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Festwochen-Eröffnung: Bitte alle ernst bleiben, jetzt kommt der Esoteriker

Am Heldenplatz stand ein musikalisches Vielerlei auf dem Programm, das verspätet im Fernsehen zu sehen war.
Eröffnung der Wiener Festwochen.

„Spürst es schon?“, fragte ein freundlicher Mann am Heldenplatz seine Begleitung.

Sie lachte.

Zum Glück! Denn sonst war das Publikum der Festwocheneröffnung fügsamst: Als der kroatische Esoteriker Braco seinen „gebenden Blick“ über die Menschen und den Pferdehintern, den das Erzherzog-Karl-Denkmal der Bühne zeigte, schweifen ließ, waren alle wunschgemäß ruhig, obwohl man durchaus lachen hätte können. 

Braco gestaltete mit seinem Blick ein „kleines Denkmal der Menschlichkeit“, sagte Festwochenchef Milo Rau, auch da lachte keiner. Vielleicht darf man das auch nicht in der „Republic of Gods“, die am Heldenplatz eingeläutet wurde; so ist nämlich das Motto der heurigen Ausgabe (der ORF übertrug die Eröffnung live-sehr zeitversetzt).

Eröffnung der Wiener Festwochen.

Bei der Eröffnung am Freitagabend lernte man, dass es eigentlich um Goddesses geht, also Göttinnen. Man brauche da nämlich Neue, die vereinen und nicht trennen, sagte Rau mit Blick auf die Kriege in aller Welt.

Patti Smith, bekannte Proponentin der Israelboykottbewegung in der Kultur, widmete denn auch gleich den zweiten Song ihres Auftritts den Kindern Palästinas, aus dem Libanon, dem Irak und „überall sonst“ (damit waren dann offenbar die Ukraine oder die israelischen Opfer des Hamas-Angriffs mitgemeint). Die Göttinnen sind offenbar nicht gleich verteilt. Smith spielte „Because the Night“ und „People Have The Power“, und das Publikum stimmte zu.

„Seid’s froh“

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, die gleich nach Smith („eine meiner musikalischen Heldinnen“) reden musste, lobte die viele Kultur in Wien, auch den Song Contest, was im Publikum Widerspruch auslöste. „Wir haben ihn hinter uns, seid’s doch froh“, sagte Kaup-Hasler ins Publikum. Die lange und speziell unrühmliche Geschichte des Heldenplatzes sollte bei der Eröffnung der 75. Wiener Festwochen auch eine Rolle spielen: „Die Festwochen sind von ihrer Power her dazu fähig, diesen Platz neu zu definieren“, sagte Martin Traxl, TV-Kulturchef des ORF, im Vorfeld. Es gelte, den geschichtlich belasteten Ort mit Kultur zurückzuerobern.

Das versuchte man mit Fantasiefahnen schwingenden Cheerleadern der Gottesrepublik auf den Seiten der Bühne; darauf traten u. a. das burgenländische Indie-Rock-Duo Cari Cari, die ukrainische Sängerin Marichka Shtyrbulova und die norwegische Black-Metal-Formation Witch Club Satan an. Letztere waren so, wie sie heißen.

Lara Hulo besang, warum auch immer, die Berliner Luft. Hänsel wiederum bot eine Lederhosen-Schuhplattler-Techno-Version des „Gloria in excelsis Deo“ an.

Eröffnung der Wiener Festwochen.

Es gehe nicht nur darum, „ein bisschen Musik zu konsumieren und damit nach Hause zu gehen“, meinte Rau zuvor. Sondern darum, „dass wir das Volk sind, wir können Kriege anfangen und beenden. Am Heldenplatz wurden Kriege ja begonnen, aber auch dagegen demonstriert.“ Gegen Ende rief man dann gemeinsam „no war“ und „freedom“, bevor sich die ukrainischen Musikerinnen für die Solidarität bedankten. Dann gingen alle nach Hause.

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