Peter Simonischek und Dörte Lyssewski verlieren deutlich an Haltung.

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Kultur
09/22/2019

"The Party" im Burgtheater: Auf die Komik vergessen

Kritik: Sally Potters "The Party" ist weniger lustig als sie sein könnte.

von Guido Tartarotti

Eine Komödie ist sozusagen eine Tragödie, die gerade noch den Notausgang findet. Wenn das so ist, dann ist eine Tragikomödie eine Komödie, bei der der Notausgang in den Abgrund führt.

Insofern ist "The Party" von Sally Potter eine klassische Tragikomödie.

Wenn bei einer Komödie aber kaum gelacht wird, dann hat sie ein Problem. "The Party" in Anne Lenks genauer, aber auch ein wenig schleppender Regie im Wiener Burgtheater aufgeführt, bekam bei der Premiere nur höflichen Applaus und ist nicht unbedingt die erwartete Feier schwarzen Humors.

Wer hat Angst?

Sally Potter, 1949 geboren, ist Tänzerin, Musikerin, Choreografin, Autorin und  Regisseurin. "The Party“ entstand 2017 relativ spontan und schnell als 70-Minuten-Schwarzweißfilm (u. a. mit Kristin Scott Thomas und Bruno Ganz) und kam in den Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele. Die Autorin selbst machte dann aus dem Film ein Theaterstück.

Das Stück ist vergleichbar mit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" oder den Arbeiten von Yasmina Reza: Ein schöner Abend ist geplant, doch unter dem Einfluss von Alkohol und unvorhersehbaren Ereignissen fallen die Masken.

Die Handlung: Die Oppositionspolitikerin Janet wird zur Ministerin des "Schattenkabinetts“ ihrer Partei ernannt ("The Party“ hat einen doppelten Wort-Sinn: Feier und Partei). Um das zu feiern, lädt sie sich Freunde ein. Doch dann stellt sich heraus, dass ihr Mann nicht nur todkrank ist, sondern auch ... (mehr wird hier nicht verraten). Nur soviel: Revolver, die von Beginn an auf der Bühne herumkugeln, werden irgendwann auch benützt. Und die Schlusspointe, die finale Wendung, ist tatsächlich eine gelungene Überraschung.

Star: die Bühne

Warum dieses Stück im großen Haus angesetzt wurde und nicht im viel intimeren Akademietheater, erschien im Vorfeld rätselhaft. Am Premierenabend erschließt sich dann der Grund: Die riesig große Bühne von Bettina Meyer ist der Star dieser Aufführung.

Meyer schlichtet die eigentlich nebeneinander liegenden Räume der Politikerin Janet übereinander, was für die Darsteller lange Wege, aber für die Zuschauer originelle visuelle Effekte bringt.

(Und die gigantische Schallplatten-Wand des Politikerinnen-Ehemannes Bill lässt alle Musikfreunde im Publikum vor Neid erblassen.)

Tolles Ensemble

Peter Simonischek spielt diesen Bill wunderbar zurückgenommen und abgründig, was in ihm vorgeht, kann man nur erahnen, aber man denkt sich: Da geht jede Menge vor. Dörte Lyssewski ist als Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs wie immer großartig.

Markus Hering ist als esoterischer Lebensberater Gottfried der beste Komiker des Abends, Regina Fritsch als dessen zynische Frau April ebenfalls herrlich. Katharina Lorenz und Barbara Petritsch spielen das ungleiche lesbische Paar sehr schön, und Christopher Luser ist als koksender "Loser", also Verlierer, großartig neben der Spur.

Dieses Stück erzählt davon, wie Menschen innerhalb weniger Minuten völlig entgleisen können und als sicher geglaubte Lebenshaltungen verlieren. Die Inszenierung zelebriert diesen Vorgang und nimmt sich dafür einfach zuviel Zeit (der Abend dauert 90 Minuten, aber die fühlen sich teilweise recht lange an).

Es passiert, was in "großen" Theatern oft passiert, wenn Komödie gespielt wird: Man vergisst darauf, dass die auch lustig sein soll.

Anspielungen auf aktuelles politisches Geschehen unterbleiben völlig, was diesmal schade ist, denn die Handlung macht hier einige Angebote.

Es ist aber durchaus möglich, dass diese Inszenierung im Lauf der kommenden Vorstellungen noch an Tempo zulegt.

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