Kultursommer Wien: Rund 500 Acts sorgen für Unterhaltung im Grätzl
Nicht nur die Temperaturen und die Inflation steigen, auch der Wunsch nach leistbaren Kulturangeboten. Der Kultursommer Wien schafft Abhilfe: Er bietet eine willkommene Gelegenheit, der überhitzten Wohnung zu entkommen – und das bei freiem Eintritt zu allen Veranstaltungen.
Sechs Wochen lang warten Auftritte der 2.000 Künstler:innen (bei Fair Pay!) auf Grätzl-Bühnen von Favoriten bis Liesing – zwanglos und ohne Anmeldung. Wem es gefällt, bleibt bis zum Ende. Wer nur kurz vorbeischauen will, setzt sich einfach für ein paar Minuten in einen der knallbunten Liegestühle.
Beim Kultursommer Wien verwandeln sich öffentliche Plätze in der ganzen Stadt in Open-Air-Bühnen.
Programmvielfalt
Die Auftritte finden immer von Donnerstag bis Sonntag zwischen 18.30 und 21 Uhr statt. An einem Abend gibt es zwei Acts zu sehen. Da kann es passieren, dass man von einer Zirkusshow mit Beisl-Gegenständen als Jonglage-Objekten direkt in ein Konzert mit politischem Deutschpop von Nadu stolpert (18. Juli, Kongreßpark).
Unsicher, ob das passende Programm dabei ist? Der Spielplan beinhaltet Shows aus Musik, Kabarett, Theater, Literatur, Tanz, Performance und Zeitgenössischem Zirkus. Recht wahrscheinlich ist für jeden Geschmack und jede Stimmung etwas dabei.
Kultur so nah
Bereits zum siebten Mal bespielt der Kultursommer Wien dezentrale Open-Air-Bühnen im öffentlichen Raum und beschreibt sich dabei ganz unprätentiös als kultureller Nahversorger. Das passt auch zum heurigen Motto „Kultur so nah“.
NENDA tritt am 11.7. im Stadtpark Atzgersdorf auf.
Mitten im Grätzl und nah am Puls der Zeit ist auch das Programm: Heuer stehen spannende Acts im Rampenlicht, die gerade richtig durchstarten. So überzeugt NENDA mit kraftvollen Lyrics (11. Juli, Stadtpark Atzgersdorf), während Tamara Flores mit empowerndem Latin-Indie-Pop zwischen Österreich und Mexiko begeistert (15. August, Nordwestbahnhof).
Am 15.8. stehen die Zeichen auf "Latin-Indie-Pop" – dann tritt Musikerin Tamara Flores beim Nordwestbahnhof auf.
Ohne Intendanz
Aber von vorne – wie kommen die Acts auf die Bühne? Der Kultursommer Wien zählt zu den größten Festivals mit offener Ausschreibung in Europa. Klingt etwas kompliziert, bedeutet aber nur: Künstler:innen dürfen ihre Projekte ohne inhaltliche Vorgaben einreichen. Statt einer Intendanz „kuratiert sich die Stadt also im weitesten Sinne selbst“, wie es seitens des Festivals heißt.
Aus den Bewerbungen wählt ein Künstlerisches Board aus Expert:innen die Bühnen-Acts aus. Was dabei entsteht? Ein Spielplan, der ziemlich genau zeigt, was den Menschen gerade am Herzen liegt – und das zeitnah.
Viel Liebe beim Festival
Am Herzen liegt den Künstler:innen heuer beispielsweise die Liebe in vielen Facetten: Auf eine sexpositive Dating-Webseite verschlägt es zwei Frauen in ihren Siebzigern beim Theaterstück Dirty Old Women zwischen Komödie und Sitcom (31. Juli, Wilhelmsdorfer Park).
Autorin Beatrice Frasl liefert mit Pianistin Julia Radschiner den Soundtrack zu ihrem Buch „Entromantisiert Euch“ – dabei wird nicht nur mit der Romantik abgerechnet, sondern vor allem Freund:innenschaft besungen (17. Juli, Reithofferpark).
Bei Luca Malina gibt's Songtexte über das Leben, Beziehungen und Gedanken, die nachts nicht schlafen wollen (13. August, Kongreßpark).
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Work-Life-Balance
Auch die Work-Life-Balance (oder der Wunsch danach) rückt bei vielen Acts dieses Jahr in den Fokus: Mit Humor, Akrobatik und Jonglage geht es die Compagnie Trisoleil an. Beim familienfreundlichen Auftritt verwandelt sich der Arbeitsplatz in ein Abenteuer mit dem Ziel „Grande Feierabend“ (12. Juli, Schrödingerplatz).
Der Zeitgenössische Zirkus hält noch mehr bereit: Scott Witmer, Jennifer Rom und Lila Monti verpacken eine Geschichte über Bürokratie, Macht und die Kraft der Freund:innenschaft in Clownerie (30. Juli, Hyblerpark).
Im Musiktheaterstück Frohes Schaffen fegt Krauski Kombinat die Überreste unserer Eskapismus-Gesellschaft zusammen und fragt sich, wie eine gesunde Beziehung zu Arbeit eigentlich aussehen kann (8. August, Kongreßpark).
Zurück ins Analoge
Schon mal das Kürzel IRL gelesen? In Gen-Z-Sprech bedeutet das In Real Life und verdeutlicht den Unterschied zwischen Online-Existenz und tatsächlichem Leben.
Vom Digitalen ins Analoge heißt es heuer besonders bei Kultursommer Plus, der Mitmachsparte des Kultursommer Wien. Digital Detox – DIY statt AI Druckerei lädt dazu ein, das Smartphone wegzulegen und Kunstdrucke fernab jeder KI oder Share-Buttons zu erstellen (2. August, Wilhelmsdorfer Park).
In allen Formaten geht's außerdem um echte Begegnungen, Austausch, Kunst-Machen und das Hinterfragen gängiger Strukturen – Prädikat: empfehlenswert fürs Real Life!
Noch mehr Unterhaltung
Wer am Abend keine Zeit hat, kann auf andere Programmpunkte ausweichen: Am Vormittag gibt es Programm für Kinder und die ganze Familie, das Kinderfest mit Mitmachstationen tourt jeden Samstag zu einer anderen Bühne.
Dazu kommt wieder ein sonntäglicher Jazz Brunch am Rathausplatz (5. Juli bis 6. September, 12–14 Uhr). Bei zwei Chorabenden ebenda werden aktuelle Pop-Hits und Evergreens mehrstimmig dargeboten – Mitsingen ausdrücklich erwünscht (25. & 26. Juli, 18.30–20 Uhr).
29 Gartenkonzerte laden in den Gärten der Häuser zum Leben zu generationsübergreifenden Musiknachmittagen ein (6. Juli bis 13. August, 15–16 Uhr).
Überall gilt: Eintritt frei.
Alle Veranstaltungen unter: www.kultursommer.wien
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