Schnörkelloser Old-School-Rock für Ladys & Gentleman
„Wie viele von euch sind old school?“, fragt Dave Grohl nach ein paar Songs im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Sofort kreischen dem Frontmann der US-Rock-Band Foo Fighters 55.000 Kehlen ein beherztes „Ich“ entgegen.
Das ist gut so. Denn Grohl und seine Freunde widmen ihren Auftritt ganz dem Musizieren der alten Schule, ihrem schnörkellosen Rock und der Attitüde, dass fette Gitarren, gute Songs und Spielfreude reichen, um ein Publikum zu begeistern.
Gitarrenattacke
Anfangs machen die Foo Fighters das mit einer mächtigen Gitarrenattacke, die sie mit genauso mächtiger Lautstärke in das Stadion schieben. Doch bald schon zeigen sie immer mehr Facetten ihres Sounds, zum Beispiel mit dem nachdenklichen, auf wenigen Tönen basierenden Gitarren-Intro zum Song „The Pretender“. Oder mit „Rope“, das mit komplexem Rhythmus in der Strophe und einem unwiderstehlichen Mitsing-Refrain punktet. Auch „My Hero“, „Learn to Fly“ und „These Days“ sind Songs, bei denen das Sextett zeigt, wie gut es druckvollen Rock mit einnehmenden Melodien verbinden kann.
Dann der Mittelteil, bei dem alle Musiker auf eine kleine Bühne am Ende des weit ins Publikum ragenden Stegs gehen. Dort spielen sie ein paar ruhigere Songs, darunter das nach dem bisherigen Power-Feuer fast zerbrechlich klingende „Wheels“ („Das spielen wir nur in Europa, in den USA kennt das keiner“) und das an Boogie-Klänge angelehnte „Window“ vom im April erschienenen zwölften Studio-Album „Your Favorite Toy“.
Jetzt hört man auch, wie viel Charakter und Charisma Grohl in seine Stimme und seinen Gesang legen kann. Das war anfangs untergegangen, weil die brachialen Rocksongs den 57-Jährigen zu häufigem Kreischen und Brüllen verleitet haben.
Hier dem Publikum ein bisschen näher kommt Grohl ins Plaudern. Wie er die Fans dabei anspricht, ist ebenfalls old school: Mit einem formellen „Ladys & Gentleman“ beginnt er jede Talk-Runde, redet dann aber mit der Masse, als wäre er mit der Familie im Wohnzimmer.
Schönste Stadt
Er erzählt zum Beispiel, dass er und seine Bandfreunde schon seit gestern Abend in Wien sind und begeistert waren, als sie heute die Stadt erkundet haben. „Jeder Einzelne von uns hat gesagt: Das ist die schönste Stadt der Welt!“
Zurück auf der Hauptbühne kommen noch ein paar mehr von den Rock-Hammer-Songs. Und dann die originelle Vorstellung der Band, die Grohl „Geschichtsunterricht“ nennt: Anstatt jeden ein kleines Solo spielen zu lassen, lässt Grohl auf dieser Tour die ganze Band einen Song von einer der Bands anstimmen, in der der Vorzustellende vor den Foo Fighters war. Für Gitarrist Chris Shiflett gibt es einen Song der Punkband No Use for a Name, für Bassist Nate Mendel einen von Sunny Day Real Estate. Zurück in Grohls erste Karriere führt diese Bandvorstellung bei Drummer Ilan Rubin.
An den Drums
Grohl startete nämlich als Drummer von Nirvana, überlässt Rubin (nicht verwandt mit dem berühmten Rock-Produzenten Rick Rubin) jetzt seine Gitarre und den Platz als Frontmann und setzt sich wie einst bei Nirvana selbst hinten ans Schlagzeug.
Und dann gibt es zum Beispiel mit „Aurora“, das dem verstorbenen Schlagzeuger Taylor Hawkins gewidmet wird, und „Everlong“ noch einige Foo-Fighters-Klassiker mehr. Am Ende haben Grohl und seine Freunde bewiesen, dass es keine monströsen Showeffekte braucht, um ein Publikum fast drei Stunden lang bestens zu unterhalten.
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