Timothée Chalamet – ein Glücksfall für Oper und Ballett

Der Filmstar hat in einem Gespräch mit Matthew McConaughey gemeint, niemand interessiere sich mehr für diese Kunstformen. Ja darf er das?
Ein Schreibtisch mit Aktenordnern, einem Stempel, einer Kaffeetasse und abgelehnten Dokumenten, über dem ein Paragraphenzeichen an einem Spinnenfaden hängt.

Sehr geehrtes Kulturamt!

Ich kann mir ja nicht vorstellen, dass die Oscar-Verleihung auch nur annähernd in Ihrem Einflussbereich liegt. Dennoch möchte ich noch vor der Gala einen Antrag einbringen: Erteilen Sie diesem Lümmel von Timothée Chalamet einen Rüffel für den Unsinn, den er über Oper und Ballett verzapft hat. Er möchte dort nicht arbeiten, hat er gesagt – soll sein. Aber dass man Oper und Ballett am Leben erhalte, obwohl sich niemand dafür interessiert, ist zu frech. Ich hoffe, dass er für „Marty Supreme“ keinen Oscar kriegt. Wer interessiert sich schon für Ping Pong?

Mit empörten Grüßen, S. H.

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Sehr geehrter S. H.

vielen Dank für Ihr Schreiben und für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir gerne bestätigen (Geschäftszahl 09/2026). Wir haben durchaus Verständnis für Ihre Empörung, neigen aber dennoch zur Ablehnung Ihres Begehrs. Dies darob, weil wir Herrn Chalamets Äußerungen für einen PR-mäßigen Glücksfall für das internationale Opernwesen halten, das seit Bekanntwerden seiner Ignoranz so präsent in der sozialmedialen Öffentlichkeit ist wie nie zuvor.

Viele Opernhäuser haben diesen aufgelegten Elfmeter genützt, um sich über den Schauspieler lustig zu machen, sie haben ihn in ein Ballett-Tutu gesteckt oder zu einer Aufführung eingeladen. Die Verwunderung über die aus dem Nichts kommende Breitseite eines Opern-Ablehners war also der Kitt für Gemeinsamkeit, wo allzu oft das Gegeneinander dominiert. Selten wurde so viel über die Relevanz dieses Faches diskutiert, und es war schön zu beobachten, wie breit die Unterstützung für ein vermeintlich elitäres Genre im Akutfall ist, hoffentlich auch fürderhin unter den Subventionsgebern.

Das Kulturamt solidarisiert sich selbstredend mit all den aktiv gewordenen Institutionen, freut sich über jeden Opern- oder Ballettabend, der explizit zeitgemäß ist und Herrn Chalamet eines Besseren belehrt, warnt aber davor, die Aussagen allzu leichtfertig in das Eck eines verwöhnten Hollywood-Fratzen zu rücken. Er wird möglicherweise nicht der einzige 30-Jährige sein, der so denkt. Umso wichtiger sind alle (durchaus existenten) Initiativen, junges Publikum für diese Kunstform zu begeistern.

Wenn auch nur einer der Chalamet-Fans, die es ja geben soll, in eine Oper kommt, um den Wahrheitsgehalt der Behauptungen zu überprüfen, hat der Schauspieler gegen seine eigentliche Absicht heftig für die Oper gearbeitet. Und sollte er den Oscar gewinnen, müssten die Ballette weltweit vor Freude tanzen. Aber ja nicht aufhören, die Relevanz immer wieder zu hinterfragen.

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