Die Kärntner Seeschleife: Einmal rund ums Badeparadies
Radeln, baden, staunen: Die Kärntner Seenschleife verbindet einige der schönsten Gewässer des Landes. Wenige Tage, viele Kilometer und jede Etappe belohnt mit einem erfrischenden Sprung ins Wasser.
Von Manfred Ruthner
Im Süden Österreichs gleicht kein See dem anderen. Jeder besitzt seinen eigenen Charakter und seine eigene Geschichte, ist umrahmt von sanften Hügeln oder imposanten Bergen. Bei einer mehrtägigen Radtour, die an diversen Gewässern vorbeiführt, lassen sich viele davon entdecken. Die Strecke ist abwechslungsreich, mal führt sie auf Waldwegen durch kühlen Schatten, mal über blühende Wiesen, mal bilden steile Berghänge die Szenerie im Hintergrund. Und doch gibt es etwas Gemeinsames: Jede Etappe endet mit einem Bad im See.
Entwickelt hat die „Kärnten Seen Schleife“ der ehemalige Radprofi Paco Wrolich, der am Faaker See daheim ist. Als Einheimischer kennt er die Schönheiten der Region, als Sportler die Radwege, die die Gewässer verbinden. Die Tour beginnt am Bahnhof von Spittal an der Drau. Kleine grüne Tafeln weisen den Weg aus der Stadt in Richtung Drauufer. Das Tal wird enger, der Fluss verläuft parallel zum Radweg. Die kühle Brise, die vom eiskalten Wasser weht, sorgt für Erfrischung. Gleichzeitig heizt die Sonne die nahen Berghänge auf und so entsteht eine Thermik, die nicht nur Vögel, sondern auch Paragleiter nutzen, um sich hoch in den Himmel zu schrauben. Als Radfahrer ist man auf sicherem Terrain und in gemächlichem Tempo unterwegs. Immer wieder gibt es Momente, um innezuhalten und den Blick rundum schweifen zu lassen.
Die 340-Kilometer-Radtour führt auf sanften Wegen um zehn herrliche Seen.
©GrafikErster Halt Weißensee
Nach einem kurzen, aber steilen Anstieg ist der Weißensee erreicht; wie ein geschliffener Smaragd funkelt er in der Sonne. Die Berge spiegeln sich auf seiner Oberfläche, ein schmaler Schilfgürtel rahmt das kristallklare Wasser. Kaum angekommen, wird das Fahrrad gegen ein Ruderboot getauscht. Der Bootsbauer Domenig fertigt nach alter Tradition aus Holzplanken schmale Boote, die er vermietet.
Der Weißensee auf über 930 Metern Seehöhe begeistert mit seinen naturbelassenen Ufern
©Martin Steinthaler/Kärnten TourismusDank ruhiger Ruderschläge gleitet man beinahe lautlos über den See und steuert jene romantischen Plätze im Osten an, wo der Wald bis ans Ufer reicht. Nach einer halben Stunde tut sich eine fjordähnliche Landschaft auf, kleine Buchten bieten sich als „private“ Badeplätze an, das türkisblaue Wasser ist herrlich. Am Abend werden im Hotelrestaurant Kärntner Kasnudel und köstliche Fischgerichte serviert. Nach dem Dessert führt ein Spaziergang hinunter zu einem Steg am See. Auf einer Bank sitzend lässt sich die Stille genießen, das prächtige Panorama bestaunen und auf die Dämmerung warten. Bald tanzen Glühwürmchen zwischen den Schilfstängeln – ein bezauberndes Naturschauspiel.
Nur mit einem Ruderboot lassen sich die einsamen Badeplätze am östlichen Nordufer des Weißensees erreichen, wo in fjordähnlichen Buchten das Baden im glasklaren Wasser zum erfrischenden Genuss wird
©Manfred RuthnerDen Faaker See erfahren
Vom hochgelegenen Weißensee sind es nur noch 100 weitere Höhenmeter, um zum Scheitelpunkt des Kreuzbergsattels zu gelangen. Unten im Gitschtal angekommen, lädt der idyllische Kurort Weißbriach ein, etwas zu verweilen. Ein Wasserfall stürzt über eine Felswand und wird zu einem Wasserrad geleitet. Es ist Teil einer Mühle aus dem 18. Jahrhundert; die Besitzerin zeigt Interessierten gerne, wie sich das massive Mühlrad in Bewegung setzt, und erklärt, wie das Mahlwerk im Inneren des Häuschens – ein liebevoll gepflegtes Kleinod – funktioniert.
Karibikfeeling am Faaker See mit Mittagskogel und Insel
©mauritius images / Rainer Mirau/Rainer Mirau/Mauritius ImagesVon nun an geht es stetig leicht bergab, oft durch schattigen Wald, aber auch über Wiesenwege, an die sich schmucke, alte Bauernhöfe schmiegen. Die Route führt durch das Zentrum von Hermagor. Die Sonntagsmesse ist gerade zu Ende, einige Frauen in Goldhauben-Tracht stehen vor der Pfarrkirche und plaudern. Der idyllisch gelegene, von dichtem Schilf umgebene Presseggersee bietet sich für eine Mittagspause an. Der Gailtalradweg verläuft entlang des Nordufers, wo passable Badeplätze den Zugang zum Wasser ermöglichen.
