Eine Hotelanlage liegt verschneit vor einem dunklen Wald unter blauem Himmel.

Selbsterfahrung: So gelingt der Familien-Cluburlaub auch Skeptikern

Cluburlaub klingt für manche abschreckend nach Daueranimation. Dabei kann das für Familien sehr relaxed ablaufen. Etwa auf dem Rücken von Pferden in Ampflwang.

„Die Pferde müssen jeden Tag bewegt werden“, sagt Nikolaus Pollhammer. „Ja, das kenne ich von meinen Kindern“, antworte ich dem Pächter des Reitbetriebs, der zum Aldiana Club Ampflwang gehört.

Dass ich mit meiner Familie hier bin, ist ungewöhnlich: Ich bin Cluburlaub-Skeptiker. Ich will raus in die Natur – und nicht bespaßt werden. Kinder im Urlaub in Betreuung abzugeben war mir bis dato fremd. Freie Zeit wollen wir doch als Familie gemeinsam verbringen; am See, beim Wandern, am Zeltplatz. Und nur gemeinsam! Oder?

Ich habe mich in unbekanntes Clubterrain begeben, um Antworten zu finden: Ist ein Hotel voller Kinder so laut? Ist Animation wirklich nervig? Und stürmen Cluburlauber um Punkt neunzehn Uhr das Buffet?

Für dieses Experiment ist Ampflwang der richtige Ort. Denn meist liegen Clubanlagen diverser Anbieter entweder am Meer (bei Aldiana sind es sechs, siehe Info) oder in den Alpen an der Skipiste. Da lenkt das jeweils ergiebige Drumherum ab. Hier ist das anders, der Club liegt zwischen Wald und Wiese, in der Marktgemeinde Ampflwang im beschaulichen Hausruckwald in Oberösterreich. Da kann man sich auf Angebot und Qualität des Clubs selbst konzentrieren.

Info

Aldiana Club  
– Der Standort Ampflwang hat nach einer Renovierung im Sommer 2025 wieder eröffnet. Mit riesigem  „Flosse Abenteuerland“, Pickleball- und Padel-Courts und  mehreren E-Ladestationen. In Österreich betreibt Aldiana drei weitere Clubs: im Salzkammergut (an die Grimming Therme angeschlossen); auf der Schlanitzen Alm (mit Ski in/Ski out, Skipass und Skikurs) und am Hochkönig.

6 Strandclubs 
– Aldiana Club Rocca Nettuno Calabria: an einer Steilküste, 2025 umfassend renoviert.
– Aldiana Club Naga Bay: Schnorchel- und Tauchspot am Roten Meer, im Vorjahr neu eröffnet.
– Weitere Clubs gibt es in Andalusien und Djerba sowie  auf Fuerteventura und Sansibar. aldiana.com

Auf den letzten Kilometern der Autoanreise muss ich zwei Traktoren ausweichen, Hendl habe ich aber keine überfahren. Damit kein Missverständnis aufkommt: Als Teilzeit-Oberösterreicher liebe ich das Land und seine Viertel.

In Ampflwang hat man zuletzt kräftig investiert und den Club Mitte des Vorjahres frisch renoviert wieder aufgesperrt. „Fesch“ ist er nun, wie man hier sagt. Am Parkplatz gibt’s vierzehn E-Ladestationen, vom Dach der riesigen Sporthalle glänzt neuerdings eine Photovoltaikanlage – so wird ein Großteil des Strombedarfs gedeckt.

„Von der Lobby bis zur Bar haben wir alles neu gemacht“, erzählt Peter Grimm, lässig auf einem Hocker an der Bar sitzend. Der gebürtige Deutsche ist seit über zehn Jahren Clubmanager. Und wie er so zwischendurch Stammgäste erkennt und begrüßt, lernt man die erste Lektion: Ein Club kann auch persönlich sein. Viele Gäste, die Cluburlaub probieren, kommen wieder. Hierher oder in einen der anderen Clubs.

Mein eigener Nachwuchs ist übrigens in kürzester Zeit abgetaucht. In das ebenfalls neue „Flosse Abenteuerland“.

„Die narrische Halle“

Das ist eine fünfhundert Quadratmeter große Kletter- und Spiellandschaft auf mehreren Ebenen in besagter Halle neben dem Hauptgebäude. Die Buben werden während des Aufenthalts stundenweise von der „narrischen Halle“ (wie sie sie liebevoll nennen) verschluckt und danach verschwitzt und glücklich wieder ausgespuckt. Die Frage, ob sie nicht lieber mit uns Eltern etwas gemeinsam machen wollen, vielleicht im Wald spazieren, verkneife ich mir. Ruhiger wäre es da als im Flosse Abenteuerland. Aber auch das ist eine Lektion: Kinder finden sich in einem Club rasch zurecht. Finden Gleichaltrige und Kurzzeitfreunde, nehmen das Angebot ohne zögern an. Kinderbetreuung gibt es ab zwei Jahren, von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends. Und man lernt: Die Kinderanimation ist dein Freund und Helfer, wer will, hat plötzlich Zeit für sich. Oder zu zweit! So wandern wir auf den nahe gelegenen Göblberg, mit rund achthundert Metern die höchste Erhebung im Hausruckviertel. Vom Aussichtsturm (210 Stufen) schaut man weit in alle Richtungen, ins nahe Bayern und ins Salzkammergut.

