Jude Law als Putin: Der Zar und sein Rasputin

Der Aufstieg Putins zur Macht aus der Perspektive seines Politberaters: Paul Dano und Jude Law glänzen in Olivier Assayas’ dialogreichem Polit-Lehrstück.
Jude Law als Putin und Paul Dano als sein Berater.

Lange hat Olivier Assayas gezögert, den Bestseller „Der Magier im Kreml“ von Giuliano da Empoli zu verfilmen. Zu dialoglastig, zu abstrakt, zu schwierig erschien ihm der Roman über den Aufstieg Putins zum alleinigen Machthaber Russlands. Letztlich aber konnte der französische „Carlos“-Regisseur der Versuchung nicht widerstehen. Gemeinsam mit dem Russland-Experten Emmanuel Carrère verfasste er das Drehbuch und komprimierte es auf eine 156 Filmminuten lange, atemlose Geschichtsstunde.

Im Zentrum steht nicht „Zar“ Putin, sondern sein „Rasputin“: Er heißt Wadim Baranow, ist in der Figurenzeichnung stark an Putins engen Ex-Berater Wladislaw Surkow angelehnt und wird von Paul Dano im Strickpullover verkörpert. Danos Markenzeichen, die berühmt weiche Stimme, schleicht sich als Voiceover auf Samtpfoten durch den gesamten Film: Im Gespräch mit einem US-Journalisten rekapituliert er in der Rolle des teigigen Baranow seinen Aufstieg ins Zentrum der Macht.

Anfang der frühen 1990er-Jahre verkehrt Baranow in der queeren Moskauer Punkszene und interessiert sich für modernes Theater. Mit entfesselter Handkamera stürzt sich Assayas mitten in ein Punkrock-Konzert, auf dem Baranow seine große Liebe (Alicia Vikander) kennenlernt. Baranows Fähigkeit zur Inszenierung macht ihn zum erfolgreichen TV-Produzenten und schließlich zum Drahtzieher politischer Propaganda.

Jude Law als Putin

Mit dem Aufstieg Putins ist es vorbei mit geschminkten Punk-Burschen und küssenden Lesbenpärchen: In Putins soldatischer Männerrunde wird die Stromgitarre von der Ziehharmonika abgelöst.

Jude Law als Putin, Paul Dano als sein Berater.

Eiserner Griff nach der Macht: Jude Law als Putin, Paul Dano als sein Polit-Berater.

Jude Law bringt Putin mit hängenden Mundwinkeln und gerunzelter Stirn schauspielerisch perfekt auf den Punkt. Als humorloser Bürokrat steht seine gekränkte Eitelkeit gegenüber dem Westen („Sie behandeln mich wie den finnischen Präsidenten!“) seinem eisernen Zug zur Macht um nichts nach. Vom Tschetschenienkrieg bis zur russischen Trollfabrik treibt Assayas in gewohnt zügigem Erzähltempo drei Dekaden Politgeschichte vor sich her. Seine Figuren müssen eine Unmenge an Informationen liefern und befinden sich im Dauerdialog. Aber auch in seiner Überforderung ist Assayas’ Erklärstück absolut sehenswert. Nicht Putin ist das Herzstück seiner Lektion über autoritäre Machtergreifung, sondern Putinismus.

INFO:  F/USA 2025. 156 Min. Von Olivier Assayas. Mit Paul Dano, Jude Law.

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