Am Nachmittag ist dann der Faaker See erreicht. Seine einzigartige türkise Farbe verdankt er feinen Kalkpartikeln, die sich im Wasser tummeln. Sie reflektieren das Sonnenlicht, bevor sie zu Boden sinken und sorgen für Karibikfeeling. Mitten im Faaker See befindet sich eine Insel, die den See in zwei Becken teilt. Sogar ein Hotel findet darauf Platz – das einzige Inselhotel in Österreich. Nach dem obligatorischen Bad lohnt sich ein kurzer Ausflug zum Drobollacher Moor. Von hier hat man einen famosen Blick, der über den See bis zu den Karawanken und dem Mittagskogel als höchster Erhebung der Region reicht.
Karibikfeeling am Faaker See mit Mittagskogel und Insel
©mauritius images / Georg Kukuvec/Georg Kukuvec/Mauritius ImagesDrau-Radweg zum Klopeiner See
Für die nächste 80 Kilometer lange Etappe hat Radprofi Paco Wrolich wertvolle Tipps parat. Die Route folgt dem Drau-Radweg und verläuft stetig bergab, meist auf Dammkronen entlang der Staustufen. Überdachte Holzbrücken ermöglichen die Querung der Zuflüsse, wo sich wunderschöne Rastplätze mit herrlichem Ausblick finden. Das kristallklare Wasser rauscht über rund geschliffene Steine und erfrischt Körper und Geist. Nur wenige Radfahrer sind unterwegs, das gewährleistet maximale Freiheit bei Tempo und Pausen. Direkt am Drau-Radweg liegt auch das elegante Schloss Rosegg, 1722 im italienischen Villenstil errichtet, mit sehenswertem Schlossgarten und Gartenlabyrinth. Der größte Irrgarten Österreichs verbindet den Schlosspark mit dem angrenzenden Tierpark, in dem rund 400 Exemplare rund um den mittelalterlichen Burgberg leben.
Am Klopeiner See geht’s gemütlich zu.
©mauritius images / Volker Preusser/Volker Preusser/Mauritius ImagesDie Keltenwelt Frög zeigt unter anderem einen prunkvollen Totenwagen aus Blei. Bald danach gilt es, vom Ufer der Drau abzuzweigen, ein letztes Waldstück zu durchqueren und schließlich einen finalen Anstieg zu bewältigen – dann ist der Klopeiner See erreicht. Im Hotel wartet schon das Reisegepäck, am Badestrand die Liege. Schwimmen, Stand-up-Paddeln und Entspannung sind angesagt. Ein Genuss, nach dieser ausgedehnten Radtour ins Wasser des wärmsten Badesees Europas zu tauchen. Und am nächsten Morgen auf dem Steg die aufgehende Sonne zu bewundern, die das spiegelglatte Wasser glitzern lässt. So lässt sich Kraft für die nächste Etappe tanken.
Karawanken und Klagenfurt
Ab jetzt verläuft die Seenschleife wieder in Richtung Westen. Die Route erstreckt sich entlang der neuen Koralmbahnstrecke über Klagenfurt nach Velden, der Blick auf die schroffen Hänge der Karawanken ist inkludiert. Nach wenigen Kilometern begrüßt der berühmte Lindwurm die Besucher der Landeshauptstadt Klagenfurt. Eine höchst romantische, nur mit dem Fahrrad mögliche Anreise zum Wörthersee führt entlang des Lendkanals. Im 16. Jahrhundert errichtet, versorgte er einst die Stadtgräben mit Wasser; heute ist er von prächtigen Villen und gepflegten Gärten gesäumt.
Fast wie Meditation
Endlich am See angekommen, lädt eine schattige Laube zur Rast ein und gewährt einen weiten Blick über den See bis zum Pyramidenkogel mit seiner imposanten Aussichtswarte. Motorboote ziehen Wasserskiläufer hinter sich her, Segelboote gleiten langsam vorbei. Es bleibt Zeit und Muße, auf die blühenden Seerosen zu blicken und dem rhythmischen Schwappen der Wellen zu lauschen; fast eine Form der Meditation.
Am Nordufer des Wörthersees liegt Krumpendorf, die kleinste Gemeinde Kärntens. Historische Pensionen und Villen säumen die Uferpromenade
©Wörthersee Rosenthal TourismusDie Gemeinde Pörtschach am schönen See besticht durch ihre Schlösschen und stilvollen Seehäuser. Entlang des Radwegs finden sich immer wieder einige der wenigen frei zugänglichen Badeplätze für eine kurze Pause. In Velden endet die Etappe. Auf dem Weg durch das charmante, in der Westbucht gelegene Städtchen passiert man Villen, Cafés, Boutiquen und das prunkvolle Schlosshotel – bekannt aus der TV-Serie „Schloss am Wörthersee“.
Ein morgendliches Bad im Wörthersee ist die perfekte Vorbereitung, um die letzte Etappe in Angriff zu nehmen. Sie führt über Villach zurück zum Ausgangspunkt Spittal an der Drau. Zunächst geht es erneut entlang der Drau, diesmal stromaufwärts. Doch als dunkle Gewitterwolken über dem Dobratsch aufziehen, endet die Radtour vorzeitig am Bahnhof Villach. Eine Zugfahrt nach Spittal schließt die liegende Acht der Seeschleife. Während dicke Regentropfen an die Waggonfenster klopfen, kann man die schönsten Momente der letzten Tage noch einmal Revue passieren lassen.
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