Salzburger Festspiele: Hinterhäuser hat "uns richtig provoziert"

Sitzung eskalierte laut Kuratorium: "Wir haben jetzt eine worst-worst-Situation." Auseinandersetzung könnte ein Fall für das Arbeitsgericht werden.
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Die Auseinandersetzung zwischen dem Kuratorium der Salzburger Festspiele und Intendant Markus Hinterhäuser könnte ein Fall für das Arbeitsgericht werden. Diese Vermutung äußerten Mitglieder des Kuratoriums am Freitag gegenüber der APA. Der Vorschlag, der dem Intendanten am Donnerstag unterbreitet wurde, sieht eine Verlängerung seines Vertrags um ein Jahr bis September 2027 vor, außerdem kann er für diese Zeit seine Favoritin Karin Bergmann zur Schauspielchefin bestellen.

Das Kuratorium habe versucht, Hinterhäuser so weit entgegenzukommen, dass man sich auf eine gemeinsame Erklärung einigen könne, bei der keine Seite nach außen das Gesicht verlieren würde, sagte ein Mitglied des Aufsichtsgremiums. Allerdings sei die Sitzung am Donnerstagnachmittag dann eskaliert. Es habe mehrere Unterbrechungen gegeben, in denen der Kaufmännische Direktor Lukas Crepaz versucht habe, auf Hinterhäuser einzuwirken.

"Er hat uns richtig provoziert."

"Er hat uns richtig provoziert und dann sogar verlangt, dass sich die Landeshauptfrau (Karoline Edtstadler) und der Bürgermeister (Bernhard Auinger) für ihre Äußerungen in den Medien entschuldigen." Jede Wortmeldung sei umgedreht worden. Letztlich habe er sogar bestritten, selbst Fehler begangen zu haben, "was er zuvor in seinem vorgelesenen Statement selbst eingeräumt hatte". Daraufhin habe man nach fast fünf Stunden die Sitzung unterbrochen und will sie am 20. März wieder aufnehmen. Bis dahin soll sich Hinterhäuser entscheiden, ob er das Angebot annehmen will.

Hinterhäuser hatte sich unter anderem damit gerechtfertigt, dass er Christian Kircher, den Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, als Vertreter des Kuratoriums bei der Suche nach einer Schauspielleitung eingebunden habe. Dieser habe ihm versichert, "dass Karin Bergmann auch ohne Bewerbung und Hearing in Betracht gezogen werden kann". Selbst wenn Kircher, der im Kuratorium nur beratend, aber ohne Stimmrecht sitzt, das Kuratorium nicht darüber informiert haben soll, sei es alleine die Aufgabe des Intendanten gewesen, die Vorsitzende des Kuratoriums laufend über den Stand des Verfahrens zu informieren, so ein Kuratoriumsmitglied. Kircher, der in dem schriftlichen Statement Hinterhäusers mehrmals namentlich angesprochen wird, wollte sich am Freitag auf Anfrage der APA zu den vom Intendanten dargestellten Vorgängen nicht äußern.

"Wir haben jetzt eine worst-worst-Situation."

Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP), die heuer turnusmäßig den Vorsitz im Gremium führt, hatte am Donnerstag betont, dass das Kuratorium "geschlossen" der Ansicht sei, dass der Intendant Bedingungen zur Fortsetzung seines Vertrages über den 30. September hinaus nicht erfüllt habe. Aber: "Wir haben dem Intendanten ein Angebot gemacht, das sicherstellen sollte, dass es im Sinne der Salzburger Festspiele eine gute Lösung gibt, um einen guten Übergang zu schaffen." Am Freitag äußerte sich von offizieller Seite auf APA-Anfrage Salzburgs Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) knapp: "Wir haben viele Stunden versucht, eine Brücke zu bauen, und ich hoffe weiter, dass wir gemeinsam über diese Brücke gehen werden."

Ein anderer Teilnehmer der Sitzung berichtete von einem sehr schwierigen Sitzungsverlauf, der mit einer verfahrenen Situation geendet habe: "Wir haben jetzt eine worst-worst-Situation." Für Hinterhäuser bedeutet die Ansicht des Kuratoriums, er habe die "Wohlverhaltensklausel" gegenüber dem Direktorium und gegenüber Dritten verletzt, weswegen die eigentlich paktierte Vertragsverlängerung bis 2031 hinfällig sei, einen Gesichtsverlust. Auch juristisch wird sich Hinterhäuser wohl beraten lassen.

Für das Kuratorium ist die Notwendigkeit, mitten im Planungsprozess für einen großen Umbau des Festspielbezirks eine neue Leitung suchen zu müssen, fatal. Und fatal ist auch die Außenwirkung, dass es bei dieser Debatte nicht um künstlerische, sondern um Macht- und Verhaltensfragen geht. Schlechte Stimmung und schlechtes Benehmen dürfte jedoch nicht mehr länger durch gute Kunst entschuldigt werden, heißt es aus dem Kuratorium. Darüber sei man sich im Aufsichtsgremium einig.

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