Strauss, Schubert, Haydn – wie Wien mit Musikern umgeht
Sehr geehrtes Kulturamt!
Ich habe diese Woche gelesen, dass das immersive Johann-Strauss-Museum am Naschmarkt einen Konkursantrag gestellt hat. Wahrscheinlich ist deshalb niemand hineingegangen, weil keiner weiß, was immersiv heißt. Mir sind Johann Strauss und die Wiener Musikgeschichte aber wichtig, daher beantrage ich bei Ihnen, dass alle Schulklassen zwingend Musiker-Gedenkstätten besuchen müssen. Wofür steht denn Wien, wenn nicht für Musik?
Mit freundlichen Grüßen, R. G.
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Sehr geehrter R. G.,
vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit gerne bestätigen (Geschäftszahl 12/2026). Allerdings müssen wir dieses höchst ehrenwerte Ansinnen, das zu unterstützen uns durchaus wichtig erschiene, ablehnen – allein schon mangels Verfügbarkeit.
Wir haben Ihr Schreiben zum Anlass genommen, Zugangsmöglichkeiten zu solchen Einrichtungen der Stadt Wien (also zu Musiker-Wohnungen, nicht zu Denkmälern im öffentlichen Raum) kulturamtlich zu überprüfen. Und haben dabei ein für eine Musikstadt erstaunliches Bild vorgefunden.
Die Johann-Strauss-Wohnung in der Praterstraße etwa ist seit 2. März geschlossen, der Termin einer Wiedereröffnung wird nicht genannt.
Ebenso verhält es sich mit dem Haydnhaus in der Josef-Haydngasse 19 in Wien-Gumpendorf – seit 2. März zu. Ob das auf den Konflikt zwischen Wien und Niederösterreich (um Gastpatienten etc., vielleicht neuerdings auch um Musiker) zurückzuführen ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Haydn wurde ja in Rohrau geboren.
Das Schubert-Geburtshaus in der Nußdorferstraße ist ebenfalls geschlossen, dort kennt man immerhin den Grund: Es wird saniert und soll anlässlich des 200. Todestages des Komponisten 2028 wieder geöffnet werden.
Die Sterbewohnung von Franz Schubert in der Kettenbrückengasse ist seit 1. Jänner temporär geschlossen – allerdings ohne Aussicht auf Wiederzugänglichmachung.
Und falls Sie sich für ältere Musik interessieren: Der dem Minnesänger Neidhart von Reuental gewidmete Tanzsaal auf der Tuchlauben (mit den ältesten weltlichen Wandmalereien Wiens) ist ebenso zu.
All diese Räumlichkeiten gehören zum Wien Museum. Warum man bei Sparzwängen als erstes auf Musiker-Stätten verzichtet, ist uns nicht erklärlich.
Und noch kurz zum Strauss-Museum: Wir haben auch nur eine vage Idee, was immersiv ist, es dürfte aber gerade modern sein. Sein Schicksal fügt sich jedenfalls bezüglich Nachhaltigkeit gut ins Strauss-Jahr ein.
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