Volkstheater in den Bezirken: Schultheater über einen Trauermarsch
Spielen auch Chopin: Claudia Kottal und Augustin Grosz
Ein musikaffines Publikum verbindet mit Chopins Klaviersonate in b-Moll, op. 35 – das ist die mit dem Trauermarsch – Pianisten wie Jewgenij Kissin oder Maurizio Pollini. Dem Regieduo Lina Majdalanie & Rabih Mroué geht es in seiner Produktion „Das tragische Schicksal der Sonate Nr. 2“, die das Volkstheater in den Bezirken in Koproduktion mit den Festwochen zur Uraufführung brachte, nicht um Virtuosen, nicht um die Macht der Musik, sondern um Macht und Musik. Den Anstoß gab die Fernsehübertragung der Begräbnisfeierlichkeiten des Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah. Als sie den Marche funèbre hörten, konnten sie das gar nicht glauben. Ausgerechnet die Hisbollah, die Musik verboten hat, spielte Chopin.
Das klingt spannend, der etwas mehr als 60 Minuten dauernde Abend hält jedoch nicht, was der Ruf der Theaterleute versprochen hat. Der Text wirkt eher so, als wäre er nach dem Muster „Nachrichten in einfacher Sprache“ gefertigt worden oder nach einem Dialog mit ChatGPT über den Einsatz von Chopins Trauermarsch bei Staatsbegräbnissen (u. a. von Tito, Kennedy und Stalin). Gegen eine Vermischung von Fakten und Fiktion ist nichts einzuwenden, aber dass man Fakten so dreht, wie man sie braucht, muss nicht sein. Etwa, dass behauptet wird, man könne nicht einmal im Internet finden, für wen Chopin diesen Trauermarsch geschrieben hat. Wer dessen Lebensgeschichte gar nicht kennt, kann nachlesen, dass dieser Trauermarsch nach der gescheiterten Verlobung mit Maria Wodzińska entstanden ist.
Claudia Kottal und Augustin Grosz stellen die Regisseure, die Figuren im Stück und sich selbst dar. Dass Kottal auf einem E-Piano Chopin spielt und Grosz ein paar Takte auf dem Cello, gibt der Produktion etwas von einer biederen Schultheateraufführung, die sich strikte Harmlosigkeit auferlegt hat.
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