Leben
02.05.2018

New Hampshire: Bärenflüsterer zieht verwaiste Bärenjunge auf

Ben Kilham kümmerst sich bereits seit 25 Jahren um elternlose Schwarzbären.

Stripy und Jake folgen Ben Kilham überall hin, die kleinen Schwarzbären hat er mit der Flasche aufgezogen: Der Bärenflüsterer von New Hampshire hat in den Wäldern im Osten der USA in 25 Jahren rund 165 Bärenjungeaufgezogen - und dabei über die Raubtiere so viel gelernt wie über Menschen.

In einem drei Hektar großen Gehege in der Nähe seines Hauses nimmt der 65-Jährige im Auftrag der Fischerei- und Wildtierbehörde des US-Bundesstaates verwaiste Bärenjunge auf, deren Mütter erschossen oder von Autos angefahren wurden - bis er sie mit 18 Monaten in die Wildnis entlässt. Daneben beobachtet er auch erwachsene Bären in freier Wildbahn, darunter die 22 Jahre alte Bärin Squirty, die bereits elf Mal geworfen hat.

Wiederansiedlung des Riesenpandas in China

In den vergangenen Jahrzehnten sammelte Kilham dabei so viel Erfahrung mit Bären, dass China bei der Wiederansiedlung des Riesenpandas um seine Hilfe bat - die Zusammenarbeit inspirierte den im April veröffentlichten Dokumentarfilm "Pandas".

Ein Vierteljahrhundert Bärenforschung

Nach einem Vierteljahrhundert Bärenforschung glaubt Kilham, dass Bären den Menschen so nahe stehen wie Menschenaffen. So seien Bärinnen wie Menschen zum reziproken Altruismus fähig, kümmern sich also zum Wohle der Gemeinschaft um Artgenossen.

Kurz nach der Auswilderung von Squirty wurde Kilham nämlich von einer anderen Bärin angegriffen: "Ich dachte, wow, sie ist nicht verwandt und geht dennoch ein großes Risiko ein, um fremde Jungen vor einem Menschen zu beschützen." Nun teilten die beiden Bärinnen schon seit 20 Jahren ihr Futter, erzählt Kilham.

Viele Wissenschafter stellen diese Parallelen zwischen Mensch und Schwarzbär jedoch infrage. "Wir lernen immer noch dazu", räumt Kilham ein. "Die Sprache ist wahrscheinlich das, was die Menschen dahin gebracht hat, wo wir jetzt sind."

Promotion in Umweltwissenschaften

Sprache spielte auch in seinem Leben eine große Rolle: Kilham erkannte im Alter von 40, dass er Legastheniker ist. Schwierigkeiten in der Schule hatten nach einer Kindheit inmitten von Tieren verhindert, dass er Biologe studieren konnte.

Auf Empfehlung eines befreundeten Biologen vertraute die Fischerei- und Wildtierbehörde ihm jedoch elternlose Bärenbabys und später das erste Bärenzentrum in New Hampshire an. Neben der Aufzucht dokumentierte Kilham seitdem mehr als 1.500 Kontakte mit Bären in der Natur - und promovierte damit in Umweltwissenschaften. 2002 erschien sein Buch "Among the Bears".

Vor allem will er über die Schwarzbären aufklären, die mit rund 750.000 Exemplaren in Nordamerika am meisten verbreitet sind und in den USA gejagt werden. Bis zu 15 Prozent der 5.000 bis 6.000 Bären von New Hampshire werden jedes Jahr während der Jagdsaison getötet, ihre Höhlen von Waldarbeitern zerstört. Dabei interessieren sich die Allesfresser, die bis zu 40 Jahre alt werden können, "überhaupt nicht für Menschen", wie Kilham sagt.

Aufklärung der Menschen

Zu gefährlichen Situationen komme es, weil viele Anrainer Nahrung draußen lassen oder ihre Hühnerställe nicht ausreichend schützen, was die Tiere vor und nach dem Winterschlaf anlocke. Beim Zusammentreffen mit Menschen seien die Bären stets die Verlierer, bedauert Kilham. Dabei sei das Zusammenleben mit Bären so einfach: man müsse die Menschen nur aufklären. "Leider ist das so schwierig wie das Dressieren von Katzen", sagt er. "Sie nehmen Informationen nicht sehr gut auf."