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Pedro Almodóvars Alter-Ego ist eine Frau mit Schreibblockade: „Bitteres Fest“

Der spanische Meisterregisseur Pedro Almodóvar kreist um die Figur des alternden Künstlers - und stellt eine Frau in den Mittelpunkt.
Zwei Frauen sitzen eng umschlungen auf einem grünen Sofa, wobei eine Frau in einem pinken Rollkragenpullover die andere tröstend in den Arm nimmt.

Von Gabriele Flossmann

Es heißt, je älter man wird, desto kleiner wird der Kreis der Menschen, die man ertragen kann. Dieses Schopenhauer-Zitat scheint der spanische Kultregisseur Pedro Almodóvar zum Motto seines Spätwerks gewählt zu haben. Es dreht sich folgerichtig schon seit einigen Filmen im kleinstmöglichen Kreis: Rund um ihn selbst.

Schon in „Dolor y gloria“ („Leid und Herrlichkeit“, 2019) ließ er einen von Antonio Banderas gespielten Regisseur über Sinn und Unsinn der eigenen Karriere sinnieren. Und mit „Madres paralelas“ („Parallele Mütter“, 2021) und „The Room Next Door“ (2024) folgten zwei Filme, die sich mit Geschichtsbewusstsein und Tod auseinandersetzten.

In seinem neusten Wurf kehrt der inzwischen 76-Jährige wieder zur Figur des alternden Künstlers zurück und fragt: Woher kommt Kunst überhaupt? Almodóvars Alter-Ego ist eine Frau – die Drehbuchautorin und Werbefilmerin Elsa. Sie wird von den Erinnerungen an den Tod ihrer Mutter verfolgt. Um die damit einhergehende Schreibblockade zu überwinden, beschließt sie, ohne ihren Freund Bonifacio nach Lanzarote zu reisen, um sich – allein und auf sich selbst gestellt – wiederzufinden. Es besteht die Versuchung, dieses von alten weißen Männern dominierte Genre als egozentrische Nabelschau abzutun und Almodóvar zu verdächtigen, er hätte in seinem neuesten Film die eigene Ideenlosigkeit zu einem Verlegenheitsprojekt verarbeitet.

Schamlose Selbstironie

Das scheint auch Almodóvar bewusst zu sein: Mit schamloser Selbstironie lässt er sein weibliches Alter-Ego im Film über das eigene Drehbuch sagen, dass man so etwas wenigstens Netflix andrehen könne. Völlig falsch ist diese Selbst-Diagnose zwar nicht, aber irgendwie ist es gerade dieser Narzissmus, der diesem Film eine eigene Qualität gibt – und einen Wahrheitsgehalt: Denn um Autorenfilmer oder Autorenfilmerin zu sein, muss man über ein großes Ego zu verfügen – denn nur unter diesen Vorzeichen können Selbstreflexionen aufrichtig und damit auch spannend sein. Almodóvar beweist in seinem neuen Kinofilm, dass er an die allgemeingültige Kraft seiner eigenen Ängste glaubt. Wie die Ängste vor Alter und Einsamkeit und dem damit einhergehenden Verlust von Attraktivität und Kreativität. Pedro Almodóvar hat also wieder einmal einen Film über sich selbst gemacht. Man könnte sich am Narzissmus stoßen – doch dafür ist das Resultat schlicht zu gut.

INFO: Spanien 2026. 112 Min. Von Pedro Almodovar. Mit Bárbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aitana Sánchez-Gijón, Victoria Luengo.

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