Eine Person mit blauem Rucksack überquert eine kleine Holzbrücke im Wald, neben einem Bach und Wanderwegweisern.
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Bernhardiweg: Warum man diesen neuen Wanderweg im Kreis geht

Auf dem neuen Bernhardiweg pilgert man durch das nordwestliche Niederösterreich – am besten in sechs Tagen. Start ist beim Stift Zwettl, insgesamt liegen elf Kirchen entlang der Route.

„Was darf ich Ihnen heute in das Jausensackerl geben?“, fragt Christoph Einfalt auch am dritten Tag in der Früh. Sein „Rundum-sorglos“-Paket, das er seinen Gästen jeden Tag in der Früh schnürt, geht auf die Zeit nach Corona zurück: Wanderer, die den Bärentrail rund um Arbesbach absolvierten, wurden morgens an den gewünschten Startort der jeweiligen Etappe gebracht und am Abend vom Etappenziel wieder abgeholt. Der für Weitwanderer unschätzbare Vorteil: Der schwere Rucksack bleibt im Gasthof – und man wandert mit leichtem Gepäck.

Seit Kurzem bietet Christoph Einfalt diesen Service auch für eine zweite Route an: für den im April eröffneten, als Pilgerweg beworbenen Bernhardiweg. Die Route, die beim Zisterzienserstift Zwettl startet, verbindet elf Stiftspfarren in den fünf Gemeinden Zwettl, Schweiggers, Weitra, Großschönau und Groß Gerungs und führt über 125 Kilometer wieder an den Ausgangspunkt zurück. Die Idee dahinter: Der heilige Bernhard von Clairvaux, der als einer der Gründer des Zisterzienerordens gilt, soll einst Papst Eugen geraten haben: „Gönne dich dir selbst!“ Genau das ist das Motto des Bernhardiwegs: Die Pilger sollen nicht nur eine schöne Wanderung durch das Waldviertel unternehmen, sondern anhand der Kirchen und Wegstationen entlang der Route auch eine Reise nach innen absolvieren.

Ein Kirchturm mit Uhr und grüner Spitze ragt vor einem dunklen Himmel empor.

Der Turm von Stift Zwettl aus grauem Granit – ein Meisterwerk des Barock.

©Kautzky Wolfram

Die 125 Kilometer setzen eine gute Kondition voraus. Damit man nicht spätestens am dritten Tag „eingeht“, sollte man sich bereits im Vorfeld ein wenig eingehen. Der Weg ist so konzipiert, dass er in vier, fünf oder sechs Tagen zu absolvieren ist. Ersteres ist sehr sportlich kalkuliert – Tagesetappen von sieben bis neun Stunden sind nicht jedermanns Sache. Daher die dringende Empfehlung: Wählen Sie die längste, also die Sechs-Tage-Variante. Die beinhaltet immer noch Etappen von vier bis sechs Stunden, lässt aber mehr Zeit für die Einkehr – nicht nur für die gastronomische, sondern auch für die innere. Der KURIER hat die Probe aufs Exempel gemacht und ist den Bernhardiweg in sechs Tagen – mit leichtem Gepäck – abgegangen.

Eine Karte zeigt eine Wanderroute durch das Waldviertel in Niederösterreich, mit Orten wie Zwettl und Weitra.
©Grafik
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Der Badeteich Hausschachen am Rande von Weitra.

©Kautzky Wolfram

Die gesammelten Pilger-Erkenntnisse

  • Statt von A nach B läuft man hier Kreis: Der Bernhardiweg ist kein Weitwanderweg im üblichen Sinn. Soll heißen: Man geht quasi im Kreis. Wer sich aufs Kilometermachen und das stetige „Weiter-weg-vom-Start-Kommen“ freut, sollte den Wettbewerbsgedanken ad acta legen – bei einzelnen Etappen ist man am Abend fast wieder dort, wo man in der Früh war.
  • Orientierung: Der Weg ist gut beschildert: Die Route, die großteils auf schon bestehenden, teilweise auf neu angelegten Wegen verläuft, ist durchgehend und vorbildlich mit dem Bernhardiweg-Logo markiert.
  • Im Mittelpunkt stehen die elf Stiftspfarrkirchen: Nicht (nur) der Weg ist das Ziel, sondern in erster Linie sind es die Stiftspfarrkirchen. Zwangsläufig führt die Route daher in Ortsgebiete und somit abschnittsweise auch auf Asphalt (besonders gilt dies für die Anfangsetappe von Stift Zwettl nach Oberstrahlbach).
  • Die Gustostückerl liegen im Westen: Je weiter man nach Westen gelangt, desto attraktiver ist die Wegführung. Die Abschnitte von Siebenlinden nach Ulrichs sowie von Weitra über St. Wolfgang nach Spital sind echte Gustostückerln und Beispiele für Waldviertel pur: Im Wechsel von Wald und Wiese, Bach und See durchwandert man auf einsamen Wegen die wunderbare Natur.
  • Liebevolle Gestaltung – und was noch kommt: Der neue Weg wurde ungemein liebevoll und aufwendig gestaltet. In jeder der elf Kirchen liegt ein Pilgerbuch auf, davor befindet sich jeweils eine Stempelbox, mit der man seinen Stempelpass befüllen (und doch noch etwaige Wettbewerbsgedanken befriedigen) kann. Noch nicht zur Gänze fertiggestellt sind zehn Wegstationen, die ebenfalls zur spirituellen Vertiefung einladen, wie zum Beispiel die Bernhard-Oase bei Sallingstadt.
Eine Person geht auf eine Kirche mit rotem Turm zu, umgeben von gelben Gebäuden und Wiesen.

Eine von elf Stiftspfarren: die Kirche von Wurmbrand.

©Kautzky Wolfram

Fazit: Was den Bernhardiweg von anderen Weitwanderwegen unterscheidet, ist die Kombination von Natur und Spiritualität. In jeder der elf Kirchen wird man dazu angeregt, nicht nur mit dem Wandern, sondern auch mit seinen Gedanken innezuhalten. „Gehe – ohne zu eilen“, ist im Pilgerbuch der Kirche von Wurmbrand zu lesen. Wer sich das zu Herzen nimmt, wird dem Bernhardiweg viel abgewinnen können.

Wolfram Kautzky

Über Wolfram Kautzky

Wolfram Kautzky ist regelmäßiger Gastkolumnist für den KURIER.

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