"Widow's Bay" auf AppleTV: Lachen und gruseln auf der Horror-Insel

In der Serie „Widow’s Bay“ will ein Bürgermeister eine verfluchte Insel zum Touristen-Hotspot machen.
Ein Mann im Sakko steht lächelnd vor einem alten Holzhaus, im Hintergrund gehen weitere Personen vorbei.

Gerade hat sich der Mann auf dem Boot in der neuen AppleTV-Serie „Widow’s Bay“ noch am Funkgerät mit seinem Freund relativ ungläubig darüber ausgetauscht, dass seine Frau sich möglicherweise von ihm trennen will, da hat sich das Problem für die Frau wohl schon von selbst gelöst. Und man weiß nebenbei auch, warum die kleine, nicht sehr heimelige, aber titelgebende Insel Widow’s Bay heißt – nämlich zu Deutsch Witwenbucht. Denn Shep ist verschollen – also erstmal. Die Bevölkerung an Land hat es gleichzeitig mit einem Erdbeben zu tun, das die Stromversorgung beeinträchtigt.

Jetzt muss man sagen, Elektrizität ist eine der wenigen Errungenschaften der modernen Technik, die es auf Widow’s Bay geschafft hat. WLan zum Beispiel gibt es nicht und Handynetz nur fallweise.

Her mit den Touristen

Das will Bürgermeister Tom Loftis ändern. Er will die ganze Insel auf Vordermann bringen und dazu soll der Tourismus angekurbelt werden. Deshalb hat er einen Journalisten der New York Times eingeladen. Jetzt direkt nach dem Erdbeben ist ihm das zwar nicht so recht, aber der Mann steht halt nun mal schon im örtlichen historischen Museum. Dort sind geschichtliche Meilensteine in gerahmten Zeitungsartikeln festgehalten, wie „Toter Mann von Pferd gefunden“. Oder die Sache mit dem Kannibalismus – die Loftis erst abstreitet, bis ihm der Reporter seelenruhig den Artikel direkt hinter ihm zeigt. Das ist nicht das Einzige, was Loftis dem New Yorker lieber verschwiegen hätte – bzw. was er gerne hätte, das ihm die Inselbewohner nicht erzählen.

Es ist was im Nebel

Die nämlich sind fest davon überzeugt, dass Widow’s Bay verflucht ist. Also mit allem Drum und Dran: Wer auf der Insel geboren ist, kann sie angeblich nicht verlassen. Beim alten Krankenhaus soll man nicht vorbeifahren, oder wie eine Frau präzisiert: „Man kann schon vorbeifahren, man soll nur nicht anhalten“. Der Nebel, der gerade aufkommt, bringt einen angeblich qualvoll um, vorher bekommt man noch Erektionsprobleme. Nicht nur hier merkt man: „Widow’s Bay“ ist ein Vertreter der Horror-Comedy.

Die Komik entsteht auf vielen Ebenen, unter anderem hat Loftis mehrere Sekretärinnen, aber keine davon ist brauchbar (Nickerchen um 11 Uhr). Auch sonst sind die Einwohner von bestechender Skurrilität. Der Bürgermeister wird gespielt von Matthew Rhys, der das perfekte Serienkillergesicht hätte – aber der einzige ist, der auf einem „normalen“ Leben beharrt. „Widow’s Bay“ zitiert aus allen möglichen Gruselecken der Popkulturgeschichte, aber nicht so penetrant wie etwa „Scary Movie“. Was nicht heißt, dass man vor Schreckmomenten gefeit ist. 

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