Traumjob Intendant? Gerade eher nicht

Salzburger Festspiele: Cecilia Bartoli, Chefin der Pfingstfestspiele, ist nun wohl die wahrscheinlichste Variante für die interimistische Leitung.
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Für diesen Sommer hatte Markus Hinterhäuser ein künstlerisch besonders vielversprechendes Programm geplant: „Carmen“ mit dem Debüt von Asmik Grigorian in der Titelrolle, „Ariadne auf Naxos“, „Saint François d’Assise“, „Così fan tutte“, dazu im Schauspielbereich Uraufführungen von Elfriede Jelinek und Peter Handke. Nun brauchen die Festspiele dringendst eine Interimsleitung, die all das zur Durchführung bringt und für die kommenden ein, zwei Saisonen Leerstellen füllt. Dies unabhängig von der Ausschreibung einer regulären Intendanz, die im Normalfall drei Jahre Vorbereitungszeit benötigt.

Aber wer könnte so kurzfristig einspringen? Wer tut sich das in dieser chaotischen Situation (kein Intendant, keine Schauspielchefin, Unsicherheit bezüglich der Präsidentin, viele offene Fragen beim geplanten Umbau, politisches Kuratel) an?

Traumjob Festspielchef? Im Moment nicht wirklich.

Die Optionen:

Cecilia Bartoli: Die Chefin der Pfingstfestspiele (die zu den Festspielen gehören) und Direktorin der Oper von Monte-Carlo kennt Salzburg gut, kann mit allen Beteiligten interagieren, ist sehr beliebt – die Dimension der Salzburger Festspiele ist aber doch eine gewaltige. Taugt sie zur Krisenmanagerin? Das Risiko ist ihr sicher auch selbst bewusst.

Chancen: Vier von fünf Sternen

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Nikolaus Bachler: Der Intendant der Osterfestspiele, die am heutigen Freitag mit „Das Rheingold“ die Rückkehr der Berliner Philharmoniker feiern, kennt Salzburg ebenfalls gut. Er hat riesige Kulturtanker erfolgreich navigiert, die Wiener Festwochen, die Volksoper, das Burgtheater, die Bayerische Staatsoper München – und wäre zweifellos geeignet. Ob er sich das aber antäte, noch dazu als Interimslösung, ist eher fraglich.

Chancen: Zweieinhalb Sterne

PK WIENER PHILHARMONIKER "NEUJAHRSKONZERT 2023?: WELSER-MÖST

Franz Welser-Möst: Wann immer ein musikalischer Kulturposten in Österreich besetzt wird, fällt der Name des Dirigenten. Im KURIER-Interview hatte er die nun existierende Möglichkeit ausgeschlossen.

Chancen: Null Sterne

Dominique Meyer: Der Ex-Direktor der Wiener Staatsoper und der Mailänder Scala hat zwar in Lausanne einen Job bei einem Orchester, wäre für Salzburg aber bestimmt zu Gesprächen bereit und ist in Österreich nach wie vor gut vernetzt.

Chancen: Drei Sterne

Christoph Lieben-Seutter: Der ehemalige Wiener Konzerthaus-Chef und Leiter der Elbphilharmonie wäre managementmäßig sicher dazu befähigt. Für eine so kurze Amtszeit würde er seinen Job im Hamburg aber bestimmt nicht aufgeben.

Chancen: Ein Stern

Rolando Villazón: Er ist künstlerischer Leiter der Mozartwoche in Salzburg. Für ihn gelten dieselben Vorbehalte wie bei Bartoli – und noch größere, weil er im Gegensatz zu seiner Sängerkollegin bei einem anderen Festival unter Vertrag ist.

Chancen: Ein halber Stern

Wer könnte danach übernehmen, wenn es um eine längerfristige Intendanz geht? Sophie de Lint (Intendantin in Amsterdam), Serge Dorny (München), Viktor Schoner (Stuttgart), Matthias Schulz (Zürich), dazu ein Teil der oben Genannten. Auch Elisabeth Sobotka (Staatsoper Berlin) wurde kolportiert – ihre Performance in Bregenz galt jedoch als durchwachsen. Interesse wurde Matthias Naske (Konzerthaus) nachgesagt, er meinte aber im KURIER, dass er seine Zukunft in Wien sieht.

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