Pampers sorgte mit Erziehungstipps für Shitstorm

"Kinderfeindliche Erziehungsratschläge": Mütter wüten online über schwarze Pädagogik.
Ein Mädchen umarmt von hinten einen Teddybären.

Nach den heftigen Reaktionen von Müttern auf den umstrittenen Blog-Beitrag eines Drogeriemarktes sorgt jetzt wieder ein Werbe-Blog für Entrüstung unter Eltern: Der Online-Artikel "Kinder richtig bestrafen: Auszeiten" ist ein Lehrstück schwarzer Pädagogik, die vor allem in Online-Elternforen vehement abgelehnt wird. "1934 ruft an und möchte seine kinderfeindlichen Erziehungsratschläge zurück haben", wetterte Userin Jessi unter dem Beitrag.

Ein kleines Kind sitzt auf einem Hocker vor einer gelben Wand.
Tatsächlich sind manche Sätze haarsträubend. Das Konzept der Auszeit sieht vor, dass Kinder zur Beruhigung in einem hitzigen Moment aus der Situation entfernt werden sollen. Bei Pampers gibt es dazu eine Altersempfehlung für "Kinder im Alter von etwa 18-24 Monaten bis ca. fünf Jahren".

Hier die drei absurdesten Argumentationen im Zitat:

"Während der Auszeit findet keinerlei Kommunikation zwischen dem Elternteil bzw. der Aufsichtsperson und dem Kind statt. Die Auszeit ist als eine abgeschwächte Form von Isolation zu verstehen. Damit bringen Sie zum Ausdruck: "Wenn du das tust, gehörst du nicht dazu.“​"

"Stellen Sie einen Stuhl an einem neutralen, aber sicheren Ort auf, der keine Ablenkung bietet. Dies kann die Ecke eines Esszimmers oder ein selten benutzter Eingangsbereich sein. Der Stuhl sollte außer Sichtweite der Aufsichtspersonen und weg vom Ort des Geschehens stehen."

"Belohnen Sie gutes Verhalten nicht. Dazu müssten Sie z. B. versuchen, es beim Wohlverhalten zu 'erwischen'. Das ist allerdings nicht ganz einfach: Je schlimmer das Fehlverhalten wird, desto mehr neigt man dazu, sich zurückzuziehen oder dem Kind sogar aus dem Weg zu gehen."

Reaktion einer Sozialpädagogin

Sozialpädagogin Kira Schlesinger nahm den Text auseinander. Sie warnt davor, die Beziehung zum Kind zu ruinieren. "Wer mit Kleinkindern zu tun hat weiß, dass diese sicherlich nicht darüber nachdenken, was sie gerade falsch gemacht haben. Es lernt dabei sicher nicht, was an seinem Verhalten falsch war, da es noch nicht in der Lage ist, sein Verhalten und die darauf folgende Auszeit miteinander in Verbindung zu bringen. Stattdessen bezieht das Kind die Bestrafung auf sich. Es ist falsch in seinem Sein, mit seinem Handeln nicht erwünscht!"

Pampers entschuldigte sich und stellte den Text inzwischen offline.

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