Wie man in Österreich zu Spitzenjobs kommt

Ein Antrag an das (fiktive) Kulturamt bezüglich der Übernahme der Intendanz bei den Salzburger Festspielen durch Karin Bergmann.
Ein Schreibtisch mit Aktenordnern, einem Stempel, einer Kaffeetasse und abgelehnten Dokumenten, über dem ein Paragraphenzeichen an einem Spinnenfaden hängt.

Sehr geehrtes Kulturamt!

Also, ich kenne mich nicht mehr aus. Markus Hinterhäuser wollte Karin Bergmann als Schauspielchefin bei den Salzburger Festspielen einsetzen. Daraufhin musste er gehen. Jetzt folgt ihm Karin Bergmann als Intendantin und sagt mehr oder weniger offen, sie wisse nicht, wie ihr geschieht. Da man nun also doch ohne Ausschreibung und Bewerbung in eine solche Funktion kommen kann und Karin Bergmann als Beste für heikle Fälle wie früher das Burgtheater und heute die Salzburger Festspiele erachtet wird, beantrage ich bei Ihnen, dass sie diese Funktion auf Lebenszeit behält. Das wäre auch für das Kuratorium ideal, das sich dann nicht mehr um so komplexe und überfordernde Dinge kümmern muss.

Glückauf, W. H.

***

Sehr geehrter W. H.,

vielen Dank für Ihr Schreiben, aus dem wir durchaus große Kenntnis der Vorgänge im Salzburger Welttheater lesen, sowie für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 13/2026). Als präziser Beobachter der Festspiel-Skurrilitäten, die man besser nicht erfinden könnte, werden Sie jedoch nicht verwundert sein, dass wir mit einer Ablehnung zu reagieren uns genötigt sehen. Frau Bergmann hat sofort klargestellt, dass sie kein Interesse hat, über das Jahr 2027 hinaus in dieser Funktion zu verweilen. Und dass sie die kommenden Festspiele im Sinne Hinterhäusers abzuwickeln gewillt sei, ohne sich allzu sehr selbst verwirklichen zu wollen.

Wir im Kulturamt haben die Entscheidung pro Bergmann jedenfalls als überraschend empfunden und sind froh darüber, dass die offenbar zuvor angefragte Cecilia Bartoli abgewinkt haben dürfte. Das spricht für die Intelligenz von Frau Bartoli, die mangels Erfahrung als Saniererin nur verlieren hätte können.

Ebenso spricht es für Frau Bergmann, dass sie dazu bereit war, weil es in dieser Krisensituation wohl keine Bessere gegeben hätte. Sie vereint Kunstverständnis mit Managementqualitäten und Erfahrung. Der einzige Grund, den Job nicht anzutreten, wären Loyalität zu bzw. Solidarität mit Markus Hinterhäuser gewesen – sie ist ja offenkundig selbst der Ansicht, dass vieles dubios zugegangen sei. Sie bekundet dies nun aber mit lobenden Worten für seine Intendanz und Unverständnis für die Vorgangsweise. Dass sie offensiver Aufklärung in Aussicht stellen hätte müssen, wollen wir nicht bestreiten. Sie haben jedoch, werter W. H., recht mit Ihrer Spitze gegen das Kuratorium: Wie all das (Absetzung, Kommunikation, Inthronisation) abgehandelt wurde, war in hohem Maße provinziell.

Kommentare