Zendaya trifft auf Robert Pattinson: Kennen wir uns?
Risse in der Fassade des Glücks: Robert Pattinson und Zendaya wollen heiraten in „Das Drama – Noch mal auf Anfang“.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet, das wusste schon Friedrich Schiller. Aber wie viel von der eigenen Vergangenheit sollte man vor der Eheschließung preisgeben?
Emma und Charlie sind verliebt und planen ihre Hochzeit. Nur noch wenige Tage bis zum freudigen Ereignis. Ihr bisher größtes Problem: Soll das Pilzrisotto mit auf den Speiseplan?
Gemeinsam mit ihren Trauzeugen Mike und Rachel kosten sie sich durch Menü und Weinkarte. Im Handumdrehen sind die beiden Paare beschwipst und starten eines jener besoffenen Trinkspiele, die man am nächsten Tag bitter bereut: Was war das Schlimmste, was du je gemacht hast? Nach und nach rücken alle mit der Sprache heraus und berichten von beschämenden Taten. Schließlich ist die Braut an der Reihe und gesteht eine Gewaltfantasie, die – beinahe! – Gestalt angenommen hätte. Ausgeführt wurde sie nicht, aber der Rest der Runde ist schockiert. Denn das, was Emma im Schilde hatte, entspringt einer gestörten Psyche. Und obwohl sie beteuert, dass sie sich mittlerweile längst zu einer anderen Person entwickelte, starren sie alle entsetzt an. Aus der romantischen Komödie wird plötzlich ein Psycho-Thriller.
Der norwegische Regisseur Kristoffer Borgli fiel bereits mit der schwarzen Beziehungskomödie „Sick of Myself“ auf, ehe er Nicolas Cage in der surrealen Mediensatire „Dream Scenario“ durch Albträume schickte. „Das Drama“ etabliert ihn nun dank seines provokanten Drehbuchs und des charismatischen Star-Duos Zendaya und Robert Pattinson mitten im Mainstream-Kino.
Psychopathin
Mit scharfer Klinge kratzt Borgli an der Oberfläche einer gepflegten Bürgerlichkeit, die in einer teuren Hochzeit ihren vorläufigen Höhepunkt finden soll. Doch nach Emmas Geständnis zeigen sich Risse in den polierten Fassaden. Hässliche Züge kommen zum Vorschein, auch bei jenen, die in ehrlicher Empörung reagieren. Vor allem Rachel (herrlich selbstgerecht: Alana Haim) treibt wütend ihren Keil in die Freundschaft.
Charlie sieht seine Braut ebenfalls mit anderen Augen. Ist er im Begriff, eine Psychopathin zu heiraten? Als sie zufällig mit dem Küchenmesser zur Tür hereinkommt, zuckt er nervös zusammen. Fetzen von irritierenden Bildern aus Emmas schwieriger Schulzeit blitzen auf. Atonale Musik auf der Tonspur sorgt für beunruhigende Stimmung.
Dann wiederum kippt das Beziehungsdrama ins Komödienfach. Beim Foto-Shooting vor der Hochzeit wird das Brautpaar angehalten, sein Glück in die Kamera zu strahlen – und grinst gequält.
Gequältes Grinsen: Robert Pattinson und Zendaya in "Das Drama - Noch mal auf Anfang".
Robert Pattinson nuanciert sein nervöses Spiel als verunsicherter Charlie zwischen verhuschter Schönheit und gequälter Demut. Zendaya lässt hinter ihrer verletzlichen Coolness cholerische Seiten durchblicken und brüllt schon mal Passanten nieder.
Außenseiter
Mit dem süffisanten Blick des Außenseiters nimmt Borgli die amerikanische Faszination für Spektakel- und Gewaltkultur ins Visier. Genüsslich zerlegt er die aufgeblasene Hochzeitszeremonie ebenso wie die moralische Überlegenheit einer Gesellschaft, die mehr Waffen aufzuweisen hat als Einwohner.
Alana Haim als bösartige Brautjungfer: "Das Drama - Noch mal auf Anfang".
Ähnlich wie sein skandinavischer Kollege Ruben Östlund stellt er die zivilisatorischen Fähigkeiten seiner Protagonisten in einer zugespitzten Sittenkomödie auf die Probe. Das Vergnügen beim Zusehen liegt darin, sich selbst zu befragen: Finde ich das arg? Würde ich auch so reagieren?
„Sie schafft es immer, mein Drama in eine Komödie zu verwandeln“, sagt Charlie einmal über seine Freundin. Tatsächlich erweist sich gerade Emmas Lust am Rollenspiel als Rettungsring für die angeschlagene Beziehung: „Kennen wir uns?“, fragt sie am Ende eines langen Tages ihren zerstörten Charlie. „Sie kommen mir so bekannt vor.“
INFO: USA 2026. 106 Min. Von Kristoffer Borgli. Mit Zendaya, Robert Pattinson.
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