„Das Blut der Medusa“: Zwischen Mythos und Wissenschaft
Kreuzigungsgruppe aus roten Korallen.
Korallen gelten heute vor allem als bedrohte Wunderwerke der Natur. Vor mehr als 500 Jahren waren sie begehrte Kostbarkeiten aus den Tiefen eines weitgehend unerforschten Meeres. Die Sonderpräsentation „Das Blut der Medusa. Die Korallen von Schloss Ambras“ widmet sich ihrer facettenreichen Geschichte. Ausgangspunkt ist die außergewöhnliche Korallensammlung Erzherzog Ferdinands II. (1529–1595), die bis heute zu den bedeutendsten weltweit zählt. Der Tiroler Landesfürst besaß nahezu hundert Korallenobjekte. Rund 50 Objekte aus dem Ambraser Bestand treten mit ausgewählten Leihgaben und naturwissenschaftlichen Perspektiven in Dialog. Licht, Farbe, Sound und begehbare Korallenkabinette schaffen einen sinnlichen Zugang. Die Sonderpräsentation ist eine Kooperation des KHM-Museumsverbands mit dem Naturhistorischen Museum Wien.
Schreibzeug mit Korallen | 2. Hälfte 16. Jahrhundert | Silber, Koralle | Kunsthistorisches Museum, Kunstkammer (Schloss Ambras)
Mythenwelt
Ein Schwerpunkt der Präsentation liegt auf der Frage, was Korallen eigentlich sind. Über Jahrhunderte blieb ihre Natur rätselhaft. Antike Autoren wie Ovid und Plinius beschrieben sie als Wesen zwischen Meer und Land. Ovid erzählt, wie das Haupt der Medusa Meerespflanzen zu Stein erstarren ließ und so Korallen entstanden. Der Weg von dieser mythologischen Deutung zur wissenschaftlichen Klassifizierung wird anhand naturwissenschaftlicher Exponate, Mikroskope und Lehrtafeln nachvollziehbar. Einen Wendepunkt markiert Carl von Linné, der die Koralle im 18. Jahrhundert dem Tierreich zuordnete. Darüber hinaus zeigt die Sonderpräsentation die Bedeutung der Koralle als Schutzmittel gegen Krankheit und Unheil sowie ihre Rolle im Christentum als Sinnbild des Blutes Christi.
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Korallenstamm | 16. Jahrhundert | Rote Edelkoralle (Corallium rubrum); Sockel: Gips, Holz | Schloss Ambras Innsbruck
Kunst & Zukunft
Zu den Höhepunkten zählen die berühmten Korallenkabinette Erzherzog Ferdinands II., in denen Naturalia und Kunst verschmelzen. Fantastische Unterwasserwelten aus roten Korallen, Perlmutt und Perlen stehen neben naturnäheren Korallenlandschaften. Weitere Glanzstücke sind Korallenberge, das Schreibzeug mit Neptun und sizilianische Koralleneinlegearbeiten aus Trapani. Zugleich richtet die Präsentation den Blick auf die Gegenwart: Korallenriffe zählen zu den wichtigsten Ökosystemen der Erde, sind jedoch durch steigende Meerestemperaturen, Korallenbleiche und das weltweite Sterben der Riffe bedroht. Zum Abschluss können Besucher*innen selbst Teil einer Installation werden und ein wachsendes Korallenriff mitgestalten. Führungen finden jeden Freitag und Sonntag statt. Die Sonderpräsentation ist bis 31. Oktober 2026 täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen.
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