„Till Eulenspiegel“ in Perchtoldsdorf: Folterknechte und Freiheitskämpfer
Jakob Seeböck als sadistischer König Philipp in einer spektakulären Jackenkreation von Andrea Hölzl in "Till Eulenspiegel".
Zu Beginn sprach Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner dem Publikum ihre Wertschätzung dafür aus, dass es trotz großer Konkurrenz – das WM-Spiel Österreich gegen Spanien – zur Premiere von „Till Eulenspiegel“ gekommen war. Die solcherart Bedankten sollten wohl später ob der Entwicklung des Theaterabends ihre Entscheidung eher kritisch sehen.
Zum 50. Geburtstag der Sommerspiele Perchtoldsdorf hat sich Intendant Alexander Paul Kubelka zusammen mit Dramaturgin Angela Heide einen großen Brocken vorgenommen – den 500 Seiten starken Roman über den Schalk Eulenspiegel des belgischen Schriftstellers Charles de Coster. Darin ist der gewitzte Bursche eine Symbolfigur für den Freiheitskampf der Flamen gegen die spanische Unterdrückung.
Auf Ketzerjagd
Die rosa Häuschen aus Dämmstyropor auf der Bühne gaukeln eine schlumpfhausige Harmlosigkeit vor, die es in dieser Zeit nicht gibt. Stichwort Gegenreformation, spanische Inquisition. Zum Einstieg werden zwei Kinder geboren: der Sohn des Kohleträgers Klas, Till Eulenspiegel, und der Sohn des Karl V., der spätere König Philipp von Spanien. Immer wieder werden die beiden Schicksale einander gegenübergestellt. Im ersten Teil lernt man Till (Fabian Krüger) als sympathisch-planlosen Schelm kennen. Aber während er noch seine Scherze mit dem Bäcker treibt, ziehen schon die dunklen Wolken der Folter und Ketzerverbrennung auch für seine Familie auf. Daran ist maßgeblich Philipp schuld, der seinen Sadismus zum Hauptberuf macht (Jakob Seeböck in der spektakulärsten Jacke der gesamten Sommertheater-Saison).
Quälend zerdehnt
Nach der Pause aber wird Tills Vater (Michael Masula, das Herz dieser Aufführung) gefoltert und verbrannt und Till wird nicht zuletzt aus Rachsucht zum Kämpfer gegen die Schreckensherrschaft. Dass er dabei dieselben menschenverachtenden Phrasen übernimmt wie die königliche Gegenseite, ist nur mehr eine Nebenerkenntnis in diesem quälend zerdehnten zweiten Teil, der wie eine hastig angenähte Narrenkappenecke in Nachtschwarz wirkt.
Hier wäre ein komplett anderer, nicht nach Vollständigkeit strebender Zugang nötig gewesen, um ein packendes Bühnenstück zu generieren. Die Übergänge sind zu schleppend, die altertümliche Sprache nimmt noch mehr von der Dynamik, Regisseur Kubelka nutzt den Hintergrund der Burg nur dezent (Kreuzlichter, ein Auftritt Philipps am Burgdach). Schade um das Ensemble, das doch immer wieder eindringliche Momente in diesen langen drei Stunden schafft.
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