Vom Heilmittel zum Kuchentrend: Diese Rhabarberfakten kannten Sie noch nicht
Manchmal geht beim Backen nichts über ein Geodreieck. Nämlich dann, wenn es um akkurate Ecken, Kanten und rechte Winkel auf dem Rührteigkuchen oder der Mürbteigtarte geht. Seit einigen Jahren überbieten sich Backfreudige mit einem Faible für geometrische Formen in den sozialen Medien mit ihren exakt gelegten Mustern. Und immer sind die Bausteine dafür ebenso genau geschnittene Rhabarberstücke. Der süßsaure Frühlingsbote hat sich zu einem viralen Trend gemausert und bleibt in vielerlei Hinsicht dennoch eine große Unbekannte.
„Kuchenpflanze“ ist auch ein Name
Die oberirdischen Stiele werden beispielsweise erst seit dem 18. Jahrhundert mit Genuss verspeist – bevorzugt süß und wie Obst verarbeitet. In den USA brachte ihm diese Vorliebe den Namen „Pie Plant“, also Kuchenpflanze, ein. Botanisch zählt Rhabarber als Knöterichgewächs allerdings zum Gemüse.
Derartige Zuordnungen waren früher aber egal. Im Mittelalter zählte etwas anderes: Jene Teile, die unter der Erde Jahrzehnte überdauern können – die Wurzelstöcke (Rhizom) –, galten als Luxusgüter. Über die Seidenstraße gelangten die Wurzeln von Zentralasien nach Europa. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind sie seit Jahrtausenden als Medizin gekannt. Die Wirkung nutzt man etwa bei Verdauungsproblemen als Abführmittel, aber auch bei Leber- oder Nierenproblemen. Dazu sollen bestimmte Extrakte entzündungshemmend wirken.
Für den säuerlichen Geschmack der Stangen ist Oxalsäure verantwortlich. Es ist aber in größeren Mengen in den Blättern enthalten, in den Stangen weniger, besonders in rotfleischigen und rotstieligen. Schälen, kochen und blanchieren verringern den Gehalt zusätzlich. Weil der Oxalgehalt mit dem Alter der Stangen steigt, wird er traditionell – wie auch Spargel – nur bis zum 24. Juni (Johannistag) geerntet.
Zungenbrecher in mehreren Sprachen
Was den Namen betrifft, ist das Wort Rhabarber alle Jahre aufs Neue zu Beginn eine Herausforderung für Orthografie und Aussprache, und das ist nicht nur im Deutschen so. Auch im Englischen (rhubarb) und im Französischen (rhubarbe) kämpft man mitunter mit dem Zungenbrecher-Wort.
Mit dieser Eigenschaft hat es der Rhabarber sogar bis in die Theater- und Filmwelt geschafft und findet sich in der englischen Version unter der Beschreibung „Theaterverwendung“ sogar im Oxford English Dictionary. Um Murmeln von Menschengruppen zu imitieren, kam im 19. Jahrhundert die Verwendung von rhubarb auf. Durch die weiche Buchstabenabfolge und Silbentrennung imitierte die ständige Wiederholung Gespräche.
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