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Albertina feiert Jubiläum: Papier für die Ewigkeit und ein Hase für alle

Das Museum stellt sich zum 250. Bestandsjubiläum in der Schau "Sammeln für die Zukunft" selbst aus.
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„Horizont 100“ nennt Ralph Gleis, Direktor der Albertina, ein Kriterium, das das Museum bei der Aufnahme neuer Objekte leitet: „Das, was in unsere Sammlungen kommt, sollte noch in 100 Jahren interessant sein.“

Doch kann man sich von Moden und wechselnden Prioritäten jemals lossagen?

Gerade Albrecht Dürers „Feldhase“ – das berühmteste Werk des Hauses, das im Rahmen der Jubiläumsschau „Sammeln für die Zukunft“ nun wieder öffentlich ausgestellt ist – kam nämlich durch eine kolossale Fehleinschätzung in den Bestand.

1796 hatte die Kaiserliche Hofbibliothek 530 Zeichnungen gegen Druckgrafiken aus dem Besitz des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen (1738–1822) getauscht. Die Zeichnungen würden „weder die für eine ordentliche Sammlung nöthige Folge von berühmten Meistern darbieten noch überhaupt genommen einen vorzüglichen Werth haben“, befand der Präfekt der Bibliothek. Neben Dürer-Zeichnungen umfasste die Ausschussware u. a. Blätter von Raffael, Pieter Bruegel oder Hieronymus Bosch – Werke, auf denen heute der Weltruf der Albertina gründet.

Albertina Bratislava

Mit „Sammeln für die Zukunft“ wirft die Institution ihre Best-of-Werke (darunter Preziosen von Michelangelo und Rubens) aber eher als Köder aus, um dann eine detaillierte, differenzierte Geschichte von sich selbst zu erzählen.

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Der Name „Albertina“ für die 1776 von Herzog Albert und seiner Frau Marie Christine gegründete Sammlung ist dabei erst 1864 nachweisbar. In das Wiener Palais, das heute ebenfalls diesen Namen trägt, kam die Sammlung erst 1800 – davor war sie in Bratislava, Brüssel und Dresden stationiert gewesen.

Die lange, nun blau getünchte Raumflucht, in der die Schau diese Geschichte darlegt, war übrigens schon im 19. Jahrhundert ein Ausstellungsort für die Papier-Schätze des Herzogs und seiner Frau gewesen – ab 1895 gab es fixe Öffnungszeiten (Montag und Donnerstag), 1899 die erste Ausstellung im Haus (sie galt – Überraschung – Albrecht Dürer).

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Dass Albert von Sachsen-Teschen und Marie Christine – die erklärte Lieblingstochter Maria Theresias – ihre Kollektion von Anfang an für ein Publikum angelegt hatten, ist für Direktor Gleis der Kern des aufklärerischen Impulses, dem das Museum bis heute folgt: Ursprünglich nur auf Druckgrafiken beschränkt, sollte die gesamte Kunstgeschichte seit der Renaissance in der Kollektion verfügbar werden. Dazu sammelte man von Anfang an „maîtres modernes“, also Künstler der Gegenwart.

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Die Sammlersammler

Die Schau vermittelt neben den Meisterwerken viel Zeitkolorit, etwa mit der Darstellung einer „Soirée“ 1800, bei der Connaisseure im Schein einer Lampe Grafiken studieren. Dass der Herzog und seine Frau selbst amateurkünstlerisch tätig waren und sich selbst um ihre Sammlung kümmerten, lässt sie fast wie ein Sammlerpaar modernen Zuschnitts erscheinen.

Auch die Idee, statt einzelner Werke ganze Sammlungen zu akquirieren, war bereits beim Gründerpaar angelegt. Jahrhunderte später trieben die Fotosammlung der Graphischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt (2000), die Sammlung Batliner (2007) und die Sammlung Essl (2013) den Wandel der Albertina zu einem Großmuseum voran.

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Schneller Vorlauf

In der Darstellung dieser jüngeren Geschichte schlägt die Schau einen gänzlich anderen Ton an: Die gesamte Ausstellungs- und Leihverkehrschronik seit der Verstaatlichung 1919 ist an die Wand affichiert, Schautafeln erzählen von Kriegsschäden, Auf- und Umbauten (mitsamt Hans Holleins 2003 auf einen Zwanzigschillingschein gezeichneter Idee für das umstrittene Flugdach). Klaus Albrecht Schröder, Albertina-Lichtgestalt des vergangenen Vierteljahrhunderts, steht plötzlich in einer langen Ahnenreihe.

Ein Film der Künstlerin Rosa Barba, der die Anatomie der Albertina (Lager, Papier, Werkstätten ...) abstrakt erfasst, schließt den Parcours ab. Wer meinte, die Institution zu kennen, sieht sie hier nochmal neu. Wer nur den Hasen sehen wollte, hat den Hasen gesehen.

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