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„Siegfried“ in der Staatsoper: Ein Held wie aus einem Comic

Furiose Sänger trotzen der trockenen Lesart von Dirigent Pablo Heras-Casado in "Siegfried" an der Staatsoper.
Ein älterer Mann kniet trauernd neben einer in weiß gehüllten, regungslos daliegenden Person auf einer dunklen Bühne.

Man kann sich vorstellen, dass einige Sänger sich nicht gern von Sven-Eric Bechtolfs „Ring“-Inszenierung verabschieden, die 2028 abgelöst wird. Dieses Szenario bietet viel Platz zum Austoben. Michael Volle kann sich der Gewieftheit des Wanderers ohne große Gesten hingeben. Hintersinnig fordert er den Schmied Mime zum Fragenduell und kann seine vokalen Qualitäten auch subtil ausspielen, wenn er sich seinem Enkel Siegfried stellt. Den verkörpert Andreas Schager, der meistgefragte Heldentenor heute, mit überbordender Spiellust. Er stürmt auf die Bühne, als wäre er einem Marvel-Comic entsprungen, würzt seinen Gesang mit Lauten wie aus einer Sprechblase und tobt durch das Geschehen, als müsste er mit Superman um die Wette kraftmeiern. Vokal wäre er gewiss der Sieger. Sein Tenor überstrahlt alles, seine „Nothung“-Rufe leuchten wie polierter Stahl, beim „Waldweben“ kehrt er die Naivität seiner Figur heraus, Brünnhildes Erweckung intoniert er nuanciert.

Vokale Kraftwerke

Camilla Nylund steht ihm als solche in Kraft und vokaler Pracht in nichts nach. Mit einer Leichtigkeit und gewaltigem Stimmvolumen grüßt sie die Sonne. Furios formieren diese beiden Sänger ein Paar. Das dritte vokale Kraftwerk ist Georg Nigl als Alberich. Mit bestechend klarer Diktion reizt er die Farbpalette seines Baritons mühelos aus. Gerhard Siegel verlegt sich als Mime zu sehr aufs Quengeln, was auf Kosten der Wortdeutlichkeit geht. Wiebke Lehmkuhl ist eine Luxus-Erda. Matheus França ein ordentlicher Fafner.

Das Wagner-Wunder ist hier, wie diese Stimmen dem Dirigat Pablo Heras-Casados trotzen, mit dem er dem Orchester seine trockene Lesart vergeblich aufzwingen will.

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