Ließ Ende März in der Volksoper vorsingen: Lotte de Beer, die Direktorin ab dem Herbst 2022

© Kurier/Juerg Christandl

Kultur
05/18/2021

Volksoper hat reagiert: Sozialplan für Künstler, die gehen müssen

Die designierte Direktorin Lotte de Beer trennt sich von vielen Sängern und Darstellern. Man spricht von Altersdiskriminierung

von Thomas Trenkler

Lotte de Beer, Volksoperndirektorin ab dem Herbst 2022, zog sich viel Unmut zu. Denn sie veranstaltete, wie berichtet, Ende März vier Tage lang Auditions. Sie hatte sich zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme entschlossen, weil sie die Sänger und Darsteller aufgrund des Lockdowns nicht in Vorstellungen sehen konnte, aber den Ensemblemitgliedern möglichst viel Zeit für eine allfällige Umorientierung zugestehen wollte.

Ihre Kritiker fanden die Vorgangsweise aber unfair. Denn man sei seit einem Jahr nicht mehr aufgetreten, könne daher die verlangten Spitzenleistungen nicht erbringen. Der Betriebsrat gab jedoch sein Okay. Schließlich hatten ja alle Künstler die gleich schlechten Voraussetzungen.

 

Einige Ensemblemitglieder sind aufgrund jahrzehntealter Zugehörigkeit zur Volksoper unkündbar, fünf gehen in Pension. Laut einem enttäuschten Sänger, der sich über einen Rechtsanwalt an den KURIER wandte, sei über die Zukunft von 46 Personen entschieden worden: Lotte de Beer hätte lediglich die Verträge von 13 Personen verlängert – und lasse jene von 33 Personen auslaufen. Mithin seien die Verträge von mehr als 50 Prozent des Ensembles nicht verlängert worden.

Die Volksoper widerspricht auf Nachfrage: 25 Jahresverträge seien verlängert – und nur 14 nicht verlängert worden. Allerdings handelt es sich dabei um eine beschönigende Darstellung. Denn 15 Personen „bekommen konkrete Vertragsvorschläge für Residenzverträge oder Gastverträge, sobald der Spielplan für die Saison 2022/23 konkretisiert ist“. Sie sind also nicht das ganze Jahr über im Ensemble, sondern nur für einen Zeitraum – oder für ausgewählte Produktionen. Und die Zahl der nichtverlängerten Verträge kann sich erhöhen: „Fünf Entscheidungen sind noch offen.“

Abschlagszahlung

Angeblich sollen von jenen, deren Verträge im Sommer 2022 auslaufen, 15 Personen über 55 Jahre alt sein. Man spricht daher von Altersdiskriminierung. Auf die schriftliche Frage des KURIER, ob diese Zahlen der Tatsache entsprechen, antwortete Christoph Ladstätter, der kaufmännische Geschäftsführer, nicht. Er übermittelte aber ein Statement: „Die Gewerkschaft ist mit dem Ersuchen an die designierte Direktion herangetreten, einen Sozialplan auszuarbeiten. Die designierte Direktion hat diesem Ersuchen zugestimmt.“

Der Betriebsrat habe nach Gesprächen mit den Betroffenen einen konkreten Sozialplan vorgelegt, der in Absprache mit der Bundestheater-Holding angenommen wurde: „Die Mehrheit ist dem Sozialplan beigetreten. Mit ihnen wurde eine Vereinbarung abgeschlossen. Der Sozialplan besteht aus einer einmaligen finanziellen Abschlagszahlung.“ 

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