"Politischer Druck": Anna Netrebko sagt Auftritt in Prag ab

Anna Netrebko turns 50
Entscheidung sei einvernehmlich zustande gekommen. Grund ist Netrebkos Vergangenheit und dass sie auf der Sanktionsliste der Ukraine steht.

Ein für den 16. Oktober in Prag geplanter Konzertauftritt der russisch-österreichischen Star-Sopranistin Anna Netrebko ist abgesagt worden. Das teilten die Prager Stadtverwaltung und Netrebkos Agentur am Donnerstag der tschechischen Nachrichtenagentur CTK mit.

Die Absage sei einvernehmlich erfolgt, betonten beide. "Wir haben uns geeinigt, dass wir dem politischen Druck nachgeben und Anna keine Entschädigung verlangen wird", sagte eine Sprecherin der Konzertagentur.

Der Prager Vizebürgermeister Jiri Pospisil begrüßte die Einigung und erklärte der CTK, ein Auftritt Netrebkos wäre vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine heikel gewesen: "Das ist eine richtige Entscheidung in Bezug auf unser Partnerland, das um seine Unabhängigkeit kämpft", sagte er.

Im Juli hatte Pospisil bekannt gegeben, er wolle seine Empfehlung für oder gegen eine Absage von der Zustimmung der ukrainischen Botschaft abhängig machen, da Netrebko auf einer ukrainischen Sanktionsliste stehe. Diese hatte sich ihm gegenüber schließlich gegen das Konzert ausgesprochen.

Netrebkos Konzert war im Smetana-Saal des der Stadtverwaltung gehörenden Prager Konzerthauses "Obecni dum" (auf Deutsch Gemeindehaus) geplant. Nach Informationen von CTK waren Demonstrationen pro-ukrainischer Organisationen gegen den Auftritt befürchtet worden.

Die russisch-österreichische Doppelstaatsbürgerin Netrebko lebt seit Jahren in Österreich. In der Vergangenheit hatte sie aber Wladimir Putin bei einer Präsidentschaftskandidatur unterstützt. Netrebkos Konzertmanagerin sagte der CTK, die Opernsängerin habe den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine eindeutig verurteilt.

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