische Geschichte präsent.
„Wiener“ nicht nur im Coney-Dog, sondern auch auf Autos.
©Karl KalteneggerDie Hallen sind großzügig angelegt. William, ein an Technik begeisterter Spätsechziger, führt mit großem Fachwissen und dem Stolz des ehemaligen Autobauers durch die Ausstellungen. Flugzeuge wie die DC-3 oder eine Kollektion von Limousinen früherer US-Präsidenten werden gezeigt. Etwa der 1961er Lincoln Continental X-100, in dem John F. Kennedy in Dallas erschossen wurde. Ein opulenter Blickfang sind riesige Lokomotiven oder Flugzeuge der Gebrüder Wright, Pioniere der Fluggeschichte. Bei einem historischen Drive-in-Diner glitzern die blinkenden Lämpchen.
Bunt und historisch: Ein altes Drive-In-Diner von Mc Donald's
©Karl KalteneggerKleine Zeitreise
In einem klassischen Ford Modell T oder in einer Pferdekutsche kann man sich anschließend über Dorfstraßen, vorbei an Fords Haus, verschiedenen Werkstätten, einer Mühle, einer Eisenbahnstation mit einer riesigen Lok-Drehscheibe fahren lassen. Denn angrenzend liegt Greenfield Village. Dorthin wurden aus dem ganzen Land historische Bauten aus Fords Epoche gebracht. Thomas Edisons Labor, in dem dieser die Glühbirne erfand, ist ein Teil davon. Oder das Fahrrad-Geschäft der Gebrüder Wright. Ein weiterer Höhepunkt ist die „Ford Rouge Factory Tour“. Dort kann man von oben einen Blick darauf werfen, wie Sitze, Türen oder Windschutzscheiben eingebaut werden und neue Ford-Modelle fertig vom Fließband rollen.
Info
Anreise Direktflüge von Wien nach Detroit gibt es nicht. Mit Lufthansa kann man über Frankfurt, Chicago oder Toronto anreisen.-Kompensation (atmosfair.de): 143 €.
Unterkunft Das 3*-Hotel „Element Detroit at the Metropolitan“ liegt in Downtown.
2013 Bankrott!
In dem Jahr musste Insolvenz angemeldet werden. Detroit wurde als erste Großstadt der USA unter Aufsicht gestellt. In jener Zeit bekam man für einen Dollar ein leer stehendes Haus zum Wohnen. Es floss lange Zeit kein Geld für Investitionen, also blieben viele Wolkenkratzer unversehrt. Heute erlebt die Stadt ein Comeback, mit vielen neuen Cafés, Restaurants und Start-ups.
Auskunft
visittheusa.de,
visitdetroit.com, visit-usa.at
Bunt statt Grau
Die Zeit, als Detroit kein Geld hatte und Insolvenz anmelden musste (siehe Info) sind längst vorbei. Das Stadtzentrum hat in den vergangenen Jahren enorm von der Revitalisierung profitiert. Der Bereich rund um den Campus Martius Park hat mit mehr als dreihundert Restaurants jede Menge Entertainment anzubieten. Das historische Viertel Corktown hat angesagte Bars wie das Slows Bar BQ (unbedingt Spareribs probieren!). Besuchenswert ist Greektown, mit seinen Bars, Tavernen und Cafés. Hier lebten ursprünglich deutsche Einwanderer, später kamen immer mehr Griechen. In den 1960er-Jahren sollte das Viertel plattgemacht werden.
Detroit hat viele Ausgehviertel und schrieb Musikgeschichte.
©Karl KalteneggerBürgerinitiativen stemmten sich erfolgreich dagegen. Heute versprüht es multikulturelle Vielfalt. Die jährliche Attraktion ist ein Griechen-Fest, das Bewohner und Reisende lockt. Angesagt ist auch die Woodward Avenue, mit gehobener Küche, stilvollen Bars und Cafés. Das Cliff Bell’s, ein historischer Jazz-Club, bietet Livemusik und eine beeindruckende Cocktail-Karte. In der Auto-City kommt man übrigens gut ohne Auto voran: Eine U-Bahn auf Stelzen, der People Mover, dient als bewährtes Transportmittel.
Reges Treiben herrscht auch an der Detroit River Promenade, mit Blick auf Windsor auf kanadischer Seite. Hier war die letzte Station der „Underground-Railroad“. In geheimer Mission halfen viele engagierte Bürger entflohenen Sklaven aus dem Süden der USA ins sichere Kanada. Seither hat Detroit den Ruf, tolerant und offen zu sein.
Ein Sound erobert die Welt
Bleibt noch die Sache mit der Musik. In den 1960er-Jahren erklangen überall auf der Welt Schallplatten von Motown Records. In den Berry Gordy Studios, mit typisch halligem Sound, entstanden Welthits von Stevie Wonder, Marvin Gaye, den Supremes oder Jackson Five. Heute kann es im Stadtteil Hitsville besucht werden. Es ist erstaunlich zu sehen, wie einfach damals aufgenommen wurde. Ausgestellt sind Bühnen-Kostüme und Rock- und Soul-Erinnerungsstücke. Etwa der schwarze Fedora-Hut und die weißen Handschuhe von Michael Jackson.
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