Nitsch in Mistelbach: Wieder einmal die Kathedrale der Farben

Die Ausstellung „Von Sonnenaufgang an“ enttäuscht etwas im Nitsch Museum Mistelbach
46-223738496

Die ein- wie mehrtägigen Aktionen von Hermann Nitsch begannen immer mit dem Sonnenaufgang. Fallweise gab es auf Schloss Prinzendorf, dem Schauplatz des Orgien Mysterien Theaters, auch Regen. Aber in den Partituren, auf Millimeterpapier notiert, geht die Sonne generell „hell strahlend“ auf. Nach der Tortur mit Prozessionen, Ausweidungen und Trampelaktionen macht sie das nochmals: „Die Spielteilnehmer umarmen sich, küssen sich und geben sich die Hände.“

Die neue Jahresausstellung des Nitsch Museums in Mistelbach – wenige Kilometer vom Schloss entfernt – nennt sich „Von Sonnenaufgang an“. Man könnte meinen, dass sich Kuratorin Julia Moebus-Puck – sie stellte auch die umfassende Schau über das Frühwerk von Nitsch im Wiener Aktionismus Museum zusammen – eine Erzählung überlegt hat. 

Doch mitnichten, der Titel führt in die Irre: Moebus-Puck geht der Frage des Sakralen bei Nitsch nach. Allerdings geht es bei Nitsch immer um das Sakrale. Das Museum selbst ist schon eine Hallenkirche bzw. eine in der Regel symmetrisch gehängte „Kathedrale der Farben“. Auch die Hängung der großen Schüttbilder Stoß an Stoß in Zweierreihe gab es bereits.

46-223739008

Die Schau, um alte Fotocollagen von Heinz Cibulka ergänzt, wirkt zusammengestoppelt, die Angaben zu den Werken („Relikte 1975 –2025, verschiedene Größen“ oder „Schüttbilder 1989–2021“) enttäuschen. Die erstmals gezeigten Videos aus 2001/’02 – Nitsch filmte mit Engelsgeduld die Weinlese, den Garten, die Landschaft und, ach ja, auch den Sonnenaufgang – entschädigen nicht.

Kommentare