Leben
25.05.2018

Black Austrian Awards: So sehen Sieger aus

Erstmals wurden in Wien dunkelhäutige Persönlichkeiten, die in Österreich leben, ausgezeichnet

„War die Negerin schneller?“ Die Skirennläuferin Sabrina Wanjiku Simader erzählt, dass Fragen wie diese bisher selten waren, aber jedes Mal wehtaten. „Speziell als ich noch jünger war.“

Auch die Diffamierung des österreichischen Sängers Cesár Sampson, der beim Eurovision Song Contest in Lissabon für Österreich den dritten Platz geholt hat, als „Quoten-Mohr“ (siehe dazu auch Bericht auf Seite 4) empfindet sie als befremdend.

Lieber berichtet die 20-jährige Spitzensportlerin von den schönen Begebenheiten in ihrer noch jungen Karriere: „Ich habe mit Christian Reif einen Super-Trainer, der von Anfang an mich geglaubt hat. Und schön langsam werde ich auch bei den Rennen als ernst zu nehmende Konkurrentin wahrgenommen.“

Die dunkelhäutige Athletin bekam auch am Donnerstagabend bei den erstmals verliehenen Black Austrian Awards Applaus. Als Siegerin in der Kategorie „Sport“. Sie wurde in Kilifi, einer Kleinstadt 80 km nördlich der kenianischen Hauptstadt Mombasa geboren. Ihre Mutter arbeitete in der Kindergartenausbildung, ehe sie ihren Mann kennenlernte. Der Obmann des lokalen Skivereins auf dem Mühlviertler Hansberg stellte dann die Tochter mit drei Jahren erstmals auf die Ski. Simader gibt zu: „Der Schnee, die Kälte – zunächst war das für mich ein großer Schock.“ Doch weil sie flott lernte und bei Skirennen nie schlechter als Dritte ins Ziel kam, war schon am Ende der Volksschule klar: „Ich werde Rennläuferin.“

Dass sie alleine aufgrund ihrer Hautfarbe die Blicke auf sich zieht, daran hat sich die Absolventin der Schladminger Skischule gewöhnt.

Danke, David Alaba!

Über mangelnde Sensibilität kann auch der Fußballer David Alaba erzählen, der bei einem Trainingslager des Nationalteams in Tirol vom Landeshauptmann in englischer Sprache begrüßt wurde.

Dem Profifußballer vom FC Bayern München sind vor allem jüngere Mitglieder der schwarzen Community in Österreich dankbar. Weil er mit seinen sportlichen Leistungen und nicht zuletzt mit seinem Wiener Schmäh dazu beigetragen hat, die Hautfarbe aus dem Fokus zu rücken.

Diese Einschätzung teilt auch Rebecca Horner, die in der Wiener Staatsoper tanzt und in der Kategorie „Kunst und Kultur“ ausgezeichnet wurde. Der Vater der 29-jährige Wienerin hat Wurzeln in Jamaika. Zu seinen Eltern konnte sie jedoch keinen Kontakt aufbauen: „Sie sind vor meiner Geburt verstorben.“

Die Künstlerin freut sich über die Ehrung und plädiert für mehr Toleranz im Umgang miteinander: „Wir alle sind Menschen und haben ein Recht darauf, Ernst genommen zu werden.“

Sie selbst war „eigentlich nie“ Schmähungen ausgesetzt, betont sie. Das hat auch damit zu tun, dass sie in einer eher weltoffenen Atmosphäre arbeitet. Augustin-Verkäufer aus Nigeria sowie der Initiator der Awards, der Journalist Simon Inou, beklagen dagegen Alltagsrassismen in allen Facetten.

Simon Inou ist 1996 aus Kamerun nach Österreich gekommen, um hier Kommunikationswissenschaft und Soziologie zu studieren. Mit den Black Austrian Awards will er auf Menschen aufmerksam machen, die sonst keine Stimme haben. Es gibt keine Zahl, nicht einmal eine Schätzung, wie viele Österreicher mit afrikanischer Herkunft in Österreich leben.

Auf die Frage, warum Cesár Sampson und David Alaba nicht geehrt wurden, erklärt Inou: „Das sind wichtige Persönlichkeiten, nicht nur für Österreich. Aber wir wollten auch auf jene aufmerksam machen, die weniger bekannt sind.“ Sabrina Wanjiku Simader, die sich derzeit auf dem Hintertuxer Gletscher auf die neue Saison vorbereitet, ist auf einem guten Weg. Ihr Ziel für die neue Saison lautet: „Ich möchte in allen Disziplinen starten – und unter den Top-40 vertreten sein.“