Ein szenisch statischer, musikalisch intensiver „Parsifal“ in Erl
Von Helmut Christian Mayer
Ausgesprochen klangschön und sehr breit ertönt das Vorspiel aus dem Graben. Auch sonst wählt Asher Fisch am Pult des Orchesters der Tiroler Festspiele bei Richard Wagners "Parsifal" den ganzen Abend eher langsame Tempi. Trotzdem überwiegen bei dieser Wiederaufnahme des Bühnenweihfestspiels bei den Tiroler Festspielen in Erl im ausverkauften Festspielhaus, das passend zur Passionszeit wie im Vorjahr wieder zu Ostern aufgeführt wird, abgesehen von kleineren Unstimmigkeiten, meist nuancenreiche und spannende Momente sowie große Sängerfreundlichkeit.
Jamez McCrakle als Parsifal
Diese sind deshalb alle gut hörbar und singen auf hohem Niveau: Allen voran singt der über viele Jahre schon in der obersten Liga der Wagner-Sänger etablierte René Pape einen exzellenten Gurnemanz. Man hört den Ausnahmesänger, der die lange Partie mühelos durchsteht, warmstimmig, reich schattiert und ungemein wortdeutlich. Anstelle des Intendanten der Festspiele Jonas Kaufmann, der im Vorjahr und nächstes Jahr wieder die Titelfigur geben wird, debütiert diese Ostern Jamez McCrakle in dieser Rolle. Der US-Amerikaner singt einen baritonal klingenden und sehr höhensicheren Parsifal, sollte aber an seiner Textverständlichkeit noch arbeiten.
Ricarda Merbeth, fast schon eine Veteranin im Wagner Fach, gestaltet eine energiegeladene, expressive, nicht ganz vibratofreie Kundry. Michael Nagy ist ein intensiv leidender, kraftvoller Amfortas, Autun Iversen eine Wucht an Dämonie als Klingsor. Der kurzfristig eingesprungene Falk Struckmann singt einen mächtigen Titurel. Auch die vielen kleineren Partien, insbesondere die Blumenmädchen und der hauseigene Chor sind klangschön zu hören.
Langatmig inszeniert
Passend zu den orchestralen Tempi sind in der Regie von Philipp M. Krenn auch die Bewegungen der Gralsritterschaft und der Protagonisten, größtenteils in Weiß gewandet, überwiegend langsam schreitend oder stehend ausgeführt. Das geht natürlich auf Kosten einer emotionalen Ebene. Das auch sonst eher langatmig inszenierte Bühnenweihfestspiel ist zudem auf einer weißen, zeitlosen Bühne (Heike Vollmer) mit großen, verschiebbaren Elementen, die an keltische Harfen erinnern, verortet. Diese lassen sich verschieben, drehen sowie umstürzen und erzeugen so verschiedene Räume. Im Vordergrund liegt ein kleiner Pool, in dem Amfortas und auch Kundry lange Ganzkörperbäder nehmen müssen. Wie im Vorjahr wird auch auf Projektionen mit Großaufnahmen von Parsifal und Kundry nicht verzichtet.
Großer Jubel und stehende Ovationen des Publikums!
Wiederholung am 5.4., 16 Uhr
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