Deal von Russmedia und Moser-Holding genehmigt - mit Auflagen
Die Bundeswettebwerbsbehörde hat einen erheblichen Eingriff im Medienstandort Westösterreich genehmigt. Die Eigentümer der Tiroler Moser Holding, zu der unter anderem die Tiroler Tageszeitung gehört, dürfen ihre Anteile an der Holding in eine gemeinsame Mediengruppe mit der Vorarlberger Russmedia einbringen. Russmedia wird 77 Prozent an der Gruppe übernehmen, die BTV Vier Länder Bank AG beteiligt sich als „strategische Partnerin“ mit 23 Prozent. Aus wettbewerblicher Sicht habe der geplante Zusammenschluss „nach eingehender Prüfung keine Bedenken“ aufgeworfen, hieß es von der Behörde. Russmedia übernimmt 77 Prozent der Anteile an der Moser Holding, die Gründerfamilie Moser steigt aus.
Auflagen gegen Beeinträchtigung der Medienvielfalt
Die Genehmigung wurde unter Auflagen erteilt, wurde bekanntgegeben. Denn während wettbewerbsrechtlich nichts in Zweifel gezogen wurde, war es anderweitig offenbar nicht so eindeutig. Im Zuge der Prüfung hätten sich nämlich Bedenken hinsichtlich einer möglichen Beeinträchtigung der Medienvielfalt ergeben, ließ die Bundeswettbewerbsbehörde wissen. Es habe sich zunächst gezeigt, dass der Zusammenschluss zu einer Reduktion der Anbietervielfalt in Westösterreich führe.
Außerdem könnte Russmedia, das unter anderem die „Vorarlberger Nachrichten“ (VN) herausgibt, seine stärkere Marktposition nutzen, um die Medienvielfalt auf den bereits stark konzentrierten Medienmärkten in Vorarlberg und Tirol weiter einzuschränken, wurde hingewiesen. „Dies kann etwa im Falle von Plänen zur Einstellung von Medienangeboten, Einsparungen in Redaktionen oder einen eingeschränkten Zugang zu Druck- und Zustelldienstleistungen erfolgen“, hieß es in dem BWB-Statement.
Verpflichtungszusagen durch Russmedia für sieben Jahre
Um diese Bedenken auszuräumen, gab Russmedia laut Angaben der Wettbewerbshüter verbindliche Verpflichtungszusagen ab, die für die Dauer von sieben Jahren gelten. Diese beinhalteten die „Redaktionelle Unabhängigkeit zur Gewährleistung eigenständiger redaktioneller Entscheidungen“, den „Zugang zu Druckdienstleistungen für regionale und lokale Medienunternehmen“ sowie die „Suche nach Dritten zur Fortführung von Printmedien vor einer geplanten Einstellung“. Auch in puncto Hauszustellung verpflichteten sich die Vorarlberger: So solle es eine Öffnung für regionale und lokale Medienunternehmen in Vorarlberg sowie keine Verschlechterung der aktuellen Situation in Tirol geben.
Bereits bei Bekanntgabe des Deals waren von den Verantwortlichen auf beiden Seiten die langfristige Stärkung des Regionaljournalismus sowie die Erhaltung der regionalen Marken und die Eigenständigkeit der Redaktionen betont und ins Treffen geführt worden. Moser-Holding CEO Silvia Lieb nannte die Freigabe der BWB am Dienstag einen „sehr wesentlichen ersten Schritt“. „Die Grundlage für eine gemeinsame Mediengruppe im Westen Österreichs steht - mit klarer Perspektive für die regionalen Marken und ihre Redaktionen. Nun arbeiten wir mit Hochdruck an den finalen Maßnahmen für das Closing“, erklärte Lieb in einer Aussendung.
Russmedia-Geschäftsführer Markus Raith zeigte sich ebenfalls erfreut über die Freigabe. „Damit kann nach dem Closing die gemeinsame Arbeit von Moser Holding und Russmedia in Tirol und Vorarlberg beginnen“, sagte Raith. Man wolle unabhängige Redaktionen und starke regionale Marken. Weitere Investitionen in den digitalen Ausbau der Aktivitäten sollen folgen, „um beides langfristig zu sichern“.
Traditionsreiche Medienhäuser
Die Moser Holding mit Sitz in Innsbruck ist seit der 1. Ausgabe der „Tiroler Tageszeitung“ im Jahr 1945 in Tirol verankert. Die Gruppe besteht neben der „Tiroler Tageszeitung“ und dem Portal tt.com auch aus dem Radiosender Life Radio Tirol. Die Moser Holding ist über ihre Beteiligungen im Bereich Gratiswochenzeitungen (RMA) und der Lifestylemagazingruppe (Bundesländerinnen) österreichweit tätig, gruppenweit beschäftigt man rund 1.200 Mitarbeiter.
Zu Russmedia mit Hauptsitz im Vorarlberger Schwarzach (Bezirk Bregenz) gehören die „Vorarlberger Nachrichten“ (VN), das Nachrichtenportal „Vorarlberg online“ (vol.at), der Radiosender Antenne Vorarlberg, Wochenzeitungen und Magazine wie die „Vorarlbergerin“ und der TV-Sender „Ländle TV“. Russmedia beschäftigt in Österreich rund 500 Mitarbeitende.
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