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Umwerfend wie ein Body Slam: Joey Goebels Wrestling-Roman "Sunset Flip"

Wrestling ist mehr als nur ein Showkampf. Joey Goebels Roman dreht sich um den Star "The Aug" und fragt: Was ist Rolle, was ist Realität?
Wrestling-Szene aus den 90ern. Superman greift aus der Luft an Blondie scheint beeindruckt

Wrestling ist großes Theater. Donnernde Musik, grelle Lichter. Menschen, die scheinbar schwerelos durch die Luft fliegen. Gut gegen Böse. Und ein Publikum, das schon vor den Kämpfen von den wilden Storys aufgeganselt ist.

Dass Wrestling in den USA weit über den Ring hinauswirkt, zeigte sich auch daran, wie Prominente diese Bühne nutzten. Donald Trump rasierte 2007 noch als Unternehmer dem Wrestling-Boss Vince McMahon im Ring den Kopf. Die Lust an der Überzeichnung, an der Inszenierung zwischen Realität und Rolle, ist Teil der DNA dieses Spektakels.

Wie gefährlich ist es im Ring?

Genau in diesem Spannungsfeld setzt Joey Goebels neuer Roman „Sunset Flip an. Er handelt von einer Branche ein, in der man nie ganz weiß: Hassen sich die Protagonisten wirklich – oder nur im Drehbuch? Wie vorgegeben ist das Geschehen im Ring eigentlich? Wie gefährlich sind die Kämpfe tatsächlich?

Ein Mann mit dunklem Haar trägt ein weißes Hemd und ein dunkles Sakko vor einem grünen Hintergrund mit Fischgrätenmuster.

Der Autor Joey Goebel ist selbst großer Wrestling-Fan.

Im Zentrum steht Auggie Schmuck, ein schüchterner Mann aus einfachsten Verhältnissen mit großen (amerikanischen) Träumen und noch größeren Selbstzweifeln. Eigentlich sieht er sich als Schauspieler, Hollywood ist das Ziel. Wrestling ist für ihn zunächst nur eine Zwischenstation.

Der Champ bleibt

Auggie kämpft als shakespearehafte Figur Lord Augustine, der sich im Rüschenhemd über das Hillbilly-Publikum lustig macht, und wandelt sich zu The Aug: einem Champion, der seine Gegner nieder-, aber auch öffentlich mit seinen Gefühlen ringt. Doch wenn der Ringgong ertönt, bleibt The Aug immer öfter da und verdrängt Auggie. Das hat Folgen, die für seine Liebe und den Beruf problematisch werden.

Goebel erzählt das sehr unterhaltsam und kurzweilig. Alles steuert auf einen Endkampf zu, der es in sich hat. „Sunset Flip“ ist so fesselnd wie ein Bear Hug und umwerfend wie ein Body Slam.

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Joey Goebel: „Sunset Flip“, Diogenes. 384 Seiten. 26,80 Euro

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