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Zwei tödliche Frauenschicksale bei den Tiroler Festspielen Erl

Die Kombination von „Cleopâtre“ von Hector Berlioz und „Suor Angelica“ von Giacomo Puccini wurde bei der Eröffnung der Tiroler Festspiele in Erl umjubelt.
Zwei Frauen auf einer spärlichen Bühne, eine stützt die andere bewusstlos oder schwach auf einer Liege.

Von Helmut Christian Mayer

Klaustrophobisch wirkt der winzige Raum auf der riesigen Bühne. Es ist ein schäbiger, feuchter Betonbunker, nur mit einem Steinbett in der Mitte.

In diesem trostlosen und beklemmenden Ambiente (Ausstattung in beiden Fällen: Anthony McDonald) ereignen sich die letzten Minuten des Lebens der ägyptischen Königin nach dem, von ihr bewusst herbeigeführten, tödlichen Biss der Giftschlange. Eindrucksvoll musikalisch werden diese in dem Monolog „Cléopâtre“ geschildert. Es ist eine Kantate des damals erst 26-jährigen Hector Berlioz, die dieser zum Wettbewerb „Prix de Rome“ eingereicht hat.

Sie gilt als eine der eindrucksvollsten seiner Kompositionen, wird jedoch seltsamerweise kaum aufgeführt. Jetzt wurde das knapp 25-minütige Stück bei den Tiroler Festspielen in Erl aufgeführt. Veronique Gens singt die hin- und hergerissene Titelfigur mit großem dramatischem Ausdruck, eindrucksvoll und mit sehr innigen Gefühlen. Ihr langes Sterben wird nur von zwei stummen Dienerinnen begleitet.

Nach der klaustrophobischen Enge öffnet sich im zweiten Teil des Abends der Raum weit in eine unerbittliche Klosterwelt: Mehrere Nonnen in weißen Gewändern liegen anfänglich pittoresk ausgestreckt am Boden. Dunkle Schränke und Tische werden hereingeschoben und reihen sich aneinander.

Zwei Frauen in historischer Nonnenkleidung stehen vor schwarzem Hintergrund, wobei eine eine brennende Kerze hält und die andere kniet.

Alltag voll Disziplin

Hier verrichten die Nonnen in abgetragenen Leinengewändern aber in Würde diverse Handarbeiten. Miniaturen werden gemalt, Manuskripte illuminiert. Beschrieben wird ein stereotyper Alltag voller Disziplin und kontrollierter Arbeit: So präsentiert sich Giacomo Puccinis „Suor Angelica“, der mittlere Teil aus dem „Il trittico“, das in einem toskanischen Kloster im 17. Jahrhundert spielt und die tragische Geschichte der Ordensschwester Angelica erzählt.

In diese geschlossene Ordnung bricht ihre Tante ein und berichtet ihr vom Tod ihres Kindes. Wodurch sich Angelica mit einer giftigen Pflanze selbstmörderisch tötet. Die zwei Todesgeschichten, die eine endet in Verzweiflung, die andere in Transzendenz werden in der Inszenierung von Deborah Warner ohne Firlefanz verständlich mit der richtigen szenischen Dosis, hochemotional ergreifend gezeigt.

Hochemotional

Besonders nahegehend ist die finale Szene, wenn das tot geglaubte Kind als Vision hereinläuft, seine Mutter Angelica umschlingt und diese dann in dessen Armen stirbt. Corinne Winters ist sängerisch und darstellerisch eine hervorragende, hochemotionale Angelica mit ungefährdeten Höhen und reichen Nuancen.

Alice Coote spielt ihre Gegenspielerin und Tante kalt abweisend und bösartig hart und singt sie mit kernigem Mezzo. Von den vielen anderen Klosterschwestern – die Oper kommt ja gänzlich ohne männliche Protagonisten aus –, die alle exzellent singen, ist besonders die Äbtissin der Elena Zilio hervorzuheben.

Der Kinderchor der Schule für Chorkunst München und der Chor der Festspiele singen tadellos. Im gut disponierten Orchester der Tiroler Festspiele unter Edward Gardner erlebt man in beiden Fällen schattierungs- und stimmungsreiche Detailzeichnungen, reiche Gefühle und aufregende Spannung.

Stehende Ovationen!

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