Der Nordsøstien
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Nordjütland: Die besten Etappen des dänischen Küstenwanderwegs

Wer Nordjütland zu Fuß entdeckt, erlebt Dänemark von seiner wilden Seite – einsam, rau und überraschend schön.

Von Karin Lehner

Der Norden ist weit und schön. Das zeigt diese Wanderung entlang der Nordsee. Sie führt von Agger bis an die Spitze Nordjütlands und zählt zu den eindrucksvollsten Küstentrails Dänemarks. Zuerst geht es über den "Redningsvejen" (Rettungsweg mit einem stilisierten Rettungsboot gekennzeichnet), später über den Nordsøstien (Nordseepfad mit wellenförmigem N).

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Die Route durch Nordjütland, Dänemark

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Die Route präsentiert Skandinavien im Pocket-Format, inklusive Mückenplage in nassen Sommern. No-Bite ist Pflicht. Der anspruchsvolle Pfad verläuft idyllisch zwischen Heide(kraut), Dünenwäldern und Steilküsten. Schließlich ist das Erklimmen von Sandbergen schweißtreibend: Einem Stapf-Schritt nach oben folgen oft zwei rutschende zurück. Ausgangspunkt ist Agger, ein ehemaliges Fischer-, jetzt Feriendorf. Überhaupt reihen sich Urlaubshäuser wie ein Gürtel am Meer entlang, weswegen es nur wenige Hotels gibt.

Weitwanderer mit Schlafsack nächtigen in kostenlosen Shelters, überdachten Holzzelten in XL inklusive Feuerstelle und Gratis-Brennholz. Die Agger Tange (Zunge) zwischen Nordsee und Limfjord ist ein Vogelschutz- und Feuchtgebiet, erkennbar am Sound von Gänsen, Reihern & Co. Teile des Weges nach Norden sind oft überschwemmt, können aber barfuß durchwatet oder auf dem Sandstrand umrundet werden.

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Wild und weit zeigt sich die Landschaft des hyggeligen Dänemarks hier 

©Karin Lehner

Seehunde und Wanderdünen

Mit Glück zeigen sich Seehunde zu Wasser oder Land. Unter feiner Staubzuckerkörnung ragen Bunkerruinen aus dem Zweiten Weltkrieg hervor. Wer die Sommerferien meidet, hat die Nordsee, von wasserverwöhnten Dänen Vesterhavet (Westmeer) genannt, streckenweise für sich allein. Der Leuchtturm Lodbjerg Fyr inklusive Aussichtsplattform taugt für eine Pause. Über schmale Pfade geht es am Dünen-Dörfchen Lyngby vorbei und durch den Nationalpark Thy, für viele Insider der schönste Teil Nordjütlands. Wer Verpflegung braucht, sollte in den Surfer-Orten Vorupør oder Klitmøller einkehren. Restaurants und Cafés sind hier eine Rarität – der Preis der Einsamkeit. Das nächste Hotel ist erst in Hanstholm. Hier kann das Wildreservat umrundet oder erwandert werden.

Zur Brunft im Herbst zahlt sich Letzteres aus, denn hier röhren große Hirsche und lassen sich von Aussichtstürmen beobachten. Danach ruft der Bulbjerg. Der Kalkfelsen in der Jammerbucht thront 47 Meter über dem Meer und bietet Weitblick. Wer beim Leuchtturm Rubjerg Knude angelangt ist, wähnt sich in der Wüste. Die imposante Wanderdüne drohte einst den Turm zu verschlucken, sodass er auf Schienen versetzt werden musste.

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