Zwei aus Berlin: Dietrich & Riefenstahl

Aufgewachsen zur selben Zeit in der selben Stadt, waren sie lediglich in herzlicher Abneigung verbunden. Zwei Kino-Größen in einer Doppelbio.

Sie waren beide waschechte Berlinerinnen, kamen aus kleinbürgerlichem Elternhaus und wurden Weltstars. Marlene Dietrich (1901-1992) und Leni Riefenstahl (1902-2003) verkörperten einen modernen Frauentyp, glamourös und verführerisch die eine, eher sportlich die andere. Zwei Kino-Legenden und Jahrhundertfrauen, die die Berliner Politikwissenschaftlerin Karin Wieland jetzt in einer spannenden Doppelbiografie mit dem Untertitel "Der Traum von der neuen Frau" einander gegenüberstellt. Ihre Lebenswege hätten unterschiedlicher nicht sein können. Marlene Dietrich ging 1930 nach Hollywood und wurde eine erklärte Nazi-Gegnerin. Leni Riefenstahl dagegen sonnte sich in der Gunst Hitlers und avancierte zu seiner bevorzugten Filmemacherin.

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Joseph Goebbels, Leni Riefenstahl und Adolf Hitler (1938)
Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl sind Produkte dieser quirligen Weltstadt Berlin, die um die Wende zum 20. Jahrhundert entsteht. Sie sind Vertreterinnen der "überflüssigen Generation", die ihre Jugend im Schatten des Krieges verbringt und deren frühe Erwachsenenjahre von der Hyperinflation geprägt sind. 

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Leni Riefenstahl im Jahr 2000 Doch diese Zeit der Abstürze und Umbrüche bietet eben auch Chancen für junge ehrgeizige Frauen von nicht gerade privilegierter Herkunft.

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Marlene Dietrich im Jahr 1938 Marlene Dietrich ist die Tochter eines Polizisten, Leni Riefenstahls Vater ist ein ehrbarer Handwerkermeister. Beide Frauen müssen sich gegen den Widerstand ihrer unmusischen Familien ihre Künstlerlaufbahn erkämpfen. Dabei gehen sie Umwege. Marlene Dietrich möchte eigentlich Konzertgeigerin werden, Leni Riefenstahl Tänzerin. Diese Träume scheitern. Beide suchen und finden schließlich ihr Glück im Film.

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Marlene Dietrich 1955 in Las Vegas Angeblich konnten sich die fast gleichaltrigen Künstlerinnen nicht ausstehen. Dabei zeigt Karin Wieland, wie ähnlich sie sich waren. Ihnen gemeinsam ist ein extremer Ehrgeiz, eine preußische Disziplin und Härte.

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Leni Riefenstahl 1945 in Kitzbühel Diese ging bei Leni Riefenstahl so weit, dass sie sich bei ihren Bergfilmen halsbrecherischen Situationen und lebensbedrohlicher Kälte aussetzte.

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Leni Riefenstahl 1929 im Film "Weiße Hölle von Piz Palü" Marlene Dietrich war sich über ihr mittelmäßiges schauspielerisches Talent durchaus im Klaren. Aber das wusste sie durch Ausdauer und Ehrgeiz zu kompensieren. 

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Marlene Dietrich und Hildegard Knef 1955 Nicht zuletzt verdankten beide ihren Aufstieg einem fein gesponnenen Netz von Liebschaften und Männerfreundschaften. Sie setzten ihre Schönheit immer strategisch ein, instrumentalisierten Männer für ihre beruflichen Zwecke. Man kann das skrupellos finden, sie waren damit jedenfalls extrem erfolgreich. Karin Wieland erzählt die beiden Biografien parallel, nach Kapiteln chronologisch geordnet und verzichtet dabei auf künstliche Überleitungen. Die sind auch nicht nötig, das Buch gibt auch so ein stimmiges Ganzes.

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Marlene Dietrich 1931 Die Autorin stützt sich dabei auf reichhaltige Quellen durchaus unterschiedlicher Qualität. So sind etwa die Memoiren von Leni Riefenstahl mit Vorsicht zu genießen. 

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Leni Riefenstahl und Bernhard Minetti in dem Film "Tiefland" (gedreht 1940-1944) Obwohl um Zurückhaltung bemüht, scheint doch bei der Autorin insgesamt eine größere Skepsis gegenüber der Nazi-Starregisseurin durch, während die Dietrich mit etwas mehr Wärme geschildert wird.

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Leni Riefenstahl 1994 Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl sind sich wohl nur einmal im Leben begegnet, obwohl sie zeitweilig sogar im gleichen Häuserblock wohnten: "Leni Riefenstahl konnte vom Dachgarten aus Marlene Dietrich in die Fenster schauen."

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Marlene Dietrich und Spencer Tracy in "Das Urteil von Nürnberg" (1961) Riefenstahl schildert dieses Treffen Ende der 20er Jahre in einem Berliner Künstlerlokal: "Mir fiel ihre tiefe und raue Stimme auf, die eine Spur ordinär wirkte und aufreizend war."

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Leni Riefenstahl am Mischpult, als sie an dem Film über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin arbeitete (1938) Angeblich sei die Dietrich auf sie eifersüchtig gewesen.

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Marlene Dietrich 1968 in New York Leni Reifenstahl versteigt sich sogar zu der Behauptung, der Regisseur Josef von Sternberg habe sich nicht entscheiden können, ob er sie oder Marlene mit nach Hollywood nehmen sollte.

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Leni Riefenstahl 2002 Als Riefenstahls Memoiren 1987 in einem Vorabdruck in der Bunten erschienen, reagierte Marlene Dietrich darauf aus ihrer Pariser Matratzengruft mit einem erbosten Leserbrief. Nein, die beiden Frauen wurden auf ihre alten Tage keine Freundinnen mehr.

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Marlene Dietrich 1972 "Dietrich & Riefenstahl – Der Traum von der neuen Frau"
Karin Wieland
Hanser Verlag

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Marlene Dietrich in dem Film "Der Blaue Engel" 1930
(apa/dpa / moe) Erstellt am
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