Ein Indoor-Spielplatz mit Klettergerüsten, Rutschen und sitzenden Erwachsenen unter dekorativen Lampen.

Der neue Indoor-Spielpark „verschluckt“ Kinder. Keine Sorge, irgendwann kommen sie auch raus.

©Stefan HOfer

Moritz und der Boss

Das Besondere in Ampflwang ist aber die Sache mit den Pferden. Das merkt man schon am ersten Tag, wenn Omas und Mädchen in Reitstiefeln durch die Lobby spazieren. Am Club angeschlossen ist ein Reitbetrieb, und gar kein kleiner. Über fünfzig Pferde hat Pächter Nikolaus Pollhammer unter seiner Obhut (siehe Interview rechts). Vom Erstkontakt mit einem Pony für Kinder und Anfänger bis zu Ausritten für Könner, von Gruppen- bis Einzelstunden ist alles möglich. Für Menschen, die im Alltag wenig bis nichts mit Pferden zu tun haben, ist das ein toller, niederschwelliger Zugang.

Ein Paar spaziert mit einem Hund an der Leine durch eine verschneite Landschaft.

Tierfreundlich: Der Club in Ampflwang hat 24 spezielle Zimmer für Gäste mit Hund.

©Aldiana Club Ampflwang

Die Kids freuen sich auf das Tiererlebnis, Reitlehrerin Miranda holt zwei Ponys für die Knirpse: „Da sind Moritz und der Boss“. Zuerst erklärt Miranda, wie man sich einem Pferd nähert, was es mag – und was nicht. Gemeinsam wird der Ponyschweif gebürstet, werden verfilzte Fell-Partien gelöst. „Schau, stell dich bitte da hin auf die Seite“, zeigt Miranda vor. Ein Pony ist kein Maskottchen, Sicherheit geht vor. Zur täglichen Hygiene gehört auch das Auskratzen von Pferdehufen. Die Kinder sind eifrig am Werk. Der Höhepunkt ist aber, als es auf die Ponys und raus ins Freie geht. Moritz und der Boss sind entspannt, machen es den zwei Anfängern leicht. Die Stunde ist im Nu um.

Man lernt: Ein Club muss keine künstliche Welt sein.

In einer Reithalle reitet eine Frau mit Cowboyhut ein Schimmelpferd über eine Holzplattform.

Es gibt fünfzig bis sechzig Pferde, zwei Reithallen und einen Außenplatz.

©Aldiana Club Ampflwang

Regen bringt eine weitere Lektion: Da ein Urlaub nicht nur Sonnenschein bereit hält (Camper nicken jetzt), ist die Allwettertauglichkeit einer Clubanlage zu jeder Jahreszeit natürlich bequem. Wir planschen gemeinsam im Hallenbad, nützen das Spa zur Familien-Saunazeit, spielen Tennis und spechteln kurz ins Fitnessstudio. Für die Sporttrendsetter gibt es im Freien einen Padel- und einen Pickleball-Court. Manager Grimm betont: „Wir wollen Vorreiter sein bei Trendsportarten“. Es dreht sich viel um Bewegung. Wer das mag, ist hier richtig.

Der Aushang zeigt: Pilates, Kindertänze, Tischkicker-Turnier, Aqua Fit. Am Nachmittag wird eine Schnapsverkostung angeboten, danach Indoor Cycling (wer macht das bitte hintereinander?). Badminton in der Multifunktionshalle und eine Abendshow runden das Angebot ab. Für manches – wie Bogenschießen – muss man sich vorab anmelden.

Bleibt noch die Frage nach dem Sturm aufs Buffet. Da sich die Gästeströme untertags gut verteilen, ist man abends beim Essen fast überrascht, wie gut gebucht der Club ist. Aber klar, es sind grad Ferien. Und kein Stress: Ob Pommes oder Gesundes aus der Region – das Buffet ist auch um acht noch nicht leer gefegt.

Ein Teller mit Lachs, garniert mit Kräutern und Saucen, steht bereit.

Stilvoll angerichtet schmeckt das Abendessen nach einem aktiven Tag gleich besser.

©Stefan Hofer

Ob Clubs für Partytiger, Sportliche oder Ruhesuchende – es gibt für jeden das passende Konzept. Man muss sich nur auf diese Urlaubsart einlassen. Wer auf das Geld schaut, dem sei das so erklärt: Wer nicht aktiv mitmacht, zahlt trotzdem für das Angebot. Vorteil: Es gibt wenig Extrakosten – Getränke, klar; und das Reiten – man weiß vorweg, was der Urlaub ungefähr kosten wird.

Ich habe als Clubskeptiker jetzt nur ein Problem: Die Kinder wollen bald wieder in die „narrische Halle“.

Stefan Hofer

Über Stefan Hofer

Stefan Hofer ist seit 2009 beim KURIER. Schreibt für das Ressort Reise.

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