Salzburg: Macht braucht Kontrolle - auch bei den Festspielen

Bleibt Hinterhäuser? Eines braucht Salzburg jedenfalls: Eine mächtige Präsidentschaft mit mehr Befugnissen.
Helga Rabl-Stadler, Markus Hinterhäuse

Markus Hinterhäuser, dem Intendanten der Salzburger Festspiele, würde man einen entspannteren Geburtstag wünschen. Aber am 20. März, nur 10 Tage vor seinem Geburtstag, wird die am Donnerstag unterbrochene Kuratoriumssitzung fortgesetzt. Und spätestens in dieser wird sich entscheiden, wie es mit dem genialen, zumindest genialischen Festspielarchitekten weitergeht. 

Scheidet er erzürnt wie verbittert bereits nach diesem Sommer aus? Nimmt er das Gnadenangebot an, 2027 zu exekutieren? Oder lässt man ihn doch bis 2029 weitermachen, was vernünftig wäre? Denn da ist die Sollbruchstelle im bereits ausverhandelten Vertrag für eine dritte, bis 2031 laufende Amtszeit.

Egal, wie die Sache ausgeht: In Feierstimmung wird man auch zum Geburtstag nicht sein. Als Sieger steht er kaum mehr vom Konferenztisch auf. Sondern als einer, der über sich selbst gestolpert ist. Als einer, dem der tatsächlich unglaubliche Erfolg schon zu sehr zu Kopf gestiegen war.

Um Kopf und Kragen geredet hat sich Hinterhäuser mit seinem lamoyranten Statement vor den Kuratorium. Denn statt Gesten der Demut oder Einsicht zu zeigen, suchte er die Schuld bei der mangelnden Kommunikation - und mithin bei den anderen. Aus seiner verzwickten Lage heraus mag die Argumentation - das Kuratorium hätte Informationen den Salzburger Nachrichten gesteckt -  nachvollziehbar sein. Doch er hätte jemanden gebraucht, der ihn vor möglichen Folgen gewarnt hätte. Aber es gab niemanden. 

Früher hatte er Helga Rabl-Stadler: Die Langzeitpräsidentin hätte ihm, ihrem Markus, in ihrer doch auch mütterlichen Art Einhalt geboten. Sie hätte ihn geleitet, unterstützt, vor Fehlern bewahrt. Und Hinterhäuser hätte auf sie, die taktisch versierte Ex-Politikerin, gehört. Nicht ohne Grund schätzte er immerzu, dass sie ihm dem Rücken freihielt.

Doch Rabl-Stadler ist in Pension. Und von deren Nachfolgerin, Kristina Hammer, nahm er keinen Rat an: Er desavouierte sie, wenn er konnte. Und er marginalisierte sie. Mit einer derart geschwächten Präsidentin ist allerdings kein Staat zu machen: Hinterhäuser zog als ein Don Quijotte in den Kampf mit dem übermächtigen Kuratorium.

Aber noch ist nichts verloren. Das politisch besetzte Gremium müsste nur erkennen, dass Macht Kontrolle braucht. Auch bei den Festspielen. Es müsste daher bei der Präsidentin ansetzen: Kristina Hammer mit mehr Befugnissen ausstatten - oder sie durch eine Person ersetzen, die Hinterhäuser tatsächlich gewachsen ist. Die Gelegenheit wäre längst da. Denn Ende des Jahres läuft der Vertrag von Hammer aus. Diese Entscheidung sollte definitiv Vorrang haben - vor der Frage, ob Hinterhäuser noch ein Jahr weitermachen darf oder deren drei. 

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