© Florian Wieser

Tag 3
06/06/2016

Rock in Vienna: Nasse Hunde überall

Der dritte Rock-in-Vienna-Tag "fiel ins Wasser", doch Iron Maiden sagten dem Regen den Kampf an.

von Mathias Morscher

Wollte am Samstag noch Iggy Pop der persönliche Hund sein, roch man als Rock-in-Vienna-Besucher am Sonntag selbst nach nassem Hund. Geschüttet hatte es. So sehr, dass das Konzert der deutschen Mittelalter-Rocker In Extremo aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden musste. Aber dann kam Iron Maiden. Und der Regen wurde einfach weggeschrieen. Die Briten haben ja Erfahrung mit Regen. Denn egal wo die "Ed Force One" - die bandeigene Boeing 747 mit der Flugnummer 666, die größer ist als Angela-Merkels-Flieger - in den letzten Tagen landete, es schüttete aus Kübeln. Aus dem Bier wurde Radler, aus der Kutte ein Putzfetzen. Als hätte der Teufel - oder doch Maskottchen Eddie? - in Wien seine Hand im Spiel, schloss der Himmel seinen Wasserhahn. Doch ein echter Maiden-Fan ist nicht aus Zucker und trotzt Wind und Wetter. Jedes "Scream for me Vienna!" von Sänger Bruce Dickinson - und davon gab es einige - wurde mit einer Gröhlwelle Richtung Bühne gutiert. Gänsehaut inklusive. Die Ganslhaut zog es einem dann besonders bei "Fear of the Dark" und "Number of the Beast" auf - wenn 25.000 Menschen gleichzeitig "oh, oh, oh oh, oh, oh" heulen, bebt die Donauinsel - und die eigene Haut.

It’s your Birthday

Geburtstag wurde übrigens auch gefeiert. Und zwar von Schlagzeuger Nicko McBrain. Ihm zu Ehren stimmten die Besucher "Happy Birthday" und Dickinson "When I’m 64" von den Beatles an. Wieder so ein Gänsehaut-Moment.

Aber natürlich standen am dritten und letzten Rock-in-Vienna-Tag nicht nur Iron Maiden auf der Bühne. Bands wie Tremonti, die amerikanischen Hardrocker Shinedown und Zakk Wylde starteten hart in den Tag. Für einige Diskussionen sorgte die Entscheidung die virtuosen Power-Metaller Dragonforce auf die Mini-Bühne neben dem Eingang zu verbannen, während die Teutonen-Thrasher von Kreator auf der Hauptbühne auftraten. Der Metal-Fan musste sich entscheiden.

Fotos vom dritten Tag

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I’m only happy when it rains

Wären Garbage schon zum Rock in Vienna eingeladen gewesen, hätten sie sicher "I’m only happy when it rains" gesungen. Es hätte gepasst. Aber die kommen erst nächste Woche zum Nova Rock. Nicht ganz so happy waren dann wohl Nightwish, die vor ihrem Auftritt die dicken Tropfen sahen. Aber sie hatten Glück im Unglück, erst In Extremo konnten ihr Set nicht zu Ende spielen.

Vielleicht im kommenden Jahr, denn es wird auch eine dritte Ausgabe von Rock in Vienna geben. Am ersten Juni-Wochenende 2017.

Schweden, Schotten und die Verwandlung in einen Waran

Der zweite Tag des Rock In Vienna brachte fantastische Musik. Der Headliner Iggy Pop lockte zwar deutlich weniger Publikum an als Rammstein (am ersten Tag kamen 45.000, am zweiten etwa 20.000 weniger), aber er bot eine großartige Show. Der 69-jährige James Osterberg – der, wenn man sein Aussehen richtig interpretiert, daran arbeitet, sich in einen Waran zu verwandeln – tobte über die Bühne, als habe ihm jemand einen Kerosin-Einlauf gesetzt. So mancher im Publikum mag sich gedacht haben: Bitte, der ist so alt wie mein Opa/mein Papa/ich, wie macht der das?

Pop begann auf kahler Bühne mit einer Serie von unsterblichen Punkrock-Schlagern: "Non Fun" – "I Wanna Be Your Dog" – "The Passenger" – "Lust For Life". Bei "Real Wild Child" ging er ins Publikum, abklatschen. Auch düstere Nummern wie "1969", "Skull Ring", "Nightclubbing" oder "Sixteen" funktionierten bestens. Fazit: Ein bärenstarkes Konzert.

Auch die Shows vorher waren von bester Qualität. Die Schotten von Biffy Clyro gefielen mit ihrem hoch inspirierten, progressiven Rock und mit akzentfreien deutschen Ansagen. Bei denen ist man immer wieder fassungslos, dass drei Musiker so unglaublich viel SOUND erzeugen können. Ihr Programm umfasste ältere Stücke, aber auch schon Songs aus dem in einem Monat erscheinenden Album "Ellipsis".

Die Schweden von Mando Diao unterhielten bestens mit ihren Songs zwischen Beatles-Verehrung und Appellen an Tanzbein. Ohne ihren ausgestiegenen Co-Frontman Gustaf Noren driften Mando Diao immer mehr Richtung Soul was ungewohnt klingt, ihnen aber gut zu Gesicht steht.

