Geschmorter Lauch mit Karotte,  Reis und Dille

Winterlauch: Mit diesem Gewürz wird das Gericht magisch

Wir erfreuen uns an den ersten Frühlingsblümchen, trotzdem sind die Farben draußen noch gedämpft. Auf unseren Tellern leuchtet der Winterlauch safranrot und bringt gute Laune.

Ich eile über den Markt und freue mich, dass Erol wieder von seinem wohlverdienten Urlaub zurückgekehrt ist und sein buntes Angebot an Obst und Gemüse in die Marktsteigen geschlichtet hat. Obwohl, so bunt ist das Angebot zu dieser Jahreszeit auch wieder nicht, wir stecken kulinarisch ein wenig zwischen Winter und Frühling fest. Da lachen mich dicke, grüne Lauchstangen an, die perfekt geordnet auf ihren Einsatz warten. "Winterlauch!", ruft Erol mir freudig entgegen. "Daniel hat heute auch schon drei Kilo in eure Küche geliefert bekommen!"

Im Café schnappe ich mir ein ofenwarmes Brioche, bestreiche es mit frischer Beerenmarmelade und lasse mir den Cappuccino schmecken, den Emma, unsere Praktikantin, zubereitet hat. Sie "schnuppert" Berufsalltag während ihrer Schulzeit und ich bin entzückt, dass sie bereits am dritten Tag ein Herzerl in den Kaffee schäumen kann. Philip schreibt das Mittagsmenü an die Tafel und ich freue mich schon auf die Galette mit Lauch, Ziegenkäse und Nüssen, die ich morgen zusammen mit einer lieben Freundin verputzen werde.

Abendrot auf unseren Tellern

Was werde ich wohl aus den zwiebeligen Stangen zaubern? Zuhause denke ich an die türkischen Vorspeise, die ich in unseren Sommerurlauben in diesem wunderschönen Land so geliebt habe, damals, als die Kinder noch klein waren. Ich erinnere mich genau an den zitronig-frischen Lauch, geschmort mit Karotten und Reis, kühl serviert – ein wohltuender Kontrast zu den flirrend heißen Außentemperaturen. Heute jedoch steht mir der Sinn nach einem warmen Eintopf; der Sommer scheint, als ich das schreibe, hierzulande immer noch in weiter Ferne. Wie wäre es mit Safran, um goldenes Abendrot auf unsere Teller zu zaubern?

Tipp

Lauch längs halbieren und dann gründlich waschen, damit die Erde zwischen den Lagen entfernt wird

Die Kombination der rostroten Fäden mit Paradeismark ist jedes Mal aufs Neue magisch. Den Reisanteil erhöhe ich ein wenig, damit das Gericht an Molligkeit gewinnt, ich will ja schließlich satt werden. Ich schneide den Lauch und wasche ihn gründlich – so, wie Daniel es mich gelehrt hat – damit auch ja kein Sandkörnchen auf dem Teller landet. Die Karotten werden schräg in dicke Scheiben geschnitten, das sieht nicht nur hübscher aus, sondern gibt dem Ganzen auch Charakter. Nun wird mit dem Safranwasser aufgegossen und vor sich hin geschmurgelt, damit sich die Aromen verbinden.

Beim Essen muss ich innerlich schmunzeln, als ich mir überlege, ob es so etwas wie "Lebensabschnittsspeisen" gibt – Gerichte, die genau zu einer Lebenssituation passen. Wenn ja, erkläre ich dieses Rezept zu meinem neuen Liebling für ruhige Abende alleine, um gut und gesund gesättigt einen gemütlichen Fernsehabend zu verbringen. Wie praktisch, dass ich morgen noch die Resterl essen kann und nicht kochen muss, beginnt doch übermorgen wieder ein neuer Abschnitt als Nomi. Da koch ich dann wieder liebend gerne für die ganze Mischpoche.

Zur Person

Zur Person

Nicole Ott ist Köchin, Gastronomin und Kochbuchautorin. Am Wiener Kutschkermarkt führt sie das Café Himmelblau.

Über Nicole Ott

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