Patti Smith in Wien: Und immer wieder schlüpfen die Schmetterlinge
Als sie vor 50 Jahren ihr allererstes Wien-Konzert gab, erinnerte sich Patti Smith, sei der Rahmen (im Wiener Konzerthaus) noch ein sehr formaler gewesen: „Die Damen trugen Handschuhe! Ich bin dann zu ihnen runtergegangen und habe Party gemacht.“
Inzwischen hat Wien jegliche Berührungsangst abgelegt: Die New Yorker Sängerin und Dichterin, 2019 auch mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst geehrt, wird bei jedem ihrer Besuche rückhaltlos geliebt und umarmt. So auch beim ersten von insgesamt drei Wien-Auftritten, den die 79-Jährige am Dienstag mit ihrer Band im Wiener Theater Akzent bestritt (weitere Termine siehe Kasten).
- Am Donnerstag 21. 5. tritt Patti Smith mit Band in der Wiener Arena auf (ausverkauft).
- Am Freitag (21.20) ist sie Teil der Festwochen-Eröffnung am Heldenplatz.
- ORF 2 überträgt live/zeitversetzt ab 22.35 Uhr.
Der „Abend mit Patti Smith“ erfand das Format, mit dem die in der Punk-Ära der 1970er-Jahre Jahre zu Ruhm gekommene Smith tourt, keineswegs neu: Mit Konzertflügel und Akustikgitarren etwas mehr auf „Unplugged“ getrimmt, durchstreifte die begnadete Interpretation eigener und fremder Songs ihren Kosmos.
Pattis Welt
In diesem hängt alles zusammen, kehrt Beständiges in wechselnden Formen wieder: Der Dichter und Maler William Blake (1759–1827), den Smith beim Konzert mit dem Song „My Blakean Year“ würdigte, ist ihr ebenso ein ständiger Begleiter wie Arthur Rimbaud, die Beat-Poeten oder Doors-Sänger Jim Morrison.
Dessen Geist schwebte gleich über zwei atmosphärisch intensiv dargebrachten Songs. Zur Entstehung von „Break It Up“ erzählte Smith dazu die Anekdote, dass ihr Morrison einst im Traum erschienen sei: Im Inneren einer Skulptur gefangen, habe er die Hülle durchbrochen („I saw the boy crawl out of his skin...“) und sei weggeflogen.
Die Idee, dass Schönheit und Poesie wie ein Schmetterling immer wieder neu entsteht, lässt sich auf Smiths gesamtes Tun umlegen. Denn bei aller Reverenz an das Vergangene präsentiert sie keine leeren Kokons, sondern füllt sie mit Leben und frischen Zellen. Diesmal war es ein Cover des Songs „Work“ der 33-jährigen Kanadierin Charlotte Day Wilson, den Smith überzeugend für sich adaptierte und „der Gewerkschaft“ widmete.
Darüber hinaus blieben die Polit-Botschaften verhalten, der Song „Peaceable Kingdom“ am Ende war nicht mehr nur den Kindern Palästinas gewidmet, sondern „allen Kindern, die leiden“. Und so siegte das Vereinende über das Trennende.
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