„Parsifal“: Der Karfreitagszauber stellt sich pünktlich ein
Franz-Josef Selig (Gurnemanz) und Gerald Finley (Amfortas).
Bei den Salzburger Osterfestspielen verlegte Kirill Serebrennikov Richard Wagners „Rheingold“ in ein postapokalyptisches Afrika. An der Wiener Staatsoper verwandelt er in „Parsifal“ die Gralsburg in ein Gefängnis und Klingsors Schloss in eine Zeitungsredaktion. Die Inszenierung aus dem Jahr 2021 des Meisterregisseurs der Verästelung kommt bei einem Teil des Publikums immer besser an, wie man in Pausengesprächen bei der traditionellen Aufführung am Gründonnerstag erfährt.
Seltsam aber, dass niemand den Applaus nach dem ersten Aufzug stoppte. Denn Wagner wollte, dass dieser in Ruhe ausklingt. Verdient hatten ihn die Sänger definitiv. Allen voran Franz-Josef Selig als Gurnemanz. Mit absoluter Wortdeutlichkeit zog er mit seinem sonoren Bass in den Bann der Erzählung des Gralsritters und übertraf sich im dritten Aufzug selbst. Leicht hatte er es zunächst nicht dabei. Denn Dirigent Axel Kober nahm sich zu Beginn sehr viel Zeit.
Unter der Lupe
Das klang so, als würde er jede einzelne Passage unter der Lupe analysieren wollen. Beim ersten Vorspiel stellte sich der Eindruck ein, Orchester und Dirigent müssten erst zueinanderfinden. Beim zweiten Aufzug entfachte Kober einen Furor, der im totalen Kontrast zum vorigen stand. Im dritten Aufzug hatte man einander gefunden. Der „Karfreitagszauber“ stellte sich pünktlich ein.
Auch die Sänger haben sich in Serebrennikovs Szenario eingelebt. Klaus Florian Vogt und sein Doppelgänger, der Schauspieler Nikolay Sidorenko, agieren als perfekt eingespieltes Duo. Am Ende verdeckt Vogt den Kopf nicht mit einer Kapuze, wie man es in dieser Inszenierung schon gesehen hat, sondern thront aufrecht auf den Stufen vor dem Gefängnis. Sein silbern schimmerndes Timbre bringt er bei der Rückgabe des Speers besonders zum Strahlen. Bei Kundrys Taufe etwa singt er die Töne sanft an. Da bleibt kein Wunsch offen.
Jennifer Holloway ist eine intensive Kundry. Ihr klarer Sopran ist in allen Lagen prächtig. Gerald Finley verkörpert den Amfortas auch vokal feinnervig. Werner van Mechelen zeigt den Klingsor, hier ein Chefredakteur, als echtes Ekelpaket und wird von Kundry erschossen. Die Blumenmädchen sind feinst aufeinander abgestimmt, hervorzuheben ist Herrenchor der Staatsoper. Ausgiebiger Jubel.
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