Strunk und Schrenk fluten die Theaterlandschaft bis nach Reichenau
Als Burgdirektor hat Martin Kušej nicht viel bewegt. Aber er holte – das ist ihm wirklich hoch anzurechnen – Nils Strunk nach Wien. Geboren 1990 und in Lübeck aufgewachsen, realisiert der Schauspieler, Autor und Regisseur alle eigenen Projekte mit dem um ein Jahr jüngeren Lukas Schrenk.
Gleich die erste Arbeit des Duos schlug ein: Ob des enormen Erfolgs übersiedelte „Die Zauberflöte – The opera but not the opera“ vom kleinen Kasino auf die große Bühne der Burg. Zu Beginn der Direktion von Stefan Bachmann (im Herbst 2024), folgte mit „Schachnovelle“ von Stefan Zweig das Meisterstück. Und nun haben Strunk/Schrenk die heimische Theaterlandschaft quasi geflutet: 2026 kann man tatsächlich acht (!) Produktionen sehen. Neben den beiden erwähnten (weiterhin am Spielplan) noch „Gullivers Reisen“ (neu), an der Volksoper „Killing Carmen“ (wieder am 16. 2.) und im Dschungel Wien „Die komische Tür“ (am 4. und 5. 4).
Zwischendurch bestreitet das Duo dreimal im Theater Akzent „Ludwig XIX. – König für zwanzig Minuten“ (ab 28. 1.): Strunk spielt das Solo, Schrenk macht die Musik. Am 25. April bringen sie am Salzburger Schauspielhaus „Marie Antoinette“ nach Stefan Zweig zur Uraufführung. Und dann, Anfang Juli, geht das Johann-Strauss-Jahr, von dem man hoffte, dass es mit dem Silvesterkonzert der Philharmoniker definitiv zu Ende ist, in die Verlängerung: Schrenk und Strunk zeigen im Auftrag von Maria Happel ihre Version der „Fledermaus“. Aber die Intendantin hat zumindest einen passablen Grund für den Strauss-Overkill: Mit dieser Operette wurde am 1. August 1926 eine umgebaute Mühle als „Theater- und Konzerthaus“ von Reichenau eröffnet. Man feiert also ein 100-Jahr-Jubiläum, wenngleich es die von Renate und Peter Loidolt gegründeten Festspiele erst seit 1988 gibt.
In ihrem fünften Reichenau-Sommer präsentiert die quirlige Burgschauspielerin wieder sechs Eigenproduktionen, und wieder haben fünf davon in der ersten Woche (ab 1. Juli) Premiere. Happel will wieder erst Mitte Jänner das Programm präsentieren, aber wieder hat sie bereits die betagte Tante Ihres Tratschpartners informiert (sie ist ein großer Reichenau-Fan seit Anbeginn). Und so darf nun, zum Ärger der Happel, verraten werden: Gordon Greenberg bringt die Zweig-Novelle „Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau“ auf die Bühne.
Weil es so fesch ist, gibt es noch drei weitere Dramatisierungen: Im darbenden Südbahnhotel setzt Philipp Hauß den Roman „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi um, Alexandra Liedtke ergänzt mit Joseph Roths Novelle „Die Legende vom heiligen Trinker“. Und Johanna Arrouas erzählt die Erlebnisse den „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry nach: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“
Ach ja, ein Dialogstück gibt es auch in Reichenau: Das Burgschauspielerehepaar Alexandra Henkel und Dietmar König wagt den amourösen Stafettenlauf von Arthur Schnitzler, genannt „Reigen“. Ein Reichenau-Evergreen, könnte man sagen.
Und weil wir mit Kušej begonnen haben: Er brachte 2019 aus München seine Inszenierung „Der nackte Wahnsinn“ mit. Mit dieser turbulenten Komödie eröffnet Claudia Rohnefeld am 10. März das renovierte Gloria Theater. Und ab 30. Juni zeigt Wolfgang Böck diese in Kobersdorf. Der Einfallsreichtum der Direktoren und Intendanten ist wirklich riesig.
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