Nutrigenomik: Essen, das wirklich zu mir passt
Nutrigenomik legt den Zusammenhang zwischen Genen, Ernährung und Stoffwechsel offen. Eine Gen-Analyse zeigt, wie man diesbezüglich „tickt“.
Nahezu jeder kennt einen dieser beneidenswerten Menschen, der nach Herzenslust essen kann, was er will und trotzdem kein Gramm zunimmt. Der Volksmund spricht da gerne „vom schlechten Futterverwerter“, bei dem nichts „anschlägt“.
Abgesehen davon, dass das nicht wirklich fair ist, wirft das auch Fragen auf. Wie kann es sein, dass eine Person Kohlenhydrate scheinbar mühelos verträgt, während eine andere schon beim Gedanken an Pasta & Co. zunimmt? Warum helfen manchen Menschen klassische Ernährungsempfehlungen, anderen aber kaum? „Hier setzt die Nutrigenomik an. Sie ist ein neues, stark wachsendes Forschungsfeld, das untersucht, wie Gene, Ernährung und Stoffwechsel zusammenhängen“, sagte der Facharzt für innere Medizin, Hämatologie und Onkologie, Doz. DDr. Stefan Wöhrer, beim ersten „Permedio Health Breakfast“ dieser Tage in Wien.
Der Internist beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Genetik, eine medizinische Sparte, die in den letzten Jahren richtig Fahrt aufnimmt. „Ein Grund dafür ist u. a., dass die immensen Daten, die wir seit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahr 2003 gewonnen haben, dank moderner IT nun auch anwendbar geworden sind“, sagt Wöhrer.
Eine wesentliche Erkenntnis aus der genetischen Analytik ist unter anderem, dass Menschen Nährstoffe nachweislich unterschiedlich verarbeiten, also sehr individuell auf ein und dieselbe Ernährung reagieren. Damit scheint die Suche nach einer einzigen, idealen Ernährungsform, wie sie in früheren Jahren exzessiv betrieben wurde, aus heutiger wissenschaftlicher überholt. „Tatsächlich hebt die Nutrigenetik den Ernährungsstandard auf ein neues Niveau, nämlich weg von pauschalen Diättrends hin zu personalisierten Empfehlungen auf Basis genetischer Erkenntnisse“, so Wöhrer.
DDr. Stefan Wöhrer setzt die Ergebnisse individueller Gen-Analysen schon heute in der medizinischen Praxis ein.
©Katharina Schiffl„Nutrigenomik liefert personalisierte Ernährungsempfehlungen auf Basis genetischer Erkenntnisse“
Doz. DDr. Stefan Wöhrer, Facharzt für Innere Medizin
Interessant ist etwa die von Mensch zu Mensch unterschiedliche Verarbeitung von Kohlenhydraten. Während manche Zucker und Kohlenhydrate sehr gut verstoffwechseln, reagieren andere deutlich sensibler darauf. Und das wiederum hängt unter anderem mit der genetisch beeinflussten Insulinausschüttung zusammen. Stefan Wöhrer: „Wenn der Insulinspiegel über längere Zeit erhöht bleibt, wird die Fettverbrennung gehemmt. Genau deshalb funktionieren bestimmte Ernährungsformen bei manchen Menschen hervorragend und bei anderen kaum.“
Typfrage: Jäger oder Farmer?
Die Medizin unterscheidet in dem Zusammenhang zwischen Farmer- und Jäger-Typen. Erstere können Kohlenhydrate effizienter verwerten. Jäger-Typen hingegen profitieren meist stärker von einer eiweißreicheren, kohlenhydratärmeren Ernährung. Wöhrer: „Der springende Punkt ist: Diese Unterschiede sind genetisch mitbedingt und können heute sichtbar gemacht werden.“ Apropos sichtbar: Die österreichische Modejournalistin, Martina Reuter, hat in zwei Jahren sukzessive 55 Kilogramm abgenommen. Die Basis dafür legte sie, neben einem Plus an Bewegung, auch mit einer Permedio LifestyleCheck Gen-Analyse mittels Speichelprobe. Die Ergebnisse waren für Reuter wie eine Offenbarung, denn sie zeigten, welche Lebensmittel optimal für sie sind. Und welche sie, um schlank zu werden und zu bleiben, besser weglässt.
Martina Reuter hat ihre Ernährung u. a. auf Basis einer Gen-Analyse umgestellt, aber auch mehr Bewegung in ihren Alltag eingebaut und erfolgreich damit abgenommen.
©Katharina SchifflBetriebsanleitung
„Die Analyse war wie eine Betriebsanleitung für meinen Körper“, sagt Martina Reuter. „Eine der überraschendsten Erkenntnisse der Analyse war, dass ich Kaffee – genetisch bedingt – schlechter verstoffwechsle. Salat wiederum ist für mich selbst am Abend kein Problem.“ Nachdem Reuter ihren Kaffeekonsum reduziert und die Ernährung gezielt an ihre genetischen Voraussetzungen angepasst hat, stellte sich der Erfolg ein. „Viele Menschen fragen mich, was sie genauso machen müssen wie ich. Meine Antwort ist dann immer, dass jeder Körper einzigartig ist. Was für mich der richtige Weg ist, muss nicht automatisch auch für andere funktionieren.“
Ein Schlüssel für optimale Ernährung heißt also Personalisierung – und „das ist“, so Experte Stefan Wöhrer, „keineswegs noch Zukunftsmusik. Tatsächlich arbeiten wir bereits seit Jahren damit. Die genetischen Analysen fließen täglich in unsere medizinische Praxis ein und helfen uns dabei, Therapien, Präventionsmaßnahmen, aber auch Medikamente, gezielt und individuell auf jeden Patienten abzustimmen.“
In dem Buch „GENial abnehmen“ zeigt Dr. Wöhrer, wie man mit Nutrigenetik die Ernährung optimiert.
Kneipp Verlag, 24 €. Erhältlich u. a. über: permedio-genetik.com
©Kneipp Verlag
Kommentare