Verdi im Musikverein: Himmlische Stimmen, infernalische Exzesse
Aufführungen von Verdis „Messa da Requiem“ generieren von sich aus eine elektrisierende Atmosphäre. Eine Sängerbesetzung, wie beim Gastspiel der Sächsischen Staatskapelle Dresden mit deren Chefdirigenten Daniele Gatti im Musikverein, steigert diese noch. Zurecht, wenn etwa Elīna Garanča das „Liber scriptus“ mit ihrem einzigartigen, klaren Mezzosopran anhebt. Die Farben dieser Stimme sind an Strahlkraft nicht zu übertreffen.
Oder, wenn Eleonora Buratto die Dramatik ihres Soprans entfaltet. Die Stimmen dieser beiden Sängerinnen harmonieren im Agnus Dei exzellent.
Oder, wenn Benjamin Bernheim mit seiner tief ins Herz gehenden Tenorstimme das „Ingemisco“ fleht. Bass Riccardo Zanellato ließ sich als erkältet ansagen.
Die zentrale Rolle kommt bei diesem Werk dem Chor zu. Der Wiener Singverein erfüllt diese mit Bravour, stemmt sich gegen die Fluten, die Gatti in einem oft übertriebenen Fortissimo generierte. Die himmlisch tönenden Stimmen der Solisten und im Chor standen infernalischen musikalischen Exzessen gegenüber. Das Sanctus geriet zu einer Art rustikalem Volksfest. Der Hang zu dieser oft in banale Brutalität überschwappenden Lesart konnte den sängerischen Leistungen nichts anhaben. Ovationen.
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