Fotos vom zweiten Tag

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Tag 1

Gestatten Sie mir heute ausnahmsweise eine sehr persönliche Bemerkung: Als ich beim Rock In Vienna das (übrigens sehr gute und unterhaltsame) Konzert von Anthrax erlebte, fiel mir ein: Die habe ich doch schon einmal gesehen. Ebenfalls auf einem Festival und im hellen Sonnenschein, in nahezu derselben Besetzung. Sänger Joey Belladonna hatte damals schon diese von seinem Haushamster eigenmündig ausgebissene Parodie auf eine Frisur am Kopf und kreischte in Höhenlagen, in denen andere bereits Sauerstoff-Masken brauchen. Wann und wo war das nur?

Und dann fiel es mir ein: Auf dem Monsters-Of-Rock-Festival in Bochum, 1988, vor 28 Jahren. Und dann die Erkenntnis: Die Besetzung von damals – Anthrax, Testament, KISS, David Lee Roth, Iron Maiden – könnte man eins zu eins auf ein Festival der Gegenwart versetzen. 28 Jahre, aber in der Welt des harten Rock ist nur ein Tag vergangen.

Wie auch immer: Rammstein, Slayer und Apocalyptica sorgten am ersten Tag für beste Stimmung. Dieses Festival funktioniert gut.

(Guido Tartarotti)

Rock in Vienna: Du riechst so gut

Das Rock In Vienna ist das "erwachsenere" Festival, behaupten die Veranstalter – im Vergleich zum jugendlichen Nova-Rock. Anhand des Line-Ups lässt sich diese Behauptung nicht belegen: Rammstein und Iron Maiden verdienen sich (in Dauerrotation mit Metallica und den Toten Hosen) fast jedes Jahr auf heimischen Festivals ihr Urlaubsgeld. Auch Bands wie In Extremo, Mando Diao, Slayer, Eisbrecher, Apocalyptica, Anthrax, Biffy Clyro, Anti-Flag oder Nightwish hat man schon häufig auf dem Nova-Rock gesehen.

Einzig die offenbar bei lebendigem Leib mumifizierte Punkrock-Legende Iggy Pop (Headliner auf der Donauinsel am Samstag) ist ein Zugeständnis an die ältere Generation. Iggy Pop, der auch im 70. Lebensjahr für tolle Alben und Konzerte gut ist, ist kein typischer Festival-Nomade.

Der Unterschied zum Nova-Rock definiert sich eher durch die Form der Übernachtung: In Nickelsdorf schläft der Großteil der Besucher im Zelt – mit allen Begleiterscheinungen (Spaß im Schlamm; Ernährung in Form von Bier; Kopfweh). Das Rock In Vienna ist ein Heim- (oder Hotel)-Schläfer-Festival, Camping ist auf der Donauinsel nicht möglich. Angenehme Folge: Das Publikum riecht weniger streng.

Fotos vom ersten Tag

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Feuerwerker

Headliner des ersten Tages waren die verlässlichen Ostberliner Musikfeuerwerker von Rammstein. Der KURIER beschrieb ihr Konzert am Nova-Rock 2013 als Mischung aus Kasperltheater und Reichsparteitag und erntete dafür böse Fanpost. Wobei: Es ist, was es ist, sagten schon die Liebe und Erich Fried. Rammstein (die Musiker sind in der DDR aufgewachsen) nehmen die Ästhetik totalitärer Regime und führen sie mit den Mitteln des Metal-Pathos ins Absurde.

Diesen Trick haben sie übrigens nicht selbst erfunden, sondern vom slowenischen Musik-Kunst-Kollektiv Laibach abgeschaut (überprüfbar anhand der großartig durchgeknallten Laibach-Version von "Live Is Life", leicht auf youtube zu finden).

Wie auch immer: Rammstein (die ganz gewiss keine Nazis sind, in Interviews positionieren sie sich eher auf der linken Seite des Denkspektrums) – sind bestes, ironisches Rock-Theater, die Songs mahlen präzise, die Pyro-Einlagen und die völlig überdrehten Theater-Posen sind immer wieder ein großer Spaß. Bemerkenswert: Gitarrist Richard Z. Kruspe schmuggelt sogar eine Prince-Hommage in Form eines "Sexy MF"-Zitats in "Du riechst so gut". Das Publikum – etwa 45.000 am ersten Tag – jedenfalls war restlos begeistert.

Ebenfalls sehr unterhaltsam am ersten Tag: Die versteinerten Thrash-Metal-Giganten Slayer mit einem mächtigen, bösen Konzert und deren kleinere, lustige Cousins von Anthrax. Die Manga-Rock-Mädchentruppe Babymetal war dagegen entweder ein schlechter Scherz oder der Versuch, so zu tun, als nehme Japan am Song Contest teil, vermutlich aber eh beides.

Nett, aber zu leise: Die finnischen Cello-Metaller von Apocalyptica.

(Guido Tartarotti